Zwölf Jahre nach dem Ende der kurzlebigen Serie von 1998 hat Regisseur Satoshi Nishimura die Möglichkeit erhalten, einen Kinofilm zum Trigun-Franchise auf die Beine zu stellen. Ende 2012 erschien der Film hierzulande auf Blu-ray und DVD.
Die Handlung von Trigun: Badlands Rumble beginnt so plötzlich wie eine Kurzgeschichte. In einer Bank findet gerade ein Überfall statt oder viel mehr hat dieser bereits stattgefunden, da die Angestellten mittlerweile mit Seilen geknebelt in der Ecke liegen. Die Bankräuber haben leichtes Spiel, bis sich zwei der Banditen gegen ihren Boss auflehnen. Bankräuber Gasback ist von dem Verrat seiner Männer alles andere als begeistert, doch im Angesicht des Todes kann er hier nichts ausrichten. Als die Kugel den Lauf verlässt, trifft diese komischerweise nicht ihr Ziel. Der Grund dafür dürfte Kennern der Serie sofort klar sein. Der als humanoide Taifun bezeichnete Vash the Stampede befand sich unter den Gefangenen, hat sich befreit und ist auf der Suche nach seinem Doughnut, auf diesen Gasback allerdings just in diesem Moment getreten ist. Im Eifer des Gefechts können Gasbacks ehemalige Komplizen entkommen und als die Polizei eintrifft, gelingt ihm ebenfalls gerade noch die Flucht. Zwanzig Jahre später ist Gasback immer noch auf freiem Fuß und terrorisiert die Welt von Trigun mit Überfällen, bis er herausfindet, dass einer seiner ehemaligen Komplizen zum Bürgermeister von Macca City ernannt wurde. Gasback sinnt auf Rache, doch wie es der Zufall will, hat es auch Vash in die Wüstenstadt verschlagen. Eine Auseinandersetzung scheint abermals unausweichlich.
Pazifismus
Unausweichlich ist zudem der Konflikt zwischen der hübschen Amelia und Gasback, denn die beiden verbindet ebenfalls eine gemeinsame Vergangenheit, an die sich aber nur Amelia zu erinnern scheint. Außerdem wimmelt es in der Stadt nur so von Kopfgeldjägern und da auf Protagonist Vash the Stampede eine Belohnung von ganzen sechzig Milliarden Doppeldollar ausgesetzt ist, bieten diese Verstrickungen genügend Abwechslung und die Vorlage für sehr viele lustige Momente. Der Humor erinnert dabei an typische Italo-Western. Die Sprache ist also sehr dreckig, aber ebenso humorvoll. Insbesondere die Szene im Saloon, wo sich alle Kopfgeldjäger sich gegenseitig die Birne einschlagen und Vash im Gerangel ungesehen alle Patronen der Revolverhelden stiehlt, ist für sich genommen eine Wucht. Hier zeigt sich auch der pazifistische Charakter von Vash, denn während fast alle Personen in Trigun: Badlands Rumble zu erst den Abzug betätigen und dann die Fragen stellen, geht Vash the Stampede an sämtliche Auseinandersetzungen anders heran. Er schießt mit seiner Waffe nur, wenn es sich absolut nicht vermeiden lässt. Kurz vor Ende wird seine pazifistische Einstellung nochmals genauer deutlich, denn jeder Tod und jedes Leben verändert den Verlauf der Geschichte stark und so ist es auch bei diesem Anime der Fall.
Digitalisierung
Viele der vorkommenden Charaktere haben allerdings ein Problem. Dadurch, dass der Film gerade einmal eine Laufzeit von circa neunzig Minuten aufweist, werden sie nicht sehr stark charakterisiert. Es empfiehlt sich vorher also unbedingt den Manga zu lesen oder sich die Serie anzuschauen. Dann können Verknüpfungen leichter erkannt und Schlussfolgerungen eher gezogen werden. So ergibt Trigun: Badlands Rumble zwar durchgehend Sinn, aber die vollständige Charakterisierung bleibt aus. Immerhin liegt (der Blu-ray) ein kleines Booklet bei, in dem wenige Informationen zu Charakteren und zum Stil des Films zusammengetragen wurden. Der Zeichenstil hat sich seit 1998 nur rudimentär verändert. Es sind nach wie vor alle Charaktere zu erkennen, doch großartige Neuerungen sucht man im Detail. Außerdem ist der Film in 1080p vollständig digital entstanden, was in einigen Szenen stark und in anderen Szenen weniger stark zu erkennen ist. Letzteres wollte das Produktionsteam erreichen, um die Atmosphäre eines Italo-Westernfilms zu erzeugen. Atmosphärisch ist vor allem die japanische und die englische Sprachausgabe, die deutsche Synchronisation fällt befriedigend aus. Dabei kann man wie gehabt die japanische Tonspur nur mit deutschen oder englischen Untertiteln erleben. Die englische Tonspur kommt optional auch ohne Untertitel aus. Nach dem Abspann eignen sich 125 Minuten Bonusmaterial (Interviews, Making-of, Filmpremiere) hervorragend dazu, weitere Einzelheiten über den Anime und seine Produktion zu erfahren.
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Ähnlich wie bei Rurouni Kenshin: Trust & Betrayal kannte ich die Serie zuvor nicht (und habe sie auch noch nicht gesehen) und so habe ich darauf gehofft, der Handlung ohne Vorwissen folgen zu können. Das hat soweit auch ganz gut funktioniert, doch sind die Charaktere teilweise zu stereotypisch aufgebaut. Das liegt vielleicht sogar der Intention des Animes, doch so kann ich mich nur selten in die Charaktere hineinversetzen. Zudem sind viele Anhaltspunkte einfach zu eindeutig, wodurch einiges an der suggerierten Spannung verloren geht. Dafür hat mir der Stil des Animes ganz gut gefallen, denn wenn Humor und Dialoge an die eines Italo-Westerns heranreichen, dann habe ich hier eine gute Alternative zum Vorbild gefunden. An das Einbinden amerikanischer Elemente hat man ebenfalls gedacht, denn so wirken die Wanted-Poster und einige der Nebencharaktere wie aus der Zeit des Wilden Westens beziehungsweise des späten neunzehnten Jahrhunderts entnommen. Das gepaart in Verbindung mit modernen Errungenschaften und einer deftigen Portion Action ergibt ein illustres Gesamtbild, welches man mal gesehen haben sollte. Wer sich aber tatsächlich für Trigun: Badlands interessiert, sollte meiner Meinung jedoch schon Vorwissen mitbringen, um die bestmögliche Unterhaltung gewährleistet zu bekommen!
Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars zu Trigun Badlands Rumble!