Heutzutage ist dieses etliche Jahrzehnte alte Hobby bei Kindern und Jugendlichen kaum mehr denkbar: Das Spielen mit Modelleisenbahnen. Train Yard Builder findet hier eine Nische, in der wir simulationsartig die Thematik des Modellbaus kennenlernen – eintönig wie spaßig!
Eine gute Exposition für Simulationen ist immer die Verarbeitung des Ablebens des eigenen Großvaters. Wirklich! Ohne den Tod des Altvorderen wären Spiele wie Stardew Valley und Co überhaupt nicht denkbar. Genauso verhält es sich auch mit der im September 2024 veröffentlichten Modellbausimulation Train Yard Builder vom polnischen Entwicklerstudio GameFormatic. Zu Beginn erreicht uns die Nachricht unserer Großmutter, dass sie zu unserer Mutter zieht – und wir währenddessen auf das kleine Haus aufpassen. Wir können ja, sofern wir denn wollen, das große Modelleisenbahndiorama im Keller vollenden, das wir einst mit unserem Großvater begonnen haben. Da im Haus ohnehin die meisten Türen verschlossen sind und ansonsten eigentlich nichts gemacht werden darf, stürzen wir uns ins Vergnügen. Im Rahmen des leicht verständlichen Tutorials lernen wir mit einfachen Kniffen die Steuerung als auch die Möglichkeiten kennen, die uns bleiben. Hier legen wir ein paar Schienen, an anderer Stelle entfernen wir sie. Damit das Diorama in Train Yard Builder den letzten Schliff erhält, platzieren wir noch zwei Wohnwagen. Anschließend können wir mit der Eisenbahn endlich eine Proberunde drehen, bevor wir das Diorama im Modelleisenbahnmuseum zur Ausstellung freigeben. Danach fängt erst die richtige Arbeit an – im Positiven wie Negativen!
Repetitive Aufgaben
In einer Ecke im Keller steht auch der alte PC unseres Großvaters. Immerhin ist dieser internetfähig, denn ständig trudeln auf einmal E-Mails von wildfremden Leuten ein, die durch das ausgestellte Museum auf uns aufmerksam geworden sind. Von unseren neuen Bekannten erhalten wir regelmäßig neue Aufträge in drei verschiedenen Kategorien. So erhalten wir kleine Gebäude, die wir in der Reinigungsmaschine oder selbst mit einem Tuch säubern müssen – wir empfehlen klar letztere Option, da dies zwar mit kreisartigen Mausbewegungen bewerkstelligt werden muss, aber deutlich schneller geht. Außerdem wird von uns in Train Yard Builder verlangt, die zugeschickten Modelle zu lackieren. Die Farbpalette reicht hierbei von ansehnlich bis hin zur Geschmacksverirrung. Eigene Modelle können wir zwar nach Gutdünken lackieren, bei den Aufträgen müssen wir aber die Regler auf die vordefinierten Positionen schieben. Reinigen und Lackieren sind stupide wie repetitive Aufgaben, helfen uns aber, etwas Geld in die Kasse zu spülen. Selbiges trifft auf das Erstellen kleiner Dioramen zu. Hierfür müssen wir jedoch im Online-Shop vorab die benötigten Teile kaufen und an der Werkbank nach der Sofortlieferung zusammensetzen. Am spaßigsten sind jedoch die Museumsaufgaben, für die wir direkt alle notwendigen Elemente erhalten, die wir nur noch konstruieren müssen.
Spaßige zweite Spielhälfte
Auch das einzelne Aufstellen dieser Teile mag gerade für jüngere Spieler mühselig erscheinen. Dennoch können wir Train Yard Builder hierfür keinen Vorwurf machen, denn in der Realität funktioniert das Aufbauen der Modelleisenbahn nicht viel anders. Lediglich dass wir Schienen oder Lokomotiven und ihre Anhänger nicht unbedingt in der logischen Reihenfolge auf die Baufläche setzen, nimmt der Simulation ein wenig die Glaubhaftigkeit. Haben wir nach ein paar Stunden alle Bauteile freigeschaltet und die gewinnbringenden Museumsaufgaben abgeschlossen, können wir mit den einfachen Aufträgen der Bekannten nicht mehr viel verdienen. In diesem Moment geht das Spiel aber erst richtig los, denn dann bleibt uns nichts anderes übrig, als frei ein Diorama zu erstellen, das wir als nächstes im Museum ausstellen können. Hierzu stehen diverse Themenpakete zur Verfügung, die im Minutentakt durchwechseln. Sagt uns ein Thema zu, wählen wir es am PC des verstorbenen Großväterchens einfach aus – und legen los. Die Simulation erwartet spätestens ab diesem Moment eine gesunde Portion Eigeninitiative. Bringen wir diese mit, entfaltet sie wahrhaftig ihr volles Potenzial und kann dann auch noch viele weitere Stunden überzeugen. Falls euch das neue digitale Hobby gefällt, könnt ihr froh darüber sein, dieses in Train Yard Builder platzsparend auszuleben!
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit: Mit Train Yard Builder füllt das polnische Entwicklerstudio GameFormatic eine Lücke, von der ich bis vor kurzem gar nicht wusste, dass sie überhaupt existiert. Den Aufbau einer Modelleisenbahn zu simulieren ist eine schlichte Idee, die in meinen Augen aber gut funktioniert. Die Simulation ist leicht nachzuvollziehen und führt mit einfachen Erklärungen ans Gameplay heran. Allerdings erkauft dies die Faszination, die das Spiel gerade in den späteren Stunden ausmacht, zunächst mit vielen repetitiven Aufgaben, sprich dem Reinigen und Lackieren von Modellen. Sobald auf diesem Wege jedoch alle Modelle freigeschaltet worden sind und auch die Aufgaben des Museums weitgehend erfüllt wurden, entfaltet sich das wahre Potenzial. Dann gilt es eigene Dioramen zu erstellen, die einer besonderen Thematik zugeordnet sind. Da ich hierbei völlig frei agieren und meine digital gekauften Modelle zur Geltung bringen kann, macht mir das tatsächlich am meisten Spaß. Wer etwas für den Modellbau mit dem Fokus auf Eisenbahnen übrig hat – oder sich dies zumindest im Entferntesten vorstellen kann –, sollte die Simulation unbedingt einmal anschauen. Aufgrund seiner Struktur ist Train Yard Builder außerdem hervorragend für kurze Runden zwischendurch prädestiniert – und das kann auch nicht jeder Titel des Genres von sich behaupten!
Vielen Dank an Frozen Way für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Train Yard Builder!