Polizisten sind schon lange nicht mehr nur unsere Freunde und Helfer, denn einhergehend mit dem Auftauchen von Filmen, Fernsehserien und Videospielen haben sich Polizisten zu einem wichtigen Bestandteil fiktiver Geschichten und unserer Popkultur entwickelt.
Wann genau der erste Polizist in einem Videospiel aufgetreten ist, lässt sich gar nicht so einfach sagen. Vielleicht in Police Quest, vielleicht aber auch in einem unbekannten Titel der Siebziger Jahre. Fakt ist, dass der Polizist aus Videospielen nicht mehr wegzudenken ist, denn schließlich verkörpert er das Gesetz beziehungsweise das Regelwerk des Spiels, welches wir befolgen oder eher gesagt befolgen sollen. Das Auftreten der Polizei geht also einher mit einer bestimmten Freiheit, die uns das Spiel lässt. Das beste Beispiel dafür dürfte wohl die Grand-Thef-Auto-Reihe sein, von denen Nintendo-Jünger wohl nur den GameBoy-Advance- und den Nintendo-DS-Ableger kennen. Solange wir in den Straßen von Liberty City keine Leute töten und uns auch an die Verkehrsregeln halten, ignoriert uns die Polizei und lässt unseren Machenschaften, von denen sie nichts ahnt, freien Lauf. Bewegen wir uns in der virtuellen Stadt jedoch mit gezogener Maschinenpistole, fliegen wir auf und werden von Polizisten in der Nähe angegriffen oder verhaftet. Widersetzen wir uns, verschlimmern wir die Lage nur. Anschließend machen Bundespolizei und Militär auf uns Jagd, bis wir den Löffel abgeben und im Krankenhaus landen. Eine endgültige Konsequenz gibt es wie im Spiel Mafia nur selten. Wer hier verhaftet wird, darf die Mission oder die freie Fahrt von vorne beginnen.
Im Wandel der Zeit
Der Reiz, vor der Polizei zu entkommen, ist allgegenwärtig. Das liegt vor allem an den wilden Verfolgungsjagden, die wir uns in den Videospielserien mit ihr liefern. Lustige Momente, die durch Aussetzer der künstlichen Intelligenz entstehen, unterhalten uns dabei ebenso, wie das taktische Ausnutzen ihrer Schwächen. Da fahren unsere Verfolger gegen Laternenmasten und in die Gegenfahrbahn, während wir mit Affenzahn an der nächsten Kreuzung abbiegen und dort auf neue Polizisten stoßen, die uns an der Flucht hindern wollen. Polizisten gibt es aber nicht nur in Spielen, welche die Moderne darstellen, sondern auch in Fantasy-Rollenspielen, die vor einer mittelalterlichen Kulisse spielen. Stadt- und Schlosswachen beschützen König und Vaterland. Machen wir uns straffällig, indem wir beispielsweise Läden ausrauben, wehrlose Bürger umbringen oder ein fremdes Gebiet betreten, nehmen sich die Wachen uns zur Brust. Sie machen uns freundlich darauf aufmerksam, dass wir doch bitte die Strafe zahlen oder für den Fall, dass wir zahlungsunfähig sind, stattdessen Frondienste leisten sollen. Als Letztes bleibt uns der Griff zur Waffe, denn wenn wir weder Gold zahlen und ebenso wenig unsere Fähigkeiten im Gefängnis einbüßen wollen, ist Gewalt immer eine Lösung – virtuell versteht sich! Solche Möglichkeiten lassen vor allem westliche Rollenspiele zu.
Schauspielkunst
In fernöstlichen Ablegern des Genres vermissen wir solche Freiheiten zunehmend, denn selbst wenn wir in Dragon Quest und Co. das eine oder andere Staatseigentum stehlen, reagieren die Wachen nicht und reden mit uns weiterhin so, als ob sie in einem friedlichen Königreich leben. Glaubhaftigkeit ist ein weiterer Punkt, den Polizisten erfüllen sollten. Glaubhafter, wenn auch nicht besonders geschickt, ist Inspector Chelmey aus der Professor-Layton-Reihe. Ähnlich wie Frank Drebin (Die nackte Kanone) und Kogoro Mori (Detective Conan) ist der Herr viel zu schnell mit seinen Verurteilungen. Dabei möchte uns die Rolle aber eher zum Schmunzeln bringen. Ähnliches schaffte ja auch Schauspieler Peter Falk als Lieutenant Columbo in der gleichnamigen Fernsehserie, um anschließend zu zeigen, wie man es richtig macht. Diese Merkmale, die in Serien und Filmen zuhauf zu finden sind, halten immer mehr Einzug in die Welt der Videospiele. Das beweisen Titel unter anderem Titel wie Heavy Rain. Um den Origami-Killer zu finden, schlüpfen wir unter anderem auch in die Rolle des schon pensionierten Polizisten Scott Shelby. Kenner des Spiels dürfen jetzt genüsslich schweigen. Auch wenn das Gameplay von Heavy Rain stellenweise stark enttäuscht, wird die Geschichte spannend und wendungsreich erzählt. Sie hält uns einfach gesagt bis zum Ende bei Laune.
Realismus
Ähnlich sieht es mit L.A. Noire aus, denn für das Cop-Drama mit starken Film-Noir-Anleihen hat man sogar richtige Schauspieler engagiert, die mittels Motion-Capture-Verfahren auf ihre virtuellen Pendants übertragen wurden. Viel wichtiger ist dabei die Tatsache, dass wir hier die Seiten gewechselt haben. Anstatt Verbrechen zu verüben, sollen wir sie nun – ausgerüstet mit Notizblock und Stift – aufklären. Wir sprechen mit Zeugen, Tätern und anderen zwielichtigen Gestalten und müssen dabei ihre Gesichtszüge im Auge behalten, um zu erkennen, ob die Personen lügen oder uns auf eine falsche Fährte locken. Dass bedeutet zwar weniger Action, dafür aber ein realistischeres Spiel. Dieses Spielsystem kennen wir ähnlich von der Ace-Attorney-Reihe, in der wir als Strafverteidiger Schuld und Unschuld beweisen. Ansonsten findet man nicht viele Spiele, in der man für die Gerechtigkeit eintreten muss. C.O.P.: The Recruit ist eines der Beispiele, welches jedoch nur mit einer tollen Technik, weniger mit dem Inhalt punkten konnte. Polizisten, in welcher Form auch immer sie auftreten, nehmen einen wichtigen Stellenwert in Videospielen ein. Sie sorgen dafür, dass die Regeln eingehalten werden. Auch wenn wir meistens in die Haut von Verbrechern schlüpfen, wird es immer wieder einen Polizisten geben, der für Recht und Ordnung sorgen wird und zwar selbst dann, wenn er auf den Namen Chase McCain hört und eine Lego-Figur ist.
Geschrieben von Eric Ebelt