Review: Yashahime: Princess Half-Demon (Staffel 1)

Zwischen 1996 und 2008 werkelte Manga-Zeichnerin Takahashi Rumiko mit Inuyasha an einer der beliebtesten Manga-Reihen aller Zeiten, die 2010 auch als Anime beendet wurde. Mit Yashahime: Princess Half-Demon erhielt ihr Werk im Jahr 2020 eine Anime-Fortsetzung.

Seit den Ereignissen von Inuyasha – The Final Act sind mehrere Jahre vergangen. Die ehemalige Oberschülerin Higurashi Kagome ist in die Zeit der streitenden Reiche zurückgekehrt, um dauerhaft mit dem Han’yō Inuyasha zusammen sein zu können. Inzwischen haben Mönch Miroku und die Dämonenjägerin Sango dreifachen Nachwuchs gezeugt. Während die erste Episode von Yashahime noch sehr viel Fanservice bietet, da sich das Geschehen weitgehend um die bekannten Charaktere aus der Vorgängerserie dreht und damit eigentlich nur die Inuyasha-Formel abdeckt, kann sich die Geschichte spätestens ab der zweiten Folge in eine völlig neue Richtung entwickeln. Im Mittelpunkt der Story steht nicht nur die titelgebende Halbdämonenprinzessin Moroha, bei der es sich um die Tochter von Inuyasha und Kagome handelt und deshalb eigentlich eine Vierteldämonenprinzessin sein müsste, wie es in der Serie auch oft genug gesagt wird. Sie bekommt zwei weitere Prinzessinnen an die Seite gestellt: Ihre Cousinen Towa und Setsuna, die Zwillingstöchter von Inuyashas Bruder Sesshōmaru nehmen einen gleichwertigen Teil in der Handlung ein. Tatsächlich ist die Hintergrundgeschichte von Towa und Setsuna ein wenig besser konstruiert, da Moroha nur als freischaffende Dämonenjägerin arbeitet, um mit den Überresten von toten Yōkai über die Runden zu kommen. Dennoch teilen sich die drei Hauptfiguren das Schicksal, dass sie ohne Eltern aufwachen mussten.

Drei Prinzessinnen mit Dämonenkräften

Hierbei bleibt die Handlung in weiten Teilen kryptisch, zumal die 24 Folgen der ersten Staffel aufgrund von vielen nebensächlichen Geschichten zu wenig Raum zur Entfaltung der recht interessanten Story lassen. Towa und Setsuna werden, offenbar in jungen Jahren, bei einem Waldbrand voneinander getrennt. Während Towa in die Gegenwart versetzt wird und dort von Sōta Higurashi, Kagomes Bruder, kurzerhand adoptiert wird und zehn Jahre lang in Tōkyō lebt und ständig den Streit mit Stärkeren sucht, gelangt Setsuna in ein Dorf voller Han’yō, also Halb-Yōkai. Sie lernt ihre Dämonenkräfte einzusetzen, um die Schwächeren zu beschützen. Durch das Auftauchen eines mächtigen Yōkai, den sowohl Moroha als auch Setsuna im Visier haben, werden die beiden samt ihres Gegners durch die Zeit geschleudert. Während Towa sich sofort an ihre Schwester erinnert, erkennt Setsuna ihren Zwilling nicht. Trotzdem raufen sich die drei Heldinnen zusammen. Da, wie Towa und Moroha erfahren, Setsuna nicht schlafen und nicht träumen kann, reisen sie zurück durch die Zeit. Sie wollen den ominösen Traumschmetterling finden, der Setsuna ihre Träume raubt. In der Zeit der kriegsführenden Reiche angelangt hören sie von Kirinmaru, einem ehemaligen Widersacher ihres Großvaters väterlicherseits, Inu no Daiyōkai, der sich nach und nach zum ärgsten Feind der dreiköpfigen Truppe entwickelt. Entsprechend zielgerichtet wird Yashahime die meiste Zeit über erzählt.

Angenehme Atmosphäre mit technischen Unstimmigkeiten

Neben Kirinmaru treten viele weitere Bösewichter auf. Neben unwichtigen Yōkai, die sie von ihrem Ziel trennen, müssen sie sich mit den ominösen vier Übeln herumschlagen, die mit Kirinmaru im Bunde sind. Moroha, Setsuna und Towa werden stärker und wachsen persönlich über sich hinaus. Für Anime-Serien der Fantasy-Action ist dies keine Seltenheit und funktioniert in Yashahime ziemlich gut. Bei den meistens der kürzeren Kämpfe wird teils ein Effektfeuerwerk abgeliefert, das mit der Vorgängerserie konkurriert. Auch die Charakterzeichnungen der neuen Figuren erinnern stark an Inuyasha, Kagome und Co. Technisch ist die Serie aber nicht auf der Höhe der Zeit, denn gerade die Darstellung der weniger humanoid dargestellten Yōkai lässt zu wünschen übrig. Hinzu kommen zu knappe Animationen, die immer wieder aus der Atmosphäre reißen. Letzteres ist in einigen Anime-Serien zum Standard verkommen. Yashahime stellt keine Ausnahme dar. Zwischen Februar und Mai 2023 erschien die Serie im deutschsprachigen Raum auf Blu-ray Disc – inklusiver deutscher Tonspur. Wer die Serie via Crunchyroll streamt, muss unter Umständen nicht nur mit einer schwankenden Bildqualität und Nachladepausen rechnen, sondern ab der sechsten Folge kurioserweise zum gelungenen japanischen Originalton greifen, obwohl die ganze (!) Serie zum Testzeitpunkt am 28. Oktober 2023 in der Crunchyroll-Applikation mit deutscher Synchronisation angegeben wird. Hier wird der Kunde aufs Glatteis geführt. An der angemessenen Präsentation von Yashahime ändert sich damit aber nichts.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf dem Stream bei Crunchyroll): Bei Yashahime: Princess Half-Demon handelt es sich um eine gelungene Fortsetzung von Inuyasha – The Final Act. Dennoch sollte der Zuschauer die Vorgängerserie gesehen haben. Andernfalls wird er nur schwer in die Handlung hineinkommen können, da gerade die erste Folge mit einem Fokus auf die alten Helden ganz falsche Versprechungen macht. Ab der zweiten Episode kann sich die Handlung von Yashahime aber immerhin in weiten Teilen entfalten. Der Zuschauer erfährt mehr über die Figuren, ihre persönlichen Motivationen und Einstellungen, ihre Kräfte und schließlich ihre Zusammenarbeit im Team. Allerdings ist die Story bei einzelnen Elementen sehr kryptisch aufgebaut. Daher setzen sich viele, aber definitiv nicht alle Elemente peu à peu mosaikartig zusammen. Die erste aus 24 Episoden bestehende Season beantwortet also nicht alle Fragen, was ein wenig zermürbend sein kann. Da die zweite Staffel direkt an den tragischen wie hoffnungsvollen Cliffhanger anschließt, der den bittersüßen Dualismus der Serie ausdrückt, bleibt immerhin die Erwartung bestehen, dass offene Fragen in der zweiten Hälfte der Serie aufgegriffen und schließlich beantwortet werden. Mir gefällt die Fortsetzung bis auf die angesprochenen Unstimmigkeiten und die in meinen Augen manchmal etwas zu künstlich wirkende Technik ziemlich gut. Allerdings würde ich, ohne diese selbst gesichtet zu haben, eher die Blu-ray-Fassung empfehlen, da die Serie dort auch vollständig mit deutschem Ton vorliegt und die geminderte Streaming-Qualität passé ist, sofern einem das wichtig genug ist.

Vielen Dank an Crunchyroll für die freundliche Bereitstellung des Zugangs zum Streaming-Angebot!

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