Man kann nicht von der Hand weisen, dass sich Sony sehr oft von Nintendo-Hardware hat inspirieren lassen. Rumble-Funktion, Control-Sticks oder auch PlayStation Move basieren im Grunde auf Nintendos Idee. Leider bedient sich Sony jetzt auch noch mehr an Spielkonzepten.
Selbstverständlich gilt in der Branche, dass man besser ein Spiel gut kopiert, als es schlecht in Eigenregie zu erfinden. In der heutigen Zeit können sich viele Unternehmen, wozu sich Sony mittlerweile auch zählen muss, grundsätzlich keine Flops leisten. Also hat man sich bei Sonys Santa Monica Studio wohl gedacht, dass man sich ein Erfolgsrezept als Vorbild nehmen muss und so den Markt exklusiv auf den eigenen Systemen erobert. So hat man sich wohl oder übel die Super-Smash-Bros.-Reihe von Nintendo einmal genauer angeschaut. Charaktere aus dem gesamten Nintendo-Universum treten hier in bester Beat-’em-up-Manier gegeneinander an. So wollte man selbiges Konzept mit PlayStation-Charakteren realisieren, doch gibt es da einen Haken, der den Entwicklern hätte auffallen müssen. Während Nintendo tatsächlich auf ein Repertoire von hunderten Charakteren zurückgreifen kann, sieht das bei Sony doch etwas dünn aus. Von den zwanzig enthaltenen und spielbaren Kämpfern sind sechs Stück überhaupt keine Sony-Charaktere, sondern lediglich von anderen Unternehmen entliehen. Im Vergleich: Super Smash Bros. Brawl kann 2009 bereits mit 37 spielbaren Charakteren aufwarten, doch befinden sich gerade einmal zwei Gäste von anderen Spielen darunter. Wir möchten uns nicht über Lappalien streiten, wenn denn PlayStation All-Stars genügend Eigenidentifikation hätte.
Hanebüchener Unsinn
Im Menü fällt uns natürlich zunächst einmal der Einzelspielerbereich auf. Hier finden wir den Arcade-Modus, in dem wir aus den zwanzig Charakteren unseren Favoriten wählen und dann eine hanebüchene Handlung erleben. Eingeläutet wird jeder Modus charakterspezifisch mit einem aus Bildern bestehenden Intro, das Outro verläuft genauso. Mittendrin gibt es gerade einmal eine Stelle, wo so etwas wie ein Dialog zwischen zwei Charakteren stattfindet. Nur blöd, dass man hier Potenzial verschenkt und weder die Handlung vertieft, noch die Helden in irgendeiner Weise stärker charakterisiert. Wer die einzelnen Spiele, aus denen die Charaktere stammen, nicht kennt, der wird wohl oder übel auf dem Schlauch stehen und sich fragen, was sie eigentlich bezwecken wollen – aber auch so gibt die Handlung keinen Sinn. Kratos zieht beispielsweise los, um den Olymp zu erobern. Soweit nichts Neues, doch wir verstehen nicht, warum er plötzlich gegen Charaktere eines anderen Universums antreten muss. Selbiges gilt auch für Nathan Drake. Es ist zwar schön und gut, wenn der Schatzsucher eben auf die Suche nach Schätzen gehen möchte, aber auch hier wird nicht erklärt, wie es zur Konfrontation mit der fetten Prinzessin, Sly Cooper, PaRappa oder Sir Daniel Fortesque kommt. Wer letzteren übrigens noch kennt, der wird eventuell schon ein paar Jährchen auf dem Buckel haben.
Starre Arenen
Der Arcade-Modus, übrigens der einzige Modus, der so etwas wie eine Story verspricht, kann in keiner Weise mit dem Subraum-Emissär vom aktuellen Nintendo-Pendant mithalten. Die Story blieb dort zwar auch dünn, doch da viele Nintendo-Charaktere ohnehin nie sprechen, ist der Schritt in unseren Augen nur logisch gewesen. Von Sony Computer Entertainment kann man hier aufgrund einiger deutlich vielschichtigeren Persönlichkeiten mehr erwarten. Sehen wir jedoch über diesen eigentlich wichtigen Teil hinweg, kann der Titel jedoch auf ein solides Grundgerüst blicken. Die Kämpfe laufen in zweidimensionalen Arenen ab, die sich aber nur selten verändern. So vielschichtig wie in Dead or Alive 5 sind sie nicht und so verspielt wie in Super Smash Bros. Brawl ebenfalls nicht. Dann tauchen gelegentlich Items, wie zum Beispiel ein Raketenwerfer auf, mit denen wir dann stärkere Attacken auf unsere bis zu drei Gegner ausführen können. Aber auch so stehen uns vielschichtige Angriffe zur Verfügung. Der Big Daddy hat seinen gigantischen Bohrer, Nathan Drake ein Maschinengewehr und Kratos haut mit seinem Schwert ordentlich zu. Prozentzahlen wie in Super Smash Bros. Brawl oder auch natürliche Lebensenergiebalken suchen wir vergebens. Mit jedem Angriff füllt sich lediglich der Balken mit den Aktionspunkten. Ist dieser voll, starten wir unseren Spezialangriff.
Monotone Kämpfe
Auf diese müssen wir unbedingt zurückgreifen, denn wir können unsere Gegner nicht mit den einfachen Angriffen aus der Arena kicken. Können ist also leider nur wenig gefragt, denn so verläuft jede Runde gleich. Der Balken kann maximal dreimal gefüllt werden und je nachdem wie oft wir ihn gefüllt haben, desto stärker fällt unser Angriff aus. Das ist zwar eine tolle Idee, doch wenn die Charakterstärken und -schwächen nicht ausgeglichen sind, dann hilft uns das auch nicht sehr viel weiter. Ein Beispiel: Kratos sticht mit seinem Schwert unmittelbar zu, aktivieren wir die Fähigkeit vor einem Gegner. Nathan Drake wirft zunächst ein Fass, welches wir zur Explosion bringen können. Es ist jedoch notwendig, dass wir nach dem Wurf still an unserem Platz verweilen und uns von keinem Gegner treffen lassen, denn sonst ist es nicht mehr möglich, das Fass explodieren zu lassen, auch wenn wir eine freie Schussbahn hätten. In PlayStation All-Stars mangelt es an vielen Enden und Ecken an Feinheiten. So erhalten unsere Charaktere zwar für jeglichen Kampf Erfahrungspunkte und steigen Stufen auf, doch schalten wir damit nur (kosmetische) Inhalte frei, die uns keine Vor- oder Nachteile in den Kämpfen bringen. Talentierte (und weniger talentierte) Spieler werden aber keine Probleme mit der künstlichen Intelligenz der Feinde haben. Hier könnte mit einem Patch nachgebessert werden.
Mehrspielervergnügen
Wie jedes Beat ’em up, kann auch PlayStation All-Stars erst im Mehrspielermodus das volle Potenzial entfalten, auch wenn das Grundgerüst des Spiels auf wackligen Beinen steht. Bis zu vier Spieler dürfen an einer Partie, auch aufgeteilt in Teams, gegeneinander antreten. Da die künstliche Intelligenz bei voller Besatzung ausgedient hat, ist zumindest hier ein klein wenig strategisches (und wenig psychologisches) Denken gefragt. Wer keine Freunde zur Hand hat, der darf das Spiel auch online spielen. Hier kann das Santa Monica Studio jedoch punkten, da der Online-Modus zum Testzeitpunkt sehr flüssig lief – davon kann sich Nintendo mit Super Smash Bros. Brawl eine ganz dicke Scheibe abschneiden, denn das Online-Gemetzel läuft da selbst nach vier Jahren nach Veröffentlichung nur sehr selten flüssig. Flüssig läuft aber auch der Rest des Spiels. Das betrifft nicht nur die direkte und sehr präzise Steuerung, sondern ebenso die technische Seite. Egal auf welcher Arena wir uns befinden, alle Farben und Töne strahlen und ziehen uns in ihren Bann. Oftmals wird das ganze mit einem aus den jeweiligen Spielen entliehenem Soundtrack gut unterlegt, wenn auch ein Ohrwurmfeuerwerk ausbleibt. PlayStation All-Stars ist wieder einmal ein Paradebeispiel dafür, dass eine gute technische Infrastruktur optisch und akustisch stimmt, aber eben noch kein gutes Spiel ausmacht.
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit (basierend auf der PlayStation-3-Fassung): Als der Titel angekündigt wurde, habe ich mir direkt meine Gedanken gemacht. Ich fand es zwar komisch, dass Sony jetzt auch noch Spielkonzepte abkupfern muss, um erfolgreich zu sein, doch habe ich an eine bestimmte Qualität geglaubt, die das Spiel halten wird. Bei einer grandiosen Vorlage wie Super Smash Bros. Brawl kann doch eigentlich überhaupt nicht schiefgehen, habe ich mir gedacht, doch da habe ich mich wohl geirrt. Die meisten Charaktere haben durchaus Charakterzüge in ihren eigenen Titeln, die hier aber so gut wie gar nicht zur Geltung kommen und eine Handlung, die die verschiedenen Universen der Helden miteinander mischt, gibt es ebenfalls nicht. So sieht jeder Kampf in seinem Ablauf gleich aus. Dazu kommt, dass die Arenen sich nur sehr wenig verändern und auch nicht wirklich verspielt sind. Zudem denkt mir die künstliche Intelligenz zu wenig, denn wenn ich nach einem Kampf an die zwanzig Punkte auf dem mittleren der drei Schwierigkeitsgrade erreiche und meine Kontrahenten gerade einmal zwei bis drei Punkte, dann fühle ich mich unterfordert und alleine macht das Spiel dann auch keinen Spaß mehr. Wenigstens kann ich den Titel für die eine oder andere Runde online oder mit Freunden empfehlen, aber auch nur dann, wenn ihr Super Smash Bros. Brawl oder Street Fighter IV nicht euer Eigen nennt. Diese beiden Titel können nämlich durchweg und besser unterhalten.
Vielen Dank an Sony Computer Entertainment für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von PlayStation All-Stars: Battle Royale!