Seit Jahren entwickelt sich die Videospielindustrie zu einer Sparte, in der schwierige Spiele schon fast gar keinen Platz mehr haben. Wir sind froh, dass es Ausnahmen gibt, die uns gut zeigen, wie viel Spaß man mit Herausforderungen haben kann.
Einst war das Universum von Sin and Punishment: Successor of the Skies in zwei Fraktionen geteilt. Zwischen dem Inneren und dem Äußeren Universum herrschte Krieg, denn das Innere Universum erschuf die Menschen, welche sich gegen das Äußere Universum wehren mussten. Als Schutz vor dem Feind wurden mehrere Erden geschaffen, welche die Menschen als ihre Heimat ansehen. Es kam jedoch dazu, dass sich die Menschheit ihrer Bestimmung widersetze und Mitgefühl mit dem Äußeren Universum zeigte. Immer dann, wenn sich solch ein Vorfall ereignete, musste die betroffene Erde samt ihrer Bevölkerung neu erschaffen werden. Derlei Vorfälle nutzen dem Äußeren Universum als Schlupfloch, um die Saat des Bösen ins Innere Universum zu entsenden. Unsere Geschichte beginnt damit, dass die Vorhut in Mädchenform auf die vierte Erde entsandt wird. Kachi trifft dort auf den halbmenschlichen Jungen Isa, der wiederum vom Inneren Universum geschickt wird, um Kachi zu beseitigen. Jedoch freunden sich die beiden Teenager an, um herauszufinden, woher Kachi eigentlich kommt. Das Innere Universum ist von deren Vorhaben natürlich nicht begeistert und schickt die Nebulox aus, um Kachi und Isa zu töten. Sie haben keine Wahl und müssen sich den Kriegern Deko Gekisho, Orion Tsang, Ariana Shami, Armon Ritter und Hibaru Yaju stellen, um ihr Leben zu retten.
Hardcore-Ballerorgie
So viel verrät uns zumindest die Anleitung des Titels, denn im Spiel wird die Handlung kaum erörtert und wir können nur erahnen, warum wir gegen dutzende Gegnerhorden kämpfen und was der ausschlaggebende Grund dafür ist. Schade, denn in den Zwischensequenzen hätte die Story des actiongeladenen Abenteuers deutlich besser in Erscheinung treten können. Einfluss auf das Gameplay hat dies natürlich kaum. Zu Beginn des Abenteuers wählen wir zwischen den beiden Protagonisten Isa und Kachi aus, um anschließend nach der Reihe acht Stages von den Nebulox-Schergen zu befreien. Acht Stages klingen jetzt natürlich nicht viel und ist man geübt im Umgang mit herausfordernden Ballerorgien, ist man sicherlich auch schnell beim Endkampf angelangt. Sind eure Fähigkeiten jedoch eingerostet oder stammt ihr aus der Post-Mega-Man-Generation, werdet ihr den Game-Over-Screen mehr als nur einmal zu Gesicht bekommen. Selbst auf dem mittleren der drei Schwierigkeitsgrade kennt das Spiel besonders in den letzten drei Stages kein Erbarmen. Von überall fliegen Lasersalven, Kanonenkugeln und sonstige Projektile an, denen wir entweder ausweichen, sie abwehren oder sogar auf die Gegner zurückfeuern sollen. Währendessen müssen wir jederzeit unsere Spielfigur im Auge behalten, die nicht mit Flugkörpern zusammenstoßen darf und diesen ausweichen sollte.
Bildschirmfüllendes Effektfeuerwerk
In der ersten Spielstunde könnt ihr darüber nur lächeln, doch danach fordert euch Successor of the Skies regelrecht heraus, denn schon bald sind die Angriffe der Gegner bildschirmfüllend und wer da nicht ständig in Bewegung ist und sich auch nicht nur die kleinste Lücke für eine Millisekunde des Verschnaufens sucht, wird sehr bald die Lebensanzeige seines Charakters in kurzer Zeit sinken sehen. Zum Glück haben die Entwickler Kontrollpunkte relativ fair in den einzelnen Levels verstreut, weshalb ihr nicht immer am Anfang des jeweiligen Spielabschnitts beginnen müsst. Hardcore-Spieler brauchen jetzt allerdings nicht aufzuschreien, denn wer das Abenteuer von Isa und Kachi unbedingt meistern will, freut sich über jeden noch so hohen Highscore, der bei einem Game Over unverzüglich auf Null zurückgesetzt wird. Wer ständig verliert, hat dementsprechend auch keine Chance, auf der Online-Rangliste zu landen, wo sich auch nur alle Spieler tummeln dürfen, die verrückt genug waren, Spielpassagen auswendig zu lernen und die Taktiken aller Bossgegner zu verinnerlichen. Diese treten nämlich in Gestalt von monströsen Kreaturen gegen uns an oder sind zumindest so hinterhältig, dass wir erst die Situation studieren müssen, bevor wir überhaupt etwas gegen sie ausrichten können – da muss ein Kampf auch schon mal fast ausschließlich mit Nahkampfangriffen gewonnen werden!
Schwächen des Konzepts
Die Bosskämpfe sind also spannend und herausfordernd, doch die kleinen Gegner in den acht Stages lassen dieses Gefühl leider nicht aufkommen. Viele Gegner sind Kanonenfutter, die dazu dienen, unseren Punktemultiplikator mit jedem Abschuss in die Höhe zu treiben, doch dann und wann tauchen auch schon mal größere und gepanzerte Kreaturen auf, die uns das virtuelle Leben zur Hölle machen können, wenn wir nicht schnell reagieren. Während solche Gestalten zum Ende hin häufiger auftauchen, lässt das Leveldesign nach der fünften Stage nach. In der ersten Hälfte des Spiels erkunden wir schon mal einen japanischen Wald oder müssen in einem Tunnel einer Fabrik sich schließenden Türen so ausweichen, dass wir immer durch die offene Stelle der Türen düsen. Später fehlt uns diese Verspieltheit einfach, doch wir sind zumindest froh darüber, dass wir uns automatisch durch die Levels bewegen und wir nur die vordere Ebene zum Steuern des Charakters zur Verfügung haben, denn Successor of the Skies wäre sonst sicherlich auch für den talentiertesten Spieler eine Zumutung. Unzumutbar ist fast schon die antiquierte Grafik. Wir sind uns sehr wohl bewusst, dass die Wii nicht die leistungsstärkste Konsole ist, doch verwaschene Texturen und detailarme Charaktere lassen das Spiel so wirken, als sei es fast noch für das Nintendo 64 oder den Gamecube konzipiert.
Herausforderungen am laufenden Band
Immerhin läuft das Spiel dafür mit geschmeidigen sechzig Bildern pro Sekunde. Zumindest in den meisten Fällen, denn wenn doch sehr viele Polygone dargestellt werden müssen, sinkt die Bildwiederholungsrate geringfügig – verschmerzbare Ausnahmen! Stattdessen freuen wir uns darüber, dass sich die Entwickler an möglichst viele Steuerungstypen richten wollen. Steuern dürft ihr das Spiel entweder mit der von uns bevorzugten Kombination aus Wii Remote und Nunchuck oder auch mittels Classic- und Gamecube-Controller. Letzteres ist aber nur dann möglich, wenn ihr eine Wii der frühen Baureihe besitzt, denn aktuelle Wii-Konsolen verfügen nicht mehr über Gamecube-Controller-Anschlüsse. Wer die eigentlich nutzlose Peripherie Wii Zapper sein Eigen nennt, darf diese für Successor of the Skies auch aus dem Regal nehmen. Abschließend bleibt zu sagen, dass der Titel über einen Mehrspielermodus für zwei Spieler verfügt. Während der erste Teilnehmer ganz normal seine Spielfigur über den Screen bewegt, darf der zweite Spieler jedoch nur zielen und schießen. Das finden wir sehr schade, doch wer das Ende des Spiels kennt, wird sehr wohl wissen, dass das dann keinen Sinn mehr ergeben würde. Trotz der Mehrspielervariante richtet sich Successor of the Skies dennoch an Solisten, die nichts gegen zehn Stunden Herausforderungen am laufenden Band einzuwenden haben.
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit: Sin and Punishment: Successor of the Skies lag nun lange genug bei mir herum. Eigentlich hatte ich vor, den Nintendo-64-Vorgänger vor dem Spielen nachzuholen, doch in Anbetracht dessen, dass sich der Lebenszyklus der Wii dem Ende entgegenneigt, konnte ich mich dem Thrid-Person-Shooter nicht mehr entziehen und bereue es zum Glück nicht – dabei war ich anfangs sogar etwas enttäuscht! Ich wusste zwar von anderen, dass das Spiel wohl sehr herausfordernd und anspruchsvoll sein soll, doch die ersten Stages habe ich nahezu problemlos überstanden! Doch dann kam Stage 5 und alles änderte sich schlagartig. Auf einmal sind meine Reflexe nicht so, wie sie eigentlich sein sollen und erst nach vielen Anläufen habe ich die jeweilige Situation gemeistert. Ich habe es jedoch gerne gemacht, denn immer wenn der Game-Over-Screen auf meinem Fernseher auftauchte, musste ich lauthals lachen. Das Spiel wird in dem einen oder anderen Spielabschnitt einfach so unglaublich schwierig, dass es mich geradezu anstachelt, die Stage zu meistern und meine Fähigkeiten zu verbessern und wenn ich auch beim zehnten Mal die Stelle abermals laden muss, dann lade ich sie gerne. Bei Successor of the Skies weiß ich einfach, dass ich am Ausgang der gescheiterten Stelle Schuld bin, weil ich einen oder zwei Momente einfach nicht aufgepasst habe. Dieses Gefühl können mir nicht viele Spiele verleihen und ich hoffe sehr, dass Nintendo an einem Nachfolger für die Wii U werkeln wird. Wenn man dann nämlich noch die letzten Defizite des zweiten Teils ausradiert, hätte ich sicherlich den besten Third-Person-Shooter gefunden, den ich mir vorstellen kann.
Vielen Dank an Nintendo für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Sin and Punishment: Successor of the Skies!