Zwischen 2016 und 2020 erschien in Japan der Manga Yakusoku no Nebārando von Manga-Autor Shirai Kaiu. 2019 folgte die Anime-Adaption. Unter dem ins Englische übersetzte Titel The promised Neverland wurde die Anime-Serie auch hierzulande mittlerweile veröffentlicht.
Im Mittelpunkt von The promised Neverland steht die Geschichte verschiedener Waisenkinder, die auf ihre Adoption warten. Alle paar Monate kommt es vor, dass die Aufseherin des Waisenhauses, von allen Kindern liebevoll Mama Isabella genannt, auf ihren Kalender den Adoptionstag eines Kindes einkreist. Auch wenn die Kinder nur schwer Abschied voneinander nehmen können, freuen sie sich, als das sechsjährige Mädchen Conny adoptiert werden soll. Am Abend geleitet Mama die kleine Conny vom Waisenhaus zum riesigen Tor am Rande des Grundstücks. Währenddessen fällt ihren beiden Freunden Emma und Norman auf, dass Conny ihr Lieblingskuscheltier, Little Bernie, vergessen hat. Obwohl sie des Nachts das Waisenhaus nicht verlassen und eigentlich auch nicht zum Tor gehen dürfen, möchten sie nicht, dass Conny auf ihr Plüschtier verzichten muss. Am Tor angekommen, bemerken Emma und Norman, dass Mama und Conny schon längst durch den dahinter liegenden Tunnel gegangen sein müssen. Sie nehmen ihren Mut zusammen und folgen den beiden durch den dunklen Gang. Auf der Ladefläche eines Fahrzeugs machen sie eine grauenvolle Entdeckung: Conny ist tot! Wenig später müssen sie, gut versteckt, mit ansehen, wie ihre Mama mit zwei Ungeheuern spricht. In letzter Minute gelangen sie völlig außer Atem zurück ins Waisenhaus.
Gewagtes Spiel mit kindlicher Psyche
Aus der anfänglichen Idylle des Waisenhauses, in der jedes Kind vergnügt sein kann, entwickelt sich ein Alptraum. The promised Neverland ist kein Anime für schwache Nerven, spielt er doch sehr mit der Angst von Kindern, gefressen zu werden. Tag ein, Tag aus müssen die Kinder im Waisenhaus lernen und möglichst hohe Punktzahlen erreichen. Auch sportliche Betätigung steht auf dem Plan. Offenbar benötigen die Monster Kinder, die sowohl körperlich als auch psychisch fit sind. Ohne ins Detail zu gehen, erfahren sowohl der Zuschauer als auch die kleinen Protagonisten mehr und mehr über das Waisenhaus. Über die Welt außerhalb des mit einer großen Mauer umzogenen Grundstücks erfährt der Zuschauer hingegen wenig, weshalb jeder Informationshappen sofort positiv aufgesaugt wird. Handlungstechnisch ist dies sogar plausibel erklärt, denn auch die älteren Figuren wie die überdrehte Schwester Krone können den Kindern, vermutlich wahrheitsgemäß, nicht viel über das Leben außerhalb des Waisenhauses erzählen. Dem Zuschauer macht es Spaß, die Lügen von Mama Isabella zu durchschauen und schlussendlich die Wahrheit herauszufinden. Spannung wird jedoch vor allem durch den eigentlichen Handlungsstrang aufgebaut, denn Emma und Norman wollen selbstverständlich nicht das Hauptgericht von überdimensional großen Monstern werden!
Flucht nach Vorne
Damit sie nicht verspeist werden, schmieden Emma und Norman einen Plan, aus dem Waisenhaus zu entkommen. Sie weihen auch den durchtriebenen Ray in ihre Pläne ein, der insgeheim schon länger an einem Fluchtplan arbeitet und ihnen hilfreiche Unterstützung anbietet. Immer mehr Kinder erfahren die Wahrheit über das Waisenhaus und ihre zunehmend kühler werdende Mama. Dies führt dazu, dass sie immer vorsichtiger werden müssen, da Isabella ihnen nach und nach auf die Schliche kommt. Ständig treten unvorhersehbare Dinge ein, auf die die Kinder schnell eine Antwort finden müssen. Zudem stehen sie auch unter Zeitdruck, denn der „Adoptionstermin“ von Ray rückt kontinuierlich näher. Unterm Strich bietet The promised Neverland den Nervenkitzel der US-amerikanischen Fernsehserie Prison Break von 2005 und verfügt darüber hinaus über ganz leichte Mystery-Anleihen, die Anime-Serien wie Attack on Titan in der richtigen Dosis so großartig machen! Visuell kann The promised Neverland ebenfalls überzeugen. Auch wenn die Außenszenen und zum Teil auch Innenräume etwas zu steril wirken, ist jederzeit zu sehen, dass das Animationsstudio CloverWorks unter der Regie von Kanbe Mamoru sehr viel Liebe in die kindlichen Charaktere hat einfließen lassen. Durch die Musik von Obata Takahiro bleibt es in allen zwölf Episoden der ersten Staffel stimmungsvoll. Der Cliffhanger am Ende der letzten Folge macht definitiv Lust auf mehr!
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit (basierend auf dem Stream bei Amazon Prime): Vor ein paar Jahren bin ich zufällig über die Anime-Serie The promised Neverland gestolpert, hatte seither jedoch keine Möglichkeit geschweige denn die Zeit gefunden, mich auf das Werk von CloverWorks einzulassen. Glücklicherweise sorgte ein weiterer Zufall dafür, dass ich die Anime-Serie im Streaming-Angebot von Amazon Prime fand. Nach dem Ansehen aller zwölf Episoden bin ich froh, dass ich mich auf die erste Staffel eingelassen habe. Das Szenario ist zwar bekannt, funktioniert aber auch mit dem Setting eines Waisenhauses wunderbar. Es ist aufregend, den Kindern bei der Planung der Flucht von einem Ort, an dem unterschwellig das absolute Grauen herrscht, zu folgen. Hierbei setzt die Anime-Serie gut dosiert auf Mystery-Elemente und verrät selbst durch die älteren Figuren nur wenig über die Welt von The promised Neverland. Dennoch gelingt es der Anime-Serie mit ihrem meist düsteren Zeichenstil, nach und nach neue Hindernisse aufzuwerfen, die die Kinder überwinden müssen. Der Zuschauer bleibt dabei angewurzelt vor dem Fernseher sitzen – und ehe er sich versieht, flimmert auch schon der Abspann der letzten Episode über den Bildschirm. Dadurch, dass die erste Staffel halbwegs offen endet, freue ich mich schon sehr auf die hoffentlich ebenso gut gelungene Fortsetzung!