Review: We love Katamari: Reroll + Royal Reverie

Im Jahr 2005 erschien für die PlayStation 2 mit We love Katamari der zweite Teil der Katamari-Reihe. Nachdem 2018 bereits der Vorgänger ein Remaster erhielt, ist im Jahr 2023 die zweite Episode dran. Diese bespaßt nahezu durchweg auf kreative wie durchgeknallte Weise.

We love Katamari: Reroll + Royal Reverie knüpfte an die Geschehnisse von Katamari Damacy von 2004 an. Der König des Universums ist überrascht von seinen Erfolgen und der Vielzahl an Fans auf der Erde. Um diese nicht zu enttäuschen, schickt er den Prinzen aus, um die Wünsche seiner Fans zu erfüllen. Hierbei schlüpfen wir in die Haut des Prinzen, der jedoch im Grunde nichts anderes machen muss, als einen Katamari zu formen. Wie es der japanische Begriff vermuten lässt, handelt es sich hierbei um einen Klumpen, einen Brocken oder ganz einfach eine Masse. Ihr werdet vermutlich nur eine unförmige Kugel darin erkennen, die der Prinz vor sich herschiebt. Die Story selbst wird total überdreht dargestellt. So sind die Dialoge und Monologe flach und die Zwischensequenzen werfen mehr Fragen als Antworten auf. In erster Line möchte das Spiel Fans verrückter japanischer Spielideen beglücken. Dies gelingt dem Titel auf ganzer Linie, zumal die Reihe auf der PlayStation 2 in die Zeit fällt, in der sich Sony von Nintendo und Microsoft mit irren Konzepten abheben wollte. Wer sich nicht auf die Story einlassen will, kann die Gespräche zwischen den wahnwitzigen Charakteren auch wegklicken. Bis auf den einen oder anderen Gag verpasst ihr nichts. Es ist ohnehin das Gameplay, das We love Katamari: Reroll + Royal Reverie aus der Videospielmasse herausstechen lässt.

Jeder fängt mal klein an

Als Prinz müssen wir einen Katamari formen. Dies geschieht, in dem wir ganz einfach eine Kugel vor uns herschieben. An dieser bleiben sämtliche Gegenstände der Level-Architektur kleben. Allerdings können wir nicht direkt große Objekte aufnehmen. Anfangen müssen wir schon bei kleinen Dingen wie Knöpfen oder Blüten. Peu à peu steigern wir uns. Nach einer halben Minute bleiben beispielsweise Buntstifte und nach einer weiteren halben Minute Plastikeisenbahnschienen an unserem Katamari haften. Je nachdem wie viel Zeit uns zur Verfügung steht, nimmt unser Katamari ungeahnte Dimensionen an. In einem Level wächst unser Katamari zum Beispiel zu so einer Größe an, dass Hunde, Autos oder Wolkenkratzer am Klumpen hängenbleiben. Das klingt im ersten Moment recht anspruchslos, doch sorgen die Spielvorgaben dafür, dass wir uns hierbei echt anstrengen müssen. Meistens ist die Zeit auch sehr knapp bemessen. Um einen Katamari in einer bestimmten Größe zu formen, dürfen wir uns nicht zu sehr mit kleinen Gegenständen aufhalten, sondern sollten geschickt vorgehen. Es ist hierbei auch hilfreich zu wissen, wo sich die wichtigsten Objekte im Level befinden. Wer das erste Mal We love Katamari: Reroll + Royal Reverie spielt, dürfte gerade bei den Levels zu Beginn unter leichtem Zeitdruck erst beim zweiten Versuch Erfolge verbuchen können.

Abwechslungsreiche Spezialaufgaben

Schlimm ist dieser Umstand aber ganz und gar nicht. Es handelt sich hierbei um ein Spiel, bei dem wir tatsächlich mit jedem neuen Versuch über unsere Leistungen hinauswachsen. Früher oder später entwickeln wir einfach ein Gespür dafür, wo sich die Dinge befinden und wie wir im Level effektiv vorankommen. Auswählen können wir den nächsten Level über eine Oberwelt, in der sich nach und nach mehr Fans des Königs tummeln und uns mit Aufgaben versorgen. Hin und wieder überrascht We love Katamari: Reroll + Royal Reverie mit Spezialmissionen. In einem Level müssen wir an der Spitze eines Berges mit einem extra großen Katamari ein Feuer entfachen. Das Problem dabei ist, dass der Katamari aufhört zu brennen, wenn wir keine weiteren Gegenstände aufklauben. Auch müssen wir darauf achten, nicht mit dem rundlichen Klumpen im Wasser zu landen. Ihr versteht schon: Wasser löscht Feuer. An anderer Stelle treffen wir hingegen auf Hänsel und Gretel, die auch im Spiel tatsächlich so heißen. Die sind Fans vom Lebkuchenhaus, trauen sich aber nicht an das Häuschen heran. Kluge Entscheidung! Stattdessen werden wir damit beauftragt, das Haus einzureißen, Lebkuchen und anderen Süßkram an den Katamari zu heften und das Geschwisterpaar vor Ablauf der Zeit zu bewirten. Derlei Sonderaufgaben lockern das eher gleichbleibende Gameplay gehörig auf!

Nötige Einarbeitungszeit bei der Steuerung

Unseren Prinzen können wir darüber hinaus mit kosmetischen Items verändern, sofern wir diese in den Levels aufklauben. Dies erhöht genauso wie ein zu füllendes Lexikon, in denen alle jemals aufgenommenen Gegenstände katalogisiert werden, den Wiederspielwert. Lediglich bei der Spielbarkeit hapert es ein wenig. So steuern wir den Prinzen mit den beiden Analog-Sticks. Drücken wir diese durch, laufen wir nach vorn. Um den Katamari zu ziehen, ziehen wir auch die beiden Sticks nach hinten. Wollen wir nach links oder rechts steuern, müssen wir mit einem Stick alleine arbeiten. Gerade letzteres ist gewöhnungsbedürftig und verlangt nach ein wenig Einarbeitungszeit. Wem der Zeitdruck zu viel ist, sollte sich erst die Bedienung genau verinnerlichen. Unter audiovisuellen Aspekten geht das Remaster in Ordnung. Es ist eben ein PlayStation-2-Spiel, das mit seinem knallbunten Grafikstil auch im Jahr 2023 unverwechselbar bleibt. Die Musik ist zwar passend gewählt, doch vor allem bei längeren Levels inklusive Wiederholungen recht repetitiv. We love Katamari: Reroll + Royal Reverie überzeugt uns mit seinem Charme und der kreativen Spielidee auch Jahrzehnte nach der Erstveröffentlichung. Lediglich etwas mehr Feingefühl bei der Steuerung hätten wir erwartet. Nichtsdestotrotz ist das Spiel eine klare Empfehlung für Fans verrückter japanischer Spiele!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PlayStation-5-Fassung): We love Katamari: Reroll + Royal Reverie ist ein durchgedrehtes Spiel, an dem vor allem Fans verrückter japanischer Videospiele ihre wahre Freude haben dürften. Die Story reißt nicht gerade Bäume aus, bietet aber Wahnsinn pur. Wer das nicht mag, kann die Sequenzen auch einfach durchklicken – und verpasst dabei nichts. Deutlich mehr sticht schon das unverwechselbare Gameplay hinaus. Das Formen eines Klumpens aus kleinen wie großen Gegenständen macht reichlich Spaß und nimmt irgendwann ungeahnte Dimensionen an. Ständig stelle ich mir die Frage, was als nächstes kommt – und dann überbietet das Spiel meine Vorstellung. Auch dass manche Missionen das Gameplay abwechslungsreich aufwerten, gefällt mir. Optisch und akustisch zeigt der Titel seine klare Zielgruppe. Daran ist nicht zu rütteln. Mir gefällt das alles ziemlich gut. Lediglich über Steuerungsalternativen, bei denen ich auch die Kamera drehen kann, hätte ich mich gefreut. Dieses Potenzial hat Bandai Namco leider nicht erkannt. Die Defizite sind aber zum Glück in der Unterzahl und wer über diesen Ausrutscher hinwegsehen kann, wird mit We love Katamari: Reroll + Royal Reverie über einige Stunden hinweg garantiert seine wahre Freude haben, selbst wenn der Titel immer wieder nur kurz als Intermezzo dienen soll.

Vielen Dank an Bandai Namco für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von We love Katamari: Reroll + Royal Reverie!

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