Review: Persona 3 Reload: Episode Aigis – The Answer [DLC]

Nachdem im Februar 2024 das Remake von Persona 3 Reload erschienen ist, dauerte es bis September desselben Jahres, bis mit Persona 3 Reload: Episode Aigis – The Answer auch der einstige Epilog aus Persona 3 FES folgte – allerdings als kostenpflichtiger Zusatzinhalt.

Beinharte Fans sind sich uneins, ob Persona 3 Reload nun ein gelungenes Remake oder ein weiterer Versuch von Atlus ist, die Cashcow zu melken, da es sich bei dieser Variante immer noch nicht um eine definitive Version des japanischen Rollenspiels handelt. So fehlte sowohl der weibliche Protagonist aus Persona 3 Portable als auch der Epilog aus Persona 3 FES. Obwohl wir der Auffassung sind, dass Atlus viele Chancen vertan hat, dem Klassiker endlich das Erscheinungsbild zu spendieren, das er verdient hat, kamen wir in unserer Rezension zu dem Schluss, dass es sich dennoch um die bislang spielenswerteste Ausgabe handelt. Vorab können wir euch sagen, dass wir diese Einstellung zum Zusatzinhalt Persona 3 Reload: Episode Aigis – The Answer nicht teilen können. Im Großen und Ganzen machen die Entwickler so viel falsch, dass uns schon nach wenigen Stunden der Spaß beziehungsweise das Durchhaltevermögen verlässt. Dabei fängt in der ersten Spielstunde doch alles so wunderbar und wehmütig erzählt an. Inzwischen schreiben wir in der nach dem Hauptspiel angesetzten Geschichte den 31. März 2010. Das Schuljahr neigt sich dem Ende zu und da die Welt vor dem Untergang gerettet wurde, heißt es auch für die Mitglieder des Specialized Extracurricular Execution Squad aus dem Wohnheim auszuziehen. Zuvor soll ordentlich mit Sushi gefeiert werden.

Zeitaufwendiges Abenteuer

Pünktlich um Mitternacht passiert jedoch das große Unglück. Zwar ist nicht die Dark Hour zurückgekehrt, doch sorgt eine Zeitschleife dafür, dass die Charaktere den 31. März immer und immer wieder durchleben müssen. Wer jetzt an Filmklassiker wie Und täglich grüßt das Murmeltier denkt, wird eines Besseren oder vielmehr Schlechteren belehrt. Die Türen vom Wohnheim bleiben geschlossen. Dieses dient im Spiel lediglich als zentrale Welt, bevor es immer wieder zurück in den neuen Dungeon geht, dem Abgrund der Zeiten. Mitten in der Lobby des Wohnheims macht sich nämlich ein Spalt auf. Heraus steigt eine junge Frau namens Metis, die schwört, Aigis’ Schwester zu sein. Nach ein paar Startschwierigkeiten knüpft sie mit den Protagonisten Freundschaft und erklärt ihnen, dass die Zeitschleife nur dann behoben werden kann, wenn sie im Abgrund der Zeiten sämtliche Türen schließen. Das klingt erst einmal nach einer einfachen Aufgabe – und sonderlich schwierig ist sie praktisch auch nicht. Sie ist nur sehr, sehr zeitaufwendig und gefüllt mit monotonem Gameplay. So wählen wir der Reihe nach die Komplexe aus, bei denen es sich wie beim Tartarus im Hauptspiel um zufallsgenerierte Stockwerke handelt. Hier kämpfen wir uns in rundenbasierten Scharmützeln etagenweise nach unten, bis wir nach etlichen Stockwerken bei der letzten Tür angelangen.

Unsinnige Designentscheidungen

Anstelle des Protagonisten Yūki Makoto übernehmen wir in Persona 3: Episode Aigis – The Answer allerdings die Rolle der titelgebenden Kampfeinheit, die im Hauptspiel ungefähr nach dem ersten Drittel des Spiels zur Truppe stößt. Da Makoto aus handlungstechnischen Gründen ausgedient hat, erhält Aigis zufälligerweise die Option, mehr als nur eine Persona zu nutzen. Schicksal oder nicht – gewöhnungsbedürftig ist das nach mehr als einhundert Stunden in Persona 3 schon etwas. Ebenfalls seltsam ist die Designentscheidung, die Charaktere in Hinblick auf ihre Fähigkeiten vieles vergessen zu lassen. Wenige Wochen nach der Entscheidungsschlacht befinden sich diese zu Beginn auf Level 25 und verfügen somit lediglich über einen Bruchteil ihrer Kräfte. Würden Jahre dazwischen liegen und hätten sie ihre Persona seitdem nicht mehr benutzt, hätten wir dafür Verständnis. Wer denkt, dass all das nur halb so wild ist, täuscht sich gewaltig. Der Umstand führt dazu, dass wir hunderte Kämpfe über uns ergehen lassen müssen, um wieder auf dem Niveau zu sein, das wir am Ende von Persona 3 erreicht haben. Ärgerlich ist das auch deshalb, da wir zu Beginn entscheiden dürfen, unser Savegame zu importieren. Blöd nur, dass lediglich unser Persona-Kompendium übertragen wird und die Kosten für die zu rufenden Persona auch deutlich höher sind. Zu Beginn haben wir weder das Geld noch sind wir auf dem erforderlichen Level für sie. Was für ein Unsinn hoch zehn!

Dungeon-Crawl-Mechaniken im Überfluss

Natürlich ist es irgendwie möglich, durch den Zusatzinhalt zu rasen und die Geschichte in zwanzig oder weniger Stunden abzuschließen. Allerdings verpassen wir dann die stufenweise besser werdende Ausrüstung hinter den rötlichen Monad-Türen im Abgrund und werden wohl auch nicht allzu viele Persona fusionieren können, sodass vielen Inhalten keine Beachtung geschenkt wird. Wenn wir all dies aber tun, kann sich die Spielzeit verdoppeln bis verdreifachen. Persona 3 Reload: Episode Aigis – The Answer konzentriert sich hierbei viel zu sehr auf seine Dungeon-Crawl-Mechaniken und bietet nur wenig Ausgleich. Beispielsweise finden wir hin und wieder spezielle Gegenstände, die es uns ermöglichen, in der Lobby mit unseren Verbündeten besondere Dialoge auszulösen, wodurch diese dieselben Zusatzfähigkeiten erlangen wie im Hauptspiel. Allerdings machen diese Szenen nur einen Bruchteil der gesamten Spielzeit aus. Ohne Makoto sind natürlich auch die ganzen Social Links nicht aktiv, weshalb wir beim Fusionieren keine Boni auf die Werte erhalten. Egal wie wir es drehen und wenden: Der kostenpflichtige Zusatzinhalt bietet zu wenig Abwechslung und ist selbst für die größten Fans des Hauptspiels eine Zumutung. Schlussendlich bleibt nur zu hoffen, dass die Entwickler die erneute Kritik endlich einmal wahrnehmen und dem Spiel irgendwann eine vollständige, angepasste und durchdachte Version spendieren, die dann auch durchweg positiv ausfällt!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PlayStation-5-Fassung): Persona 3 Reload mag nicht jedem Fan der Reihe schmecken, doch es ist und bleibt in meinen Augen die spielenswerteste Version des PlayStation-2-Klassikers aus dem Jahr 2006. Da die Entwickler vorab beschlossen hatten, die Inhalte aus Persona 3 FES und Persona 3 Portable nicht zu berücksichtigen, war ich schon etwas enttäuscht. Die Unzufriedenheit wuchs an, als bekannt wurde, dass der Epilog aus Persona 3 FES dann doch noch als kostenpflichtiger Zusatzinhalt nachgereicht werden würde. Da Persona 3 Reload aber immerhin eine wirklich wunderbare Spielerfahrung geworden ist, habe ich beim Epilog ein nicht weniger angebrachtes Erlebnis erwartet. Leider wurde ich sehr, sehr enttäuscht. Persona 3 Reload: Episode Aigis – The Answer ist durch und durch ein Dungeon Crawler geworden, der zu wenig Platz für Story-Elemente lässt. Auch dass ich meine hochgestuften Charaktere aus dem Hauptspiel nicht übertragen kann, jegliche Fähigkeiten plötzlich vergessen habe und mein hart angespartes In-Game-Geld verliere, ist schon ziemlich frech. Es dauert fast vierzig Stunden, bis ich wieder auf dem alten Niveau bin. Selbst wenn ihr beinharte Fans seid, solltet ihr euch zweimal überlegen, ob ihr den Zusatzinhalt wirklich benötigt, denn bis das Spiel einem die titelgebende Antwort gibt, müsst ihr etliche monotonen Stunden über euch ergehen lassen, in denen es kaum Abwechslung gibt. Das hat der Titel einfach nicht verdient. Gebt euch lieber getrost mit dem Hauptspiel zufrieden!

Vielen Dank an Sega für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Persona 3: Reload – The Answer!

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