Review: EarthBound

EarthBound (1)Auf diesen Tag haben viele Rollenspieler sehnsüchtig gewartet. Am 18. Juli 2013 erschien nach fast genau 19 Jahren der unkonventionelle Rollenspielklassiker EarthBound in Europa. Endlich dürfen wir auch hierzulande das verrückte Super-Nintendo-Epos erleben!

EarthBound (2)Zunächst einmal sollte man jedoch wissen, dass EarthBound bereits der zweite Teil der in Japan bekannten Mother-Reihe ist. Da der Vorgänger in den Vereinigten Statten jedoch nie erschienen ist und der Titel wohl zu Verwechslungen zwischen Videospiel und der leiblichen Mutter bei Videospielern geführt hätte, hat man den Titel schließlich unter EarthBound ein Jahr später in den amerikanischen Gefilden veröffentlicht. Obwohl in allen drei Teilen der Reihe, die bis heute veröffentlicht worden sind, verschiedene Charaktere auftreten, gibt es dennoch Verknüpfungen zwischen den Spielen. Die Spielwelt, die vom Stil an Nordamerika erinnert, kann zudem als fiktives Paralleluniversum unserer Welt gedeutet werden. Unsere Welt, also die Welt des Spielers, ist ebenfalls von großer Bedeutung für Ness, dem Helden des Spiels, doch darauf möchten wir an späterer Stelle kurz eingehen. Als eines Nachts erst ein großer Knaller, dann Polizeisirenen zu hören sind und jemand wie verrückt an der Tür klopft, ahnt Ness noch nicht, dass er bald eine Reise antritt. Die Unglücksstelle gilt es aber zu erst nachts und dann am nächsten Morgen zu untersuchen. Ein Meteor ist auf die Erde geknallt und das nur wenige Meter von Ness’ Zuhause! Von einem kleinen Insekt, dass während eines Kampfes das Zeitliche segnet, erfährt Ness, dass er Giygas besiegen muss.

Gnadenloser Humor

EarthBound (3)Der bedroht nämlich die Erde und nur Ness und drei Mistreiter können ihn aufhalten. Ness’ Reise führt ihn von seiner Heimatstadt Onett im Eagleland zu großen Städten und in entfernte Länder. Unterwegs trifft er auf die magiebegabte Paula, das Genie Jeff und den Prinzen Poo. EarthBound bricht in den ersten Minuten bereits mit einer japanischen Rollenspieltradition und lässt uns die Charaktere frei benennen. Sogar Ness’ Leibspeise, seinen Hund und seinem Hobby dürfen wir Namen geben. Dadurch soll eine Vertrautheit zwischen der Spielwelt und der Welt des Spielers entstehen. Worin die verbundenen Welten gipfeln, verraten wir aus Spoiler-Gründen jedoch nicht. Ihr solltet nur wissen, dass Ness und seine Freunde ohne einen Spieler vor dem heimischen Fernseher irgendwann aufgeschmissen wären. Ein sehr wichtiges Kriterium der Spielwelt ist, dass sich diese nicht völlig ernst nimmt. So ist Ness ein kleiner Junge, der wie seine jungen Mitstreiter von Eltern und gleichaltrigen Freunden in die Welt hinausgeschickt werden, ohne sich überhaupt Sorgen um sie zu machen. Zudem hat es sich der Titel zur Aufgabe gemacht, das Rollenspielgenre an einigen Stellen durch den Kakao zu ziehen. In der Mitte des Spiels erkunden wir zwei Dungeons, die gewollt lieblos wirken – inklusive Erklärungen. Das heißt aber nicht, dass sich EarthBound selbst nicht ernst nimmt.

Kuriose Gegnervielfalt und der Griff zum Telefonhörer

EarthBound (4)EarthBound ist in erster Linie schließlich auch ein Rollenspiel. Das heißt, dass wir in den Kämpfen rundenbasiert auf Gegner einprügeln, Psi-Kräfte einsetzen und für gewonnene Kämpfe Erfahrungspunkte kassieren. Schauen wir uns aber die Gegnertypen einmal genauer an, fallen große Unterschiede zu anderen Rollenspielen auf. Wir kämpfen gegen Vögel, alte Greise, Pilze, Verkehrsschilder, Aliens und Zombies. Da ist von allem etwas dabei und da wäre er auch wieder – der Humor! Da derlei Gegner wohl kaum Dollars hinterlassen, mit denen wir uns in den Geschäften mit Yo-Yos, Baseballschlägern, Laser-Schusswaffen und Co. ausrüsten dürfen, haben sich die Entwickler einen Kniff einfallen lassen. Immer dann, wenn wir in Hotels und Läden zum Telefonhörer greifen, um bei unserem Vater das Spiel zu sichern, erzählt dieser, dass er uns einen bestimmten Betrag aufs Konto überwiesen hat. Der ist abhängig davon, welche und wie viele Gegner wir seit dem letzten Abspeichern erledigt haben. Zudem nutzen wir das Telefon, um unsere Mutter zu kontaktieren, um das Heimweh zu kurieren, beim Pizza-Service Pizza zu ordern und um Items bei unserer Schwester zu lagern oder liefern zu lassen. An dieser Stelle bröckelt jedoch leider die Fassade des Spiels, die sonst sogar bis ins kleinste Detail durchorganisiert zu sein scheint!

Ein Stück Nintendo-Geschichte

EarthBound (5)Wir dürfen beim Lieferanten, entweder drei Gegenstände einlagern oder drei Objekte abholen. Beides gleichzeitig geht nicht. Außerdem verlangt der Mann eine Liefergebühr, weshalb wir immer Bargeld dabei haben sollten. Der Weg zum Geldautomat gehört bei jedem Einkauf also quasi mit dazu, doch essentieller ist da schon, dass wir beim Kauf von Waffen nur sehen, ob diese besser sind, als die angelegten. Wie die Werte variieren und welche Vor- und Nachteile Rüstungsgegenstände bringen, erfahren wir erst, wenn wir sie gekauft haben und im Item-Menü die Beschreibung aufrufen. Dieses System war 1994, als der Titel als Mother 2 in Japan erschien, bereits antiquiert. Selbiges gilt auch bei den Psi-Kräften. Wollen wir wissen, was diese anrichten, müssen wir umständlich im Statusmenü des Charakters die entsprechende Technik studieren. Auf der technischen Seite gewinnt der Titel mit dem Soundtrack zwar Pluspunkte, grafisch wirkt er jedoch wie ein aufgebohrter Nintendo-Entertainment-System-Titel. Da EarthBound jedoch in vielen anderen Belangen zu überzeugen weiß, vergehen – ohne dass man es merkt – gut und gerne dreißig unterhaltsame Spielstunden. Wer in diesen einmal nicht weiter weiß, darf sich auf der offiziellen Homepage den Player’s Guide kostenlos herunterladen. EarthBound muss man zwar nicht gespielt haben, doch jeder, der diesen Titel auslässt, verpasst dafür ein wertvolles Stück Nintendo-Geschichte!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Virtual-Console-Fassung des Spiels): Seit 19 Jahren warten Europäer auf dieses Spiel und seitdem ich den Protagonisten Ness aus Super Smash Bros. und dessen Nachfolgern kenne, habe ich das stete Verlangen danach, EarthBound oder eher gesagt die Mother-Reihe einmal zu spielen. Diesen Traum konnte ich mir durch das Angebot für einen humanen Preis (im Vergleich zu einem gut erhaltenen Modul) im eShop natürlich nicht entgehen lassen. Innerhalb von zwei Wochen habe ich dreißig Stunden in den Titel investiert und schon flimmerte vor ein paar Tagen der Abspann über meinem Bildschirm. Die Zeit bis dahin habe ich mit vielen rundenbasierten Kämpfen verbracht, wobei ich es schon als kleine Revolution ansehe, dass Kämpfe, die ich ohnehin unbeschadet gewinnen würde, bereits vor dem Öffnen des Kampfbildschirms beende und die Erfahrungspunkte für meine Recken kassiere. Dazu kommt die lustige Geschichte, die mit vielen illustren Charakteren aufgepeppt wird und mich im Schnitt sicherlich alle zehn Minuten einmal zum Schmunzeln bringt. Es ist schwer, EarthBound mit anderen Super-Nintendo-Rollenspielen zu vergleichen, da es sich zum Teil stark von denen abhebt, im Kern aber genau das ist, was ich von der 16-Bit-Zeit erwarte. Einzig und allein die sperrigen Menüs haben mich zur Weißglut getrieben, denn im Vergleich mit anderen Rollenspielen, zieht EarthBound hier eindeutig den Kürzeren. Wer sich aber auf EarthBound einlässt, bekommt ein solides bis geniales Rollenspiel vorgesetzt!

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