Review: Overcooked! 2

Overcooked! aus dem Jahr 2016 überzeugte Kritiker und Fans unkonventioneller Spiele mit seinem wahnwitzigen Konzept, bis zu vier Spieler in einer Küche wuseln zu lassen. An diesem Spielprinzip hat sich auch beim Nachfolger nichts geändert, der Anfang August 2018 für PC, PlayStation 4, Xbox One und natürlich auch für die Nintendo Switch veröffentlicht wurde.

Wer den ersten Teil von Overcooked! nicht kennt oder schlichtweg nicht gespielt hat, wird zu Beginn des Spiels vermutlich etwas überfordert sein. Das klingt im ersten Moment jedoch wesentlich schlimmer, als es im Endeffekt wirklich ist. Aufgeteilt ist Overcooked! 2 in mehrere Spielmodi, allen voran einen Story-Modus, der mehrere Stunden an den Bildschirm locken will. Eine tiefgründige Handlung darf hier jedoch nicht erwartet werden: Untote Brote kommen aus ihren Gräbern gekrochen und belagern das Königreich. Sie haben so großen Hunger, dass die Köche des Schlosses die Menge nicht befriedigen können. Dies liegt in erster Linie an der mangelhaften Zusammenarbeit der beiden Köche, die arg verbesserungswürdig ist. Um den untoten Broten ein Festmahl zu bereiten, beschließt der Monarch des Reiches, die beiden Köche durchs Land zu schicken, um einerseits die Zusammenarbeit in der Küche zu fördern und andererseits neue – und vor allem aufwendigere – Gerichte zu lernen. Der Story-Modus versteht sich als etwas größere Einführung in Overcooked! 2, da alle Kniffe und Tricks zumindest in der Theorie sehr gut erklärt werden. Problematisch ist dabei nur, dass so manche Bildschirmanzeige beim erstmaligen Auftreten nicht immer ganz leicht verständlich ist und Elemente wie der Feuerlöscher erst auffallen, wenn die Küche bereits lichterloh in Flammen steht.

Panik in der Küche

Überwiegend sind die Erklärungen von Overcooked! 2 dennoch verständlich, was auch schnell zu einem angenehmen Spielfluss führen könnte, wäre da nicht die vorprogrammierte Hektik in allen Küchen der Spielwelt. In jedem Level sorgt eine Zeitbegrenzung dafür, dass die Positionen von Tellern, Küchengeräten und selbstverständlich Zutatenkisten in Windeseile eingeprägt werden müssen. Hinzu kommt, dass die Bestellungen am oberen Bildschirmrand möglichst schnell abgearbeitet werden sollen. Die Reihenfolge muss zwar nicht eingehalten werden, wer seine Gäste jedoch zu lange warten lässt, verärgert diese schließlich, was sich wiederum negativ auf die Bewertung auswirkt. Es mag zwar verlockend sein, eine einfach herzurichtende Portion Sashimi für einen hungrigen Kunden in Windeseile herzurichten, doch wer in der Zeit die wesentlich komplexere Sushi-Bestellung vernachlässigt, blockiert mit seinem suboptimalen Zeitmanagement den tempogeladenen Spielfluss. Während der Reis im Topf kocht, könnten beispielsweise Fisch oder Gurken in kleine Stücke geschnitten oder das Nori vorbereitet werden. Eine klare Einteilung in Zeitintervallen hilft dabei enorm, um den brenzligen Situationen Herr zu werden. Manche Levels sind zudem so unfassbar schwierig alleine zu bewältigen, dass sehr schnell deutlich wird, an welche Zielgruppe sich der Titel richtet.

Frustrierendes Einzelspieler-Erlebnis

Alleine ist es in Overcooked! 2 teilweise ganz schön nervenaufreibend, sich durch die abwechslungsreichen Küchen zu wuseln. Zwar kann der Spieler jederzeit auf Knopfdruck zum anderen spielbaren Koch wechseln, was in den ersten Spielabschnitten auch noch gut funktioniert, doch sobald das Design der Levels ausgefallener wird, ist alleiniges Vorankommen fast nicht mehr möglich. Auf einmal befindet sich eine Küche aufgeteilt auf zwei Flößen, die in unterschiedlicher Geschwindigkeit dem Flussverlauf folgen. Da nur einer der beiden Köche die Zutaten schneiden und der andere Koch über den einzigen Zugang zu Herd und Ofen verfügt, müssen die Nahrungsmittel mehrmals von einem Floß zum anderen geworfen werden. Wer denkt, dass zumindest der gerade nicht aktiv vom Spieler gesteuerte Koch von einer künstlichen Intelligenz kontrolliert wird, liegt leider falsch. Wird ein Koch nicht aktiv gesteuert, steht er einfach nur in der Gegend herum. Besonders auffällig ist das Problem in den Küchen, die sich in luftigen Höhen abspielen. Nervige Sturmböen sorgen dafür, dass sich der Arbeitsbereich ständig in Bewegung befindet. Falls genau in diesem Moment der nicht vom Spieler aktiv gesteuerte Koch an dieser Position beschäftigt ist, wird seine Tätigkeit sofort unterbrochen. Diese Design-Entscheidung ist absolut nicht nachvollziehbar und sorgt weitgehend für Frust.

Volles Potenzial im Mehrspielermodus

Aus keinem anderen Grund sollten selbst überzeugte Anhänger von Einzelspielermodi für den Story-Modus schnell einen Freund auftreiben, um gemeinsam in der Küche zu werkeln. Sobald sich mehr als ein Spieler vor dem Bildschirm befindet, kann Overcooked! 2 plötzlich sein gesamtes Potenzial ausspielen. Mit bis zu vier Spielern macht es unglaublich viel Spaß, sich lokal abzusprechen und – falls einer der Spieler mal wieder vergessen hat, das Geschirr zu spülen oder den Kochtopf vom Herd zu nehmen – anzubrüllen. Wer mit fremden Spielern im neu dazu gekommenen Online-Modus spielen will, erlebt hingegen ein gemischtes Erlebnis, denn eine Absprache ist hier nur über vorgefertigte Dialogoptionen möglich, die aber nicht immer ausreichen, um die Situation zu erklären. Mit Freunden übers Internet zu spielen und sich nebenher über Instant-Messaging-Dienste wie Skype und Co abzusprechen, ist aber ebenfalls möglich. Neben dem kooperativen Erlebnis haben die Entwickler auch an einen kompetitiven Spielmodus gedacht, in dem schlicht der Spieler mit den meisten Punkten gewinnt. Stilistisch kann der Titel mit niedlichen Animationen und einer schicken Comicgrafik begeistern, bei der höchstens kaum erwähnenswerte Einbrüche in der Bildwiederholungsrate hin und wieder auffallen. Akustisch ist Overcooked! 2 mit fröhlichen Klängen unterlegt, die die Mehrspieler-Action gut bereichern.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Nintendo-Switch-Fassung): Wer nur ungern mit Freunden oder fremden Spielern übers Internet Spiele spielt, wird an Overcooked 2 keine Freude haben. Zwar lassen sich Story- und Arcade-Modus alleine angehen, doch da der zweite Koch in der Küche über die Intelligenz einer Erdnuss verfügt, also einfach nur zwischen Kochtopf und Schneidebrett apathisch darauf wartet, dass der Spieler wieder die Kontrolle übernimmt, fällt gerade diese Spielweise sehr frustrierend und ernüchternd aus. Zusammen mit einem zweiten Spieler, oder besser noch mit einem dritten und vierten Koch im Bunde, kann Overcooked 2 mitsamt seinem abwechslungsreichen Leveldesign jedoch das volle Potenzial entfalten. Es ist besonders lokal unglaublich erheiternd, wenn ein Spieler vergessen hat, das Geschirr zu spülen und auf einmal der komplette Arbeitsverlauf von allen anderen Köchen unterbrochen wird und somit von einem Moment auf den anderen Panik in der Küche ausbricht und sich alle Spieler gegenseitig die Schuld in die Schuhe schieben. Wer also genügend Freunde zum Spielen animieren kann, wird mit Overcooked 2 einige der besten und zudem auch noch unterhaltsamsten Mehrspieler-Erlebnisse genießen.

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