Review: Dragon Ball: Box 1 (Episoden 1–28)

Wer Ende der 1980er-Jahre geboren wurde, wird wahrscheinlich mehr als ein Jahrzehnt später auf die Anime-Serie Dragon Ball aufmerksam geworden sein. Nachdem die Serie 2012 hierzulande bereits auf DVD erschien, folgte 2013 die Blu-ray-Veröffentlichung – ungeschnitten.

Deutschsprachige Fans der ersten Stunde erinnern sich noch gut daran, wie der Einsiedler Son Gokū alleine und auf sich gestellt in den Bergen einen recht vergnügliches Alltag führt. Jeden Tag trainiert der Junge, angelt und ist schlichtweg mit seinem Leben zufrieden. Eines Tages verschlägt es in den Sommerferien die junge Buruma in die Wildnis, denn sie ist auf der Suche nach den mysteriösen wie titelgebenden Drachenkugeln, von denen es insgesamt sieben Stück geben soll. Hat jemand alle Dragon Balls gefunden, darf er sich von dem daraufhin erscheinenden Drachen Shénlóng einen Wunsch erfüllen lassen. Wie es der Zufall so will, ist genau jener Einsiedler im Besitz einer dieser Kugeln. Gokū ist zunächst davon überwältigt, auf ein Mädchen und somit einen anderen Menschen zu treffen, kannte er zuvor doch nur seinen verstorbenen Großvater. Obwohl auch er die Geschichte von den Drachenkugeln faszinierend findet, möchte er sie nicht hergeben, da es für ihn das einzige Andenken an seinen Großvater ist. Er willigt jedoch ein, Buruma auf ihrer Reise zu begleiten und ihr die Kugel zu leihen. Sie verschweigt ihm jedoch, dass die Kugeln, nachdem der Wunsch in Erfüllung gegangen ist, sich in Stein verwandeln und erst ein ganzes Jahr später wieder sichtbar werden. Da Buruma bisher nur zwei Dragon Balls gefunden hat, macht sie sich mit Gokū kurzerhand auf die Suche nach den anderen Kugeln – nur um in ein noch größeres Abenteuer zu schlittern.

Illusteres Charakterensemble

Buruma und Gokū wissen nicht, dass noch jemand anders auf der Suche nach den Dragon Balls ist. In einem entfernten Land lebt der kleine, reiche und fiese Prinz Pirafu, der von seinem Schloss aus seine zwei Lakaien Mai und Shū ebenso auf die Suche nach den Kugeln schickt. Somit stoßen Gokū und Buruma des Öfteren unweigerlich auf ihre beiden Gegenspieler, die ihnen mit hinterhältigen Tricks die Dragon Balls vor der Nase wegschnappen wollen. Eine Konfrontation mit Prinz Pirafu ist ebenfalls unumgänglich, da dieser ebenfalls im Besitz einer der legendären Kugeln ist. Auf ihrer gemeinsamen Reise schließen sich Gokū und Buruma weitere illustre Gefährten an, beispielsweise das humanoide Schweinswesen Ūron, welches sich jederzeit, aber nur gerade einmal für fünf Minuten, in alle möglichen Erscheinungsformen verwandeln kann. Später gesellt sich auch noch der Räuber Yamucha hinzu, der fürchterliche Angst vor Frauen hat. Das sorgt an der einen oder anderen Stelle zwischen ihm und Buruma für lustige Momente. Der für Dragon-Ball-Erfinder Toriyama Akira bekannte Humor kommt ebenfalls nicht zu kurz, doch das dürften die Serienkenner bereits wissen. Wenn Buruma von einem Monster entführt und nach ihrer Rettung erst meilenweit aus der Luft hinunterfällt, um von Gokū schlussendlich gerettet zu werden, muss sie aus Verzweiflung urinieren. An anderer Stelle ist es dann der Held selbst, der einfach so zwischendurch pinkeln muss.

Viel Humor und etwas nackte Haut

Sicherlich ist dies der natürliche Lauf der Dinge, aber Toriyama Akira hat es geschafft, die Natürlichkeit des Lebens mit viel Witz zu unterlegen. Das sehen wir dann auch an Muten Rōshi, dem Herrn der Schildkröten, der an einigen Stellen trotzt seiner Reife und großen Kampfkraft als notgeiles Großväterchen dargestellt wird. So passiert es gelegentlich, dass Geschlechtsmerkmale wie Burumas Brüste auftauchen. Handelte es sich bei der DVD-Veröffentlichung von 2012 noch um die gekürzte Fassung der RTL2-Ausstrahlung, ist die Blu-ray-Ausgabe von 2023 tatsächlich ungeschnitten. Endlich dürfte auch der letzte Zuschauer verstehen, warum es witzig ist, wenn Gokū Buruma im Schlaf ihr Höschen auszieht, bevor sie in derselben Folge auf Muten Rōshi trifft. Während Gokū sich in der gekürzten Fassung nämlich nur darüber wundert, dass Buruma keinen Hoden hat, erfährt der Zuschauer in der einstmals geschnittenen Szene, dass Buruma kurz ihren Rock hochziehen soll, damit er Gokū und ihr den Dragon Ball überlässt. In den 1990er-Jahren war dies für das deutsche Nachmittagsprogramm vielleicht zu heftig. Die erste Serienbox, die neben der ersten Suche nach den Kugeln auch das Training bei Muten Rōshi und Gokūs Teilnahme am 21. Tenkaichi Budōkai, dem großen Kampfsportturnier umfasst, bei dem beispielsweise die Kämpferin Ran Fuan nur leicht bekleidet über ihre Gegner triumphieren will, ist weiterhin ab 12 Jahren freigegeben.

Charmante Vertonung

Obwohl Anime hierzulande bereits in den Jahrzehnten zuvor ausgestrahlt wurden, ist Dragon Ball um das Jahr 2000 herum eines der Werke, die den Begriff erst salonfähig gemacht haben. Dennoch wirkt die Übersetzungspolitik etwas befremdlich, denn bei vielen japanischen Begriffen wurde eine regelrechte Eindeutschung vorgenommen. Das Kamehame Ha, die Kampftechnik von Muten Rōshi, wird in der deutschen Vertonung als Schockwelle der alten Ahnen bezeichnet, was von der direkten Übersetzung abweicht. Trotzdem entwickelte die deutsche Synchronisation seinerzeit eine besondere Atmosphäre, was auch an den tollen Synchronsprechern liegt. Diese verleihen den Akteuren im Deutschen reichlich Charme. Unter anderem ist Corinna Dorenkamp als Gokū, Katja Liebing als Buruma, der 2012 verstorbene Heinz Ostermann als Muten Rōshi, Heinz Baumeister als Pirafu und Norman Matt als Gokūs Freund und Rivale Kuririn zu hören. Szenen, die bei der ursprünglichen Lokalisierung wegfielen, wurden damals nicht synchronisiert. Das heißt, dass diese auf den drei enthaltenen Blu-ray-Discs nur im japanischen Originalton mit deutschen Untertiteln vorliegen. Wer will, kann die Serie auch gleich komplett auf Japanisch anschauen respektive anhören. Während Dorenkamp Gokū als unschuldigen Jungen interpretierte und vertonte, machte die Stimme der Japanerin Nozawa Masako aus ihm einen recht aufgeweckten, aber dennoch schwerfälligen Heranwachsenden.

Technische Anpassungen

Bei der Musik des 2021 verstorbenen Komponisten Kikuchi Shunsuke gibt es hingegen kein Vertun, denn seine Melodien verleihen den heiteren, lustigen und spannenden Geschichten die richtige Stimmung. Da ist es egal, ob der Held auf seiner Überschallwolke von einem Ort zum anderen reist, für das große Turnier trainiert oder einen Übeltäter vermöbelt – der Soundtrack passt stets zum Geschehen. Schon nach kurzer Zeit kann der Zuschauer die Melodien mitsummen. Für die Blu-ray-Veröffentlichung wurde darüber hinaus entschieden, auf das deutsche Opening und Ending zu verzichten und stattdessen auf das japanische Original zu setzen. Die deutsche Variante liegt aber zumindest auf jedem Datenträger als Bonus vor. Beim Tonformat gab es ein Upgrade auf DTS-HD Master Audio 2.0, wovon aber eher die ältere japanische Tonspur profitiert haben dürfte. Alles ist klar zu verstehen, wenn auch eine asynchrone Szene in der deutschen Vertonung der 21. Episode den sonst guten Eindruck schmälert. Die auffälligste Verbesserung dürfte aber wohl das Bild im 4:3-Format sein, denn das beanstandete Bildwackeln in der ursprünglichen Version hat endlich ausgedient. In 1080p sieht zudem alles viel schärfer und schlichtweg besser aus. Als Bonusmaterial liegt der Box auch ein Episodenguide in Booklet-Form vor. Das ist hilfreich, denn das spartanische Menü der Blu-ray-Version weist wie schon die DVD lediglich nummerierte Episoden vor. Ein kleiner Dämpfer!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf den ersten 28 Episoden der Serie): Dragon Ball ist und bleibt für mich eine der besten Anime-Serien aller Zeiten. Durch die Blu-ray-Veröffentlichung kann nun auch jeder deutschsprachige Fan die Serie so erleben, wie sie in ihrer Gänze ist, nämlich unzensiert und ungeschnitten. Die Übersetzungspolitik mag zwar befremdlich wirken, wenn die vor allem aus späteren Dragon-Ball-Serien bekannte Kampftechnik Kamehame Ha als Schockwelle der alten Ahnen bezeichnet wird, doch schaue ich darüber gerne hinweg. Gerade im Vergleich mit Dragon Ball Z fällt die ursprüngliche Serie noch recht harmlos aus, doch ist das gerade das, was ich mir für das Franchise immer wieder wünsche. Eine tolle Handlung ohne Kämpfe in Überlänge, in der ein Gegner ständig stärker als der andere ist und seine Kampfkraft mit modernen Mitteln der Technik miteinander vergleicht. Da finde ich den Humor,  die vielen Geschichten und die Charaktere der ursprünglichen Serie viel besser. Es gibt mit der Blu-ray-Veröffentlichung auch gar keinen Grund mehr, nicht zuzuschlagen. Hier bekommt ihr tatsächlich die bisher qualitativ hochwertigste Umsetzung des Klassikers!

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