Kurz vor der Jahrtausendwende hatte Sega eine verrückte Idee und brachte das Rhythmusspiel Samba de Amigo, das mit speziellen Maraca-Controllern gespielt wurde, in die japanischen Arcade-Hallen. Fast ein Vierteljahrhundert später folgte Samba de Amigo: Party Central.
Wer an Samba de Amigo denkt, vermutet dahinter wohl eine dieser langjährigen Videospielreihen, die über die Jahre hinweg immer mal wieder mit Fortsetzungen in die Köpfe der Spieler zurückgeholt wurde. Entsprechend ausgeleiert dürften Konzept und Gameplay sein. Weit gefehlt, müssen wir an dieser Stelle zumindest zu der möglichen Reihe einwerfen. Samba de Amigo erschien 1999 und 2000 zwar in zwei Ausführungen für die Sega Dreamcast und wurde auch 2008 einmal mehr für die Nintendo Wii neu aufgelegt, doch einen richtigen Nachfolger blieb das japanische Unternehmen aus Tōkyō den Fans schuldig. Mehr als zwei Jahrzehnte mussten diese auf die Fortsetzung warten. Diese ist seit dem 29. August 2023 als Samba de Amigo: Party Central, zumindest zeitexklusiv, für die Nintendo Switch erhältlich, was vermutlich an den einzigartigen Controllern der Konsole liegt. Das intern von Sega entwickelte Spiel baut auf dem Grundkonzept des ursprünglichen Werkes auf und verknüpft dieses in inhaltlicher Form zumindest rudimentär mit ein paar Entwicklungen der letzten Jahre. Beim Betrachten der Screenshots dürfte klar sein, dass Samba de Amigo: Party Central nach einem Schema abläuft: Wir schlüpfen in die Rolle des affenartigen Amigo und müssen im gesamten Spiel lediglich die beiden Joy-Cons im Takt der Songs schütteln und im Rhythmus bleiben.
Gameplay-Mechaniken mit wenig Tiefgang
Gerne würden wir sagen, dass das Spiel inhaltlich in die Tiefe geht, doch gibt es darüber hinaus nur wenige Gameplay-Mechaniken, die wir verinnerlichen. Zu Songs wie Bom Bom von Sam and the Womp, Centerfold von The J. Geils Band oder Tik Tok von Kesha bewegen wir den linken und den rechten Joy-Con aufgeteilt auf zwei Bildschirmhälften in je drei Richtungen. Sprich nach oben, nach links respektive rechts und nach unten. An besagter Stelle führen wir wie mit einer echten Maraca eine Schüttelbewegung aus. Bei diesem Vorhaben müssen wir ständig darauf achten, nicht zu früh oder zu spät zu schütteln. Hin und wieder kommt es auch vor, dass wir eine bestimmte Haltung einnehmen müssen und die Joy-Cons der Switch kurz in einer bestimmten Position halten. Haben wir im Rhythmusspiel, dem ersten von mehreren Spielmodi in Samba de Amigo: Party Central, darüber hinaus auch das Roulette aktiviert, lockert dieses einmalig pro Song das Gameplay ein wenig auf. Beispielsweise werden die Kreise, in denen die Elemente den Befehl zum Schütteln geben, größer oder kleiner. Es kann aber auch sein, dass wir plötzlich in Form von Minispielen Rennbewegungen ausführen, einen virtuellen Baseball in die Ferne katapultieren oder ansausenden Charakteren ein oder zwei High Fives geben müssen. Das ist ganz schön bekloppt, passt aber irgendwie zum durchgeknallten Stil.
Partyspaß mit kleinen Hindernissen
Versteht uns bitte nicht falsch! Der Titel mag zwar eingängig sein, ist dafür aber selbst von Gelegenheitsspielern schnell zu erlernen. Auf einer kleinen Party im heimischen Wohnzimmer dürfte Samba de Amigo: Party Central ein gern gesehener Gast sein. Hierzu bietet sich auch der Modus Party im Duett an, in dem wir zu zweit lokal spielen. Apropos Party: Im Modus Weltparty treten wir online übrigens gegen 19 andere Spieler gleichzeitig an. Damit wir nicht gleich in der ersten Runde rausfliegen, müssen wir genügend Punkte sammeln und unter die besten 14 Spieler kommen. Entsprechend wird das Feld mit jeder Runde enger. So kommen tatsächlich nur die besten weiter. Offenbar haben es in diesen Modus auch Items geschafft, doch für diese gibt es leider keine In-Game-Erklärung. Da das Spiel auch ohne gedruckte Anleitung auskommt, können wir hierzu nicht großartig etwas sagen. Dies liegt auch daran, dass wir nur unser Spielfeld sehen und entsprechend nur die Auswirkungen der Items von Gegnern auf unserem Feld sehen – und auch hier ist uns zum Testzeitpunkt am 2. September 2023 nicht klar geworden, was eigentlich genau passiert. Hier sollte Sega unbedingt Erklärungen nachliefern, ohne dass Spieler genötigt werden, online in Foren auf Spurensuche zu gehen. Trotz allem treibt uns dieser Online-Modus definitiv zu neuen Höchstleistungen an.
Angestaubte Technik
Darüber hinaus können wir in Samba de Amigo: Party Central auch öffentliche und private Räume mit Passwortschutz erstellen, in denen sich unsere Online-Freunde verirren können. Das Passwort beziehungsweise die Nummer des erstellten Raumes muss aber außerhalb von Spiel und Switch an die Empfänger übermittelt werden, was äußerst umständlich ist. Hierfür kann Sega aber nur bedingt etwas, denn wenn sich Nintendos Einstellung zum Online-Spiel nicht bald ändert, wird dies auch in den nächsten Jahren noch so bleiben. Zu guter Letzt bietet das Spiel eine Kampagne, in der wir im fiktiven sozialen Netzwerk StreamiGo! durch das Absolvieren von einfachen Missionen respektive Abschließen von Songs neue Follower gewinnen, um neue Aufgaben freizuschalten. Im Jahr 2023 geht das sicher besser! So oder so wäre beim Spiel mehr möglich gewesen. Die Technik befindet sich, abgesehen von der Auflösung, auf Wii-Niveau. Darüber hinaus sind 42 Tracks für ein Rhythmusspiel nicht so viel. Vor allem wenn Sega als Bonus auch die Videospielmusik verschiedener Titel wie der Yakuza-Reihe hätte einbauen können. Enthusiasten, die Muskelkater befürchten, haben im Übrigen auch die Option, das Spiel per Knöpfchensteuerung zu spielen. Dies funktioniert leider nicht ganz so intuitiv und könnte über einen längeren Zeitraum die Analog-Stick schneller verschleißen, als einem lieb ist. Alternative Eingaben wären hier schlicht nötig gewesen sein!
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit (basierend auf der Nintendo-Switch-Fassung): Samba de Amigo: Party Central hatte ich schon längere Zeit im Auge. Auf der Dreamcast konnte ich das Seriendebüt um die Jahrtausendwende leider nicht spielen und die Originalversion heute zu erstehen, ist finanziell schon eine sportliche Leistung. Da bin ich sehr froh darüber, dass Sega der Serie mit Samba de Amigo: Party Central eine weitere Chance gibt. So ganz überzeugen kann mich das Spiel aber nicht, denn die Musikauswahl ist recht begrenzt und in meinen Ohren zu abwechslungsarm, auch wenn ein paar tolle Ohrwürmer sich darunter befinden. Darüber hinaus ändert sich das Gameplay auch nicht großartig durch die für meinen Geschmack eher deplatzierten Minispiele. Für mich ist das Roulette eher ein störendes Beiwerk als eine Auflockerung. Glücklicherweise lässt sich letzteres über das Menü jederzeit abstellen. Das heißt aber nicht, dass der Titel keinen Spaß macht. Im Gegenteil! Gerade die Bedienung mit den Joy-Cons bringt mich überraschend zum Schwitzen. Auch wenn nicht jede Pose oder jedes Schütteln ordnungsgemäß erkannt wird, machen mir die Bewegungen sehr viel Spaß. Die Knöpfchensteuerung ist zwar präziser, aber nicht auf die anfälligen Analog-Sticks der Joy-Cons ausgelegt, weshalb ich dringend von dieser Steuerungsmethode abrate. Rhythmusspiele wie Taiko no Tatsujin: Rhythm Festival oder Theatrhythm: Final Bar Line haben auf der Switch klar die Nase vorn, können aber nicht ansatzweise so sehr zur körperlichen Betätigung treiben wie Samba de Amigo: Party Central – und auf so mancher eingeschlafener Party kommt Bewegung schließlich wie gerufen!
Vielen Dank an Sega für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Samba de Amigo: Party Central!