Review: Lupin III.: Fujiko Mines Lüge

Zu Lupin III. gibt es eine große Anzahl an Original Video Animations. 2021 erschienen bei Kazé Anime gleich drei dieser zweigeteilten Werke in kurzer Zeit. Den Abschluss bildete der Film Lupin III.: Fujiko Mines Lüge, der die titelgebende Diebin in den Mittelpunkt stellt.

In der Original Video Animation Lupin III.: Fujiko Mines Lüge wird die nächste Figur der Serie in den Fokus der Erzählung gesetzt. Nach Arsène Lupins Komplize Jigen Daisuke und dem Samurai Ishikawa Goemon XIII. ist nun Lupins Objekt der Begierde, die Kriminelle Mine Fujiko, an der Reihe. Diese hat offenbar ihren Beruf gewechselt, denn zu Beginn des circa 58 Minuten langen Films, der wie die beiden vorherigen Original Video Animations auf zwei Teile aufgespaltet ist, ist sie als Kindermädchen tätig. Sie kümmert sich um Gene, den Sohn eines Buchhalters, der seinen früheren Arbeitgeber um fünfhundert Millionen erleichtert hat. Daher weht der Wind, wird sich jetzt wohl jeder Fan denken. Ob die Kriminelle so leicht zu durchschauen ist, muss der Zuschauer aber selbst herausfinden. Fakt ist jedoch, dass sich Mine fürsorglich um den kleinen Racker kümmert, nachdem das Haus ihres Arbeitgebers in die Luft fliegt. Schuld daran ist der Auftragskiller Bincam, der mit übermenschlichen Kräften ausgestattet ist. Dieser kann seinen Opfern Sand ins Gesicht pusten, um sie daraufhin dazu zu bringen, ihm Geheimnisse zu verraten. Mine setzt alles daran, dass Gene die Geheimzahlen für die Schließfächer, wo sich das Geld befinden soll, nicht verrät. Lupin und Jigen geben ihr dabei Rückendeckung, doch erhalten sie in diesem Film überraschend wenig Screentime.

Genussvolle Bildtechnik

Unter visuellen Gesichtspunkten baut Lupin III.: Fujiko Mines Lüge auf dem Konstrukt der beiden vorherigen Original Video Animations auf. Im Gegensatz zum direkten Vorgänger, Lupin III.: Goemon Ishikawa, der es Blut regnen lässt, wirkt das Bild deutlich hochwertiger. So überzeugen die heruntergekommenen Orte, das Stadtbild und die umliegende Wüste. Die Umgebungen untermalen den traurigen Handlungshintergrund enorm. Alleine schon aus dem Grund, dass der Titel des Films auf das Konzept der Lüge abzielt, können die künstlich erzeugten Sandstürme von Bincam das Bild bewusst verschleiern. Das Werk von Animationsstudio TMS Entertainment überzeugt darüber hinaus mit hochauflösenden Grafiken in 1080p und im bildschirmfüllenden Format. Vor allem die Verfolgungsjagd durch die Stadt zeigt dem Zuschauer mehr als nur deutlich, dass eine Original Video Animation nicht immer zu geringen Kosten produziert sein muss. Die erwachsenen Charaktermodelle, die dem Stil der vorherigen Original Video Animations von Lupin III. entsprechen, fallen dahingehend sogar etwas ab, ohne das damit ein Qualitätsverlust gemeint ist. Das ist vor allem daran zu erkennen, dass die Figuren allesamt sehr flüssig animiert sind. Zusammen mit den hübschen Lichteffekten ergibt sich ein stimmungsvolles Bild, das das Ansehen wahrlich zu einem Genuss macht.

Gefühlvolle deutsche Synchronisation

In puncto Soundtrack erwartet Fans der Reihe keine Überraschung. Ähnlich wie bei den vorherigen beiden Filmen bleibt die Musik eher im Hintergrund. Die ruhige Stimmung passt zum Geschehen und lässt die Szenen mal bedrohlich und mal mitfühlend wirken. An vielen Stellen fehlt Musik aus diesem Grund sogar völlig. Bei der Synchronisation gibt es weder beim japanischen Originalton noch bei der deutschen Vertonung etwas auszusetzen. Vor allem Sarah Riedel als Mine überzeugt auf ganzer Linie. Sie kann ihr Sprachtalent auch aufgrund der verhältnismäßig langen Screentime von Mine völlig ausspielen. Traditionsgemäß fällt das Bonusmaterial bei Lupin III.: Fujiko Mines Lüge wie schon bei den beiden vorherigen Original Video Animations sehr spärlich aus. Auf der Blu-ray Disc gibt es neben drei Trailern zu anderen Produkten aus dem Sortiment von Kazé Anime keine digitalen Boni. Das ist schade, da ein Making-of, ein Interview oder ähnliches den Wert der Original Video Animation gesteigert hätte. Fans freuen sich aber womöglich darüber, dass einmal mehr eine Artcard als physische Dreingabe in der Plastikverpackung, die auch dieses Mal mit einer Papphülle ummantelt ist, schlummert. Wie bei den vorherigen Episoden wird auch der Inhalt von Lupin III.: Fujiko Mines Lüge glücklicherweise nicht davon tangiert. Gewidmet ist der Film übrigens Katō Kazuhiko, dem Autoren und Zeichner der Manga-Vorlage, der kurz vor Release verstorben ist.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Mine Fujiko ist eine der Anime-Figuren, die einerseits kalkulierbar sind, aber doch unberechenbare Entscheidungen treffen. Obwohl sie ihre Opfer häufig täuscht und falsche Tatsachen vorspielt, kann sie sich auch sehr gut in diese hineinversetzen. Gerade aus diesem Grund ist die Entscheidung, auch sie einmal in den Mittelpunkt einer Geschichte zu setzen, absolut richtig. Die Handlung ist tiefgründig, überrascht zum Ende mit einer unvorhersehbaren Wendung und tiefgründigen Charakteren, allen voran Mine selbst. Dass Arsène Lupin III. und sein Komplize Jigen Daisuke dabei nur wenig Screentime erhalten und eher als Mittel zum Zweck dienen, ist in diesem Zusammenhang nicht so schlimm. Es ist sogar regelrecht erfrischend. Mine funktioniert als eigenständiger Charakter richtig gut und Lupin III.: Fujiko Mines Lüge ist der beste Beweis dafür. Wer sich ein wenig mit dem Franchise auskennt, kommt um diese Original Video Animation nicht herum. Als Einstieg in das von Katō Kazuhiko erdachte Werke ist der Film aber weniger gedacht, da die eigentliche Essenz von Lupin III. nur bedingt an den Zuschauer vermittelt wird.

Vielen Dank an Kazé Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Lupin III.: Fujiko Mines Lüge!

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