Review: The Bell Witch Legend

The Bell Witch Legend (1)Angeblich basiert The Bell Witch Legend auf einer wahren Begebenheit. Wahre Tatsachen verlangen nach Antworten, doch diese möchte uns der Film vor allem in den letzten Minuten einfach nicht geben. Dass das dreist ist, beweist zudem auch noch das Bonusmaterial.

The Bell Witch Legend (2)Wir schreiben das Jahr 1818. Der in Tennessee ansässige Farmer John Bell streitet sich mit seiner als Hexe angesehenen Nachbarin und zockt sie bei einem Handel ab. Die damals noch mehr als heute wichtige Kirche in den Vereinigten Staaten sieht das genauso, denn zwanzig Prozent Zinsen für das Darlehen seien in Gottes Augen Wucher. Sie droht ihn damit, dass in seinem Leben noch etwas Schlimmes passieren wird. Kurz darauf beginnen die seltsamen Geschehnisse auf dem Bell-Anwesen. Scheinbar liegt ein Fluch auf ihm und seiner Familie, denn anders sind die Ereignisse nicht zu erklären. Seine Tochter wird nicht nur von fiesen Alpträumen geplagt, sondern mitten in der Nacht von einer unsichtbaren Macht auch aus dem Bett gezogen und in der Luft geohrfeigt und geschlagen. Noch dazu stören ominöse Stimmen den Hausfrieden. Mit der Zeit wird der Geist immer mächtiger und aggressiver, doch langsam gehen den Bells die Ideen aus. Die Kirche versucht in gewisser Weise zwar Exorzismus auf dem Anwesen durchzuführen, doch bereits in der Nacht des ersten Versuchs versagt sie dabei. Auf der anderen Seite versucht Betsys Lehrer eine wissenschaftliche Erklärung für die Vorfälle zu finden, bleibt dabei allerdings ebenso erfolglos. Was nun aber tatsächlich im Haus der Bells passiert, bleibt bis zum Abspann vollkommene Interpretationssache.

Legende gegen Wahrheit

The Bell Witch Legend (3)Geschildert wird der Film aus der Sicht der heutigen Zeit, wo die Nachkommen der Bells das ominöse Tagebuch des Lehrers auf ihrem Dachboden finden, als sich die Vorfälle sich nach all den Jahren wiederholen. Ob sich der Fluch allerdings über Generationen vererbt hat oder ob dieser nur zufällig durch ein bestimmtes Ereignis ausgelöst wird, bleibt ungeklärt. Das ist sehr schade, denn auf der einen Seite wird am Ende behauptet, dass der Film auf einer wahren Geschichte beruht, doch dann widerlegt man dies im Bonusmaterial selbst. Dort wird gesagt, dass alles auf einer Legende basiert. Auf dem Packungstext steht zudem, dass der Film nach dem Roman The Bell Witch aufgebaut ist. Die Wahrheit liegt also irgendwo dazwischen und eine klare Aussage kann hier nicht gefasst werden. Angeblich seien bei der Premiere von The Bell Witch Legend sogar die echten Nachfahren von John Bell anwesend gewesen, die sich die Geschichte ihres Vorfahrens exakt so wie in der Filmhandlung vorgestellt haben. Für uns klingt das ein wenig zu fanatisch, doch das macht dem Film im Endeffekt natürlich nicht schlechter. Die Schauspieler, insbesondere Donald Sutherland, können uns überzeugen und hauchen ihren Charakteren genügend Leben ein. Unterstützt wird dies von den authentischen Kostümen, die den Zeitgeist des eingehenden neunzehnten Jahrhunderts glaubhaft einfangen.

Farbgestaltung

The Bell Witch Legend (4)Selbiges gilt für die wenigen Ortschaften, die in The Bell Witch Legend auftauchen. Sowohl das Anwesen der Bells, dem der Hexe, die Schule und die Kirche werden authentisch gezeigt und geben die Verhältnisse der Vereinigten Staaten in ihren Gründungsjahren glaubhaft wieder. Das Bild in 1080p und im 16:9-Format (2,40:1) unterstützt diese Tatsache positiv, da die meisten Bilder sehr scharf sind, allerdings nicht sonderlich kontrastreich. Das passt aber auch zum Kontext der Handlung, denn die manchmal recht schwammigen Bilder wollen die Undurchsichtigkeit der Personen und vor allem der merkwürdigen Ereignissen demonstrieren. Eine Szene bleibt uns ganz besonders in Erinnerung, denn hier dreht sich die Kamera um die Darsteller herum, wobei das Bild ständig zwischen einer farbigen und einer schwarzweißen Farbgebung wechselt, um so Kälte und Wärme auszudrücken. Was in jedem anderen Film absolut unpassend wäre, macht in The Bell Witch Legend absolut Sinn. Sowohl die deutsche als auch die englische Tonspur in DTS-HD 5.1 Master Audio können uns überzeugen, wenn der Originalton natürlich authentischer ist. Das Bonusmaterial besteht abschließend aus einem Interview zwischen Regisseur und Sissy Spacek, mehreren alternativen Enden (die allesamt fast nichtssagend sind) und einer kurzen Stunt-Zusammenfassung – in SD-Bildqualität.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Von der ausgehenden Rahmenhandlung verspricht The Bell Witch Legend großes Kino. Ein Fluch, der tatsächlich so existiert haben soll, klingt zwar in Filmform vielversprechend, doch jeder vernünftige Mensch sollte wissen, dass das absoluter Humbug ist. Trotzdem kann mich der Film zumindest in den ersten zwei Dritteln, also etwa 65 Minuten lang, in seinen Bann ziehen. Danach verliert sich der Film aber zunehmend in purer Verwirrung und am Ende scheint die Erklärung des Fluchs so nahe, wird dann jedoch zur reinen Interpretationssache. Die vier alternativen Enden zeigen mir dann auch, dass sich selbst der Regisseur nicht so sicher war, was er da eigentlich fabriziert hat. Da kann auch die starke Besetzung rund um Donald Sutherland nicht mehr viel helfen. So gut die schauspielerische Leistung auch von der damals noch recht jungen Rachel Hurd-Wood, welche die Betsy Bell verkörpert, auch ist – die Handlung verliert auf der Zielgeraden an Tempo und Kernaussage. Wer Horror- und Mystery-Filme mag, kann sich The Bell Witch Legend durchaus anschauen, sofern man nicht auf eine von Anfang bis Ende funktionierenden Handlung besteht. Am Ende hat mich der Film nach dem starken Auftakt jedoch enttäuscht, weshalb mir das einmalige Anschauen gereicht hat.

Vielen Dank an Splendid Film für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von The Bell Witch Legend!

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