Review: WarioWare: Move it!

Nur zwei Jahre nach dem Vorgänger WarioWare: Get it together! zauberte Entwicklerstudio Intelligent Systems im November 2023 einen weiteren Serienteil aus dem Hut. Bei WarioWare: Move it! ist der Name nicht nur Programm, sondern auch einer der größten Kritikpunkte.

Wer bei den Spielen der WarioWare-Reihe eine ausgeklügelte Handlung erwartet, der dürfte wie die Seriencharaktere einen an der Klatsche haben. Soll heißen, dass die Story von WarioWare: Move it! wie die seiner Vorgänger total irre ist und die Figuren in verrückte Situationen wirft. Wario will sich fünfzig Knoblauchburger reinziehen und erhält dafür fünfzig Rubbellose. Darunter ist, wie könnte es auch anders sein, der Hauptgewinn: Er und bis zu zwanzig Freunde dürfen ins Pati-Pati-Paradies, einer malerischen Tropeninsel, reisen. Zwei Sekunden später sind die Koffer gepackt. Im Ferienparadies angekommen geht jedoch alles schief und Wario wird von seinen Freunden getrennt. An dieser Stelle übernehmen wir die Kontrolle übers Spiel und müssen die Gruppe wiedervereinen, in dem wir dutzende Mikrospiele absolvieren müssen. So führt uns der auf circa zwei Stunden Einmalspielzeit ausgelegte Story-Modus quasi von einer Station zur nächsten. In jedem Level erwartet uns eine zufällige Vorauswahl an Mikrospielen, die verschiedenen Bewegungen mit den Joy-Cons zugeordnet werden können. Gehen wir nach circa zehn bis zwanzig Mikrospielen als Sieger hervor, schalten wir die nächste Station unserer Reise frei. Gelungen ist, dass uns WarioWare: Move it! zumindest zu Beginn nicht überfordert und uns die vielschichtige Steuerung behutsam beibringt.

Mikrospiele mit Bewegungssteuerung

Im Gegensatz zu WarioWare: Get it together! von 2021 können wir den Nachfolger nicht mehr per Knöpfchensteuerung durchspielen. Das Spiel zwingt uns, die Joy-Cons in beide Hände zu nehmen und die Bewegungsmuster nach und nach zu lernen. Beispielsweise gibt es eine Stellung, die die Lokomotive genannt wird. Ein Schelm, der nach diesem Satz an etwas ganz anderes denkt! Hierbei müssen wir die Joy-Cons links und rechts neben uns halten, um etwa die Bewegung eines Ski-Langläufers nachzuahmen oder eine mit zwei Knäufen ausgestattete Schublade zu öffnen. Für diese Aktionen haben wir maximal fünf Sekunden Zeit. Wir müssen in WarioWare: Move it! nicht nur flott die Lage sondieren und die Aufgabe erkennen. Diese gilt es in der kurzen Zeitspanne auch auszuführen. Jeder Level konzentriert sich mindestens auf eine bis zwei weitere Bewegungen, die wir verinnerlichen müssen. Mit dazu gehört die Supermodelhaltung, bei der sich die Joy-Cons in Gesichtsnähe und an der Hüfte befinden sollen. So können wir zum Beispiel den auf dem Rücken getragenen Schildkrötenpanzer polieren. Bei der Hand-im-Blick-Haltung lassen wir den rechten Joy-Con an der Handgelenkschlaufe hängen, während der Infrarotsensor der linken Steuerungseinheit verlangt, dass wir eine bestimmte Geste mit den Fingern ausführen. Nein, nicht das, was ihr wieder denkt!

Problembehaftete Bedienung

Grundsätzlich versprechen die Mikrospiele, wie die klitzekleinen Minispielchen von WarioWare: Move it! bezeichnet werden, wieder jede Menge Spaß. Den haben wir allerdings nur bedingt, denn die Bewegungssteuerung ist zugleich der größte Pluspunkt als auch die größte Schwäche des Spiels. Wenn wir mehrere Aufgaben hintereinander meistern, verleiht uns das ein tolles Gefühl – und da die Mikrospiele in jedem Level immer herausfordernder und damit anstrengender werden, werden wir meistens auch gut unterhalten. Leider kommt es viel zu häufig vor, dass eine Bewegung von uns nicht richtig erkannt wird. Hier gibt uns das Spiel einfach keine Rückmeldung, was wir falsch gemacht haben. Solche Momente sind äußerst frustrierend und sorgen dafür, dass wir schon nach kurzer Spielzeit keine Lust mehr haben und die Joy-Cons in die Ecke pfeffern. Da wir natürlich fleißig die Handgelenkschlaufen angelegt haben, fliegen wir direkt hinterher. Nintendos Warnhinweis kommt übrigens nicht von ungefähr, denn manche Aufgaben verlangen von uns, dass wir einen Joy-con einfach aus der Hand fallen lassen. Dies ist eine durchaus nette Idee, steht sie doch genau dafür, zu was die Switch technisch im Stande ist. WarioWare: Move it! zeigt wie kein anderes Spiel, zu was die Joy-Cons zu gebrauchen sind. Theorie und Praxis sind jedoch zwei unterschiedliche Dinge.

Einstiegshürden für den Mehrspielermodus

Darüber hinaus sind die vielen unterschiedlichen Haltungen erst nach und nach erlernbar, was durchaus etwas Zeit in Anspruch nehmen kann. So ist es zum einen nicht möglich, Freunde im lokalen Mehrspielermodus einfach so ins kalte Wasser zu werfen. Jede Person sollte am besten einmal den Story-Modus beenden, um ein verständliches Bild von den Möglichkeiten zu bekommen – und das kann bis zu zwei Stunden dauern. Zum anderen merken wir jedoch auch selbst, dass gerade gegen Ende des Story-Modus das flotte Wechseln sämtlicher Haltungen unter Zeitdruck wirklich nervig sein kann, zumal die Joy-Cons nicht wie üblich horizontal beim Spielen, sondern umklammert gehalten werden müssen. Warum sich die Entwickler von WarioWare: Move it! dazu entschieden haben, auf eine zumindest optionale Bedienung per Knöpfchensteuerung über den deutlich besser zu haltenden Pro Controller zu integrieren, ist uns ein Rätsel. Schließlich hat auch nicht jeder Spieler den Platz vor dem Fernseher, um die Aktionen am besten im Stehen auszuführen. Notwendig ist die stehende Haltung zwar nicht, aber je nach Stellung der Aufgaben wesentlich sinnvoller. Eigentlich wäre die Zeit der meist recht unangenehmen Fuchtelsteuerung längst vorbei – Nintendo und Intelligent Systems katapultieren uns trotzdem zurück in die zweite Hälfte der fast verdrängten 2000er-Jahre.

Videospieleintagsfliege

Am ehesten lässt sich WarioWare: Move it! wohl mit WarioWare: Smooth Moves aus dem Jahr 2006 vergleichen – und dieser Serienteil funktioniert dank des Fernbedienungscontrollers der Nintendo Wii deutlich besser und ist einsteigerfreundlicher. Wer übrigens lieber alleine spielt, dürfte vom geringen Umfang des Spiels abgeschreckt sein. Es lassen sich lediglich mehr als zweihundert Mikrospiele freischalten, indem wir diese mindestens einmal im Story-Modus absolvieren. Collectibles, Items, Musikstücke oder sonstigen Kram, den wir in einem Shop mit einer In-Game-Währung erwerben könnten, gibt es nicht. So ist nach spätestens vier bis fünf Stunden endgültig die Luft raus. Dann können allerhöchstens noch die freigeschalteten Mehrspielermodi begeistern, die ein wenig vom Gameplay abweichen. Diese können jedoch nur lokal und nicht online gespielt werden. Wieder so ein Punkt, wo wir den Kopf nur zu gerne auf die Tischplatte hämmern wollen. Mit seinem charmanten Comic-Look, der abgedrehten Präsentation inklusive passender Musikuntermalung und den vielen Mikrospielideen birgt der Titel ein enormes Potenzial. Nintendo will, warum auch immer, dieses aber einfach nicht nutzen. Damit ist WarioWare: Move it! eines der Videospiele, die für das eher durchwachsende Videospieljahr 2023 stehen. Schade, aber da wäre viel mehr möglich gewesen!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit: Auf WarioWare: Move it! habe ich mich im Vorfeld sehr gefreut, da ich mit dem direkten Vorgänger trotz seiner Defizite recht viel Spaß hatte. Bei der Entwicklung von WarioWare: Move it! ist offenbar jede Menge schief gegangen. Allen voran kann ich gar nicht verstehen, warum zwei Jahre nach dem letzten Serienteil schon wieder eine neue Episode erscheinen muss, wenn das fertige Produkt so unausgereift wirkt! Damit meine ich gar nicht einmal die fast nicht vorhandene wie schwachsinnige Story, sondern vor allem die nur selten richtig gut funktionierende Steuerung. Es kommt zu oft vor, dass meine Bewegungseingaben kaum bis gar nicht richtig erkannt werden und ich dadurch manche Mikrospiele einfach nicht verstehe. Eine hierfür wichtige Rückmeldung vom Spiel gibt es ebenso nicht. Noch dazu bietet der Titel viel zu wenig Umfang. Nach zwei Stunden habe ich den Story-Modus beendet. Jetzt kann ich allerhöchstens noch die restlichen Mikrospiele durch wiederholtes Angehen der einzelnen Levels freischalten. Weitere Belohnungen gibt es nicht. Viele weitere Modi bleiben mir als Solist verwehrt, da sie nur lokal mit Freunden gespielt werden können, wozu weitere Joy-Cons benötigt werden. An einen Online-Modus, der dieses Defizit wunderbar hätte kaschieren können, haben die Entwickler auch nicht gedacht. Mir fällt es nicht leicht das zu sagen, aber mit WarioWare: Move it! hat mich Nintendo wie schon seit Langem nicht mehr enttäuscht. Daher kann ich den Titel nur leidensfähigen Spielern empfehlen, die auch regelmäßig Freunde zu Besuch haben, die sich auf den dann deutlich spaßigeren Irrsinn einlassen wollen.

Vielen Dank an Nintendo für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von WarioWare: Move it!

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