Fast ein ganzes Jahr mussten Fans von Detektiv Conan auf die Fortführung der Serie warten – zumindest im Rahmen der physischen Veröffentlichung im deutschsprachigen Raum. Am 23. Februar 2023 erschien die 17. Serienbox, die aber erneut weitgehend ein Lückenfüller bleibt.
Ganze zehn Jahre hat die Anime-Serie Detektiv Conan im Jahr 2006 auf dem Buckel. Dass die Reihe derart lange laufen würde, hätte sich Erfinder Aoyama Gōshō, der seit dem Debüt der Manga-Vorlage 1994 quasi an kaum etwas anderem arbeiten kann, in seinen kühnsten Träumen nicht vorstellen können. Wie dem auch sei, wird im neuen Intro, das in der zweiten Hälfte der 25 enthaltenen Episoden greift, auf das Jubiläum unter dem Titelschriftzug kurz und knackig hingewiesen. Allerdings wird der zehnjährige Geburtstag der Anime-Serie nicht oder zumindest noch nicht mit einem besonderen Fall gefeiert. Abermals bekommen Fans der titelgebenden Spürnase verschiedene Fälle vorgesetzt, die nacheinander abgearbeitet werden. Das ist besonders deshalb so schade, da auf dem Cover der 17. Serienbox hinter dem kleinen Protagonisten drei Mitglieder der schwarzen Organisation lauern. Hier spielt der Herausgeber Crunchyroll ganz fies mit der Erwartungshaltung der Fans, denn schließlich sind es gerade die Folgen der Anime-Serie, in denen Conans ärgste Feinde auftreten, wahre Publikumsmagnete. Im Umkehrschluss heißt das natürlich nicht, dass die enthaltenen Geschichten keinerlei Spaß machen, aber sie bringen die eigentliche Handlung der Serie eben nicht voran. Allerhöchstens Mōri Rans jüngste Entdeckung bringt ein wenig Schwung in das alltägliche Leben von Conan.
Nicht absehbare Entwicklungen
Wie jeder Zuschauer seit den allerersten Folgen von Detektiv Conan weiß, handelt es sich bei Conan in Wirklichkeit um den Schülerdetektiv Kudō Shin’ichi, der jedoch von der schwarzen Organisation geschrumpft respektive verjüngt wurde. Seither arbeitet er an einem Weg, seine alte Form zurückzuerlangen. Bis dahin lebt Shin’ichi unter dem Decknamen bei seiner Freundin Ran und ihrem Vater Kogorō, ohne den beiden jedoch seine wahre Identität zu enthüllen. Durch kleinere Missgeschicke und verräterische Aktionen bemerkt Ran jedoch immer mehr auffällige Ähnlichkeiten zwischen Conan und Shin’ichi. Das führt in den vorliegenden Folgen sogar dazu, dass sie Conans Mobiltelefon überprüft, um endlich sicherzugehen, dass es sich bei Conan in Wahrheit um Shin’ichi handelt. Wie Rans wilde Deduktion schlussendlich ausgeht, soll an dieser Stelle nicht verraten werden. Allerdings werden damit neue Möglichkeiten aufgestoßen, die für die Zukunft der Serie noch von starker Bedeutung sein könnten. Sonderlich viel passiert diesbezüglich in der 17. Serienbox von Detektiv Conan aber leider nicht. Ob die neuen Entwicklungen also tatsächlich einen Mehrwert für die Serienhandlung bringen, ist ganz und gar nicht abzusehen. Shin’ichi alias Conan bewegt sich damit aber auf ganz dünnes Eis, wie auch sein Freund und Rivale Hattori Heiji in einer Episode korrekterweise anmerkt.
Angenehmer Einfluss von Nebenfiguren
In sämtlichen anderen Belangen bleibt die Anime-Serie ihrer Struktur treu, hat aber zumindest gefühlt etwas an Biss verloren. Wie immer laden sämtliche Fälle zum Mitraten ein. Es macht Spaß, vor dem Fernseher sitzend mitzurätseln, wer denn nun schon wieder der Täter ist. Dass diese Fälle gewissenhaft konstruiert sind, dürften Kenner von Detektiv Conan wohl wissen – gerade das macht aber auch wieder den Charme aus. Häufig sind es diesmal jedoch die Dialoge bei der Aufklärung des Verbrechens, die etwas holprig geschrieben oder zumindest leicht salopp ins Deutsche übersetzt worden sind. Auf die andere Sprachfassung lässt sich übrigens nicht wechseln, denn die DVD-Version von Detektiv Conan ist nach wie vor nur mit der deutschen Tonspur ausgestattet. Hierbei geben sich die Sprecher aber größte Mühe. So unterhalten die verschiedenen Fälle, die sich unter anderem um einen Juwelenraub oder eine Schatzsuche drehen. Ebenfalls behandelt wird der Mord von Drehbuchautoren, Komikern und Industriellen. Nebenfiguren wie Inspektor Takagi Wataru, der in seine Kollegin Satō Miwako verliebt ist, oder Professor Agasa Hiroshi, der noch Gefühle für seine erste Liebe aus Kindheitstagen hegt, bekommen in der 17. Volume ein bisschen Bildschirmzeit. Auch wenn die Episoden der 17. Serienbox die Handlung nicht so stark vorantreiben, machen diese die Charaktere sehenswert.
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit (basierend auf den Episoden 434 bis 458 der Serie): Blieb in der 16. Serienbox noch die Hoffnung, dass langsam aber sicher ein neuer großer Handlungsstrang anbricht, ist in den Episoden der 17. Volume nichts mehr davon zu erkennen. Rans Verdacht wird in aller Eile abgehandelt und danach kaum mehr aufgegriffen. Allerdings lässt sich die Anime-Serie durch diese Entwicklung neue Möglichkeiten offen, die in Zukunft eine Behandlung erfahren könnten. Wer also darauf gehofft hat, dass die Rahmenhandlung fortgeführt wird, denn immerhin prangen Mitglieder der schwarzen Organisation auf dem Cover, dürfte wohl oder übel enttäuscht sein. Es ist schade, dass Crunchyroll hier mit falschen Versprechungen lockt. Der restlichen Struktur der Serie tut dies allerdings keinen Abbruch. Hier kommen auch abermals einige Nebenfiguren zur Geltung, welche die vielen kleinen Geschichten mit persönlichen Anekdoten und Kommentaren aufwerten. Fans der Serie, wenn sie nicht gerade darauf pochen, dass die eigentliche Handlung endlich wieder fortgeführt werden sollte, kommen in der 17. Serienbox von Detektiv Conan also einmal mehr auf ihre Kosten.