1998 als Spin-off des Super-Famicom-Rollenspiels Dragon Quest Monsters V: Die Hand der Himmelsbraut gestartet, entwickelte sich die Dragon-Quest-Monsters-Reihe eigenständig. Mit Dragon Quest Monsters: Der dunkle Prinz erreicht die Reihe einen weiteren Höhepunkt.
Hierzulande fristet die Dragon-Quest-Monsters-Reihe leider immer noch ein Nischendasein. Herausgeber Square Enix hielt es in der Vergangenheit nicht für angebracht, sämtliche Episoden der Rollenspielreihe außerhalb Japans zu veröffentlichen. Zum Beispiel fielen in den 2010er-Jahren die beiden Nintendo-3DS-Ausgaben Dragon Quest Monsters: Terry’s Wonderland 3D und Dragon Quest Monsters Joker 3 kommentarlos unter den Tisch. Wir sind froh, dass Square Enix ein Einsehen hat und der Reihe mit Dragon Quest Monsters: Der dunkle Prinz auch außerhalb Japans eine neue Chance gibt. Ende 2023 erschien das Spiel ursprünglich für die Nintendo Switch, fand auf dieser Plattform aber nicht gerade Anklang. Dies liegt keineswegs an den Inhalten, sondern an der unterdurchschnittlichen Präsentation und der grausigen Performance. Warum das Rollenspiel mit Monstersammelaspekt so lieblos auf die Hybridkonsole gehievt wurde, wenn es doch ein Exklusivtitel sein sollte, ist uns schleierhaft. Abhilfe schafft jetzt die PC-Umsetzung des Spiels, die abgesehen von der immer noch nicht einwandfreien Präsentation aber ein deutlich angenehmeres Gesamtbild bietet. Höher aufgelöste Texturen, eine scharfe Weitsicht und noch dazu eine stabile Bildwiederholrate machen die Monsterhatz technisch zur ersten spielenswerten Version des knallbunten Rollenspiels.
Bühne frei für den dunklen Prinzen
Inhaltlich hat sich seit der Erstveröffentlichung auf der Switch auch in der im September 2024 erschienenen PC-Fassung nichts verändert. Nach wie vor schlüpfen wir in die Rolle von Psaro, dem titelgebenden dunklen Prinzen. Er ist Sohn einer Menschenfrau und dem Dämonenkönig Randolfo – und zudem der Antagonist aus Dragon Quest IV: Die Chronik der Erkorenen, aber das nur am Rande. Als seine Identität auffliegt, wird er aus seiner Heimat verjagt. Seine Mutter verstirbt und noch dazu wird ihm ein Fluch auferlegt, keinem Monster der Welt ein Leid zufügen zu können. Daher schwört er Rache an seinem Vater, der sich keinen Deut um ihn schert. Um die Aufmerksamkeit seines Erzeugers zu wecken, beschließt er, den Beruf des Monsterzähmers anzunehmen und sich in der Arena einen Namen zu machen. Ihr merkt schon: Die Geschichte klingt im ersten Moment nicht besonders, entwickelt sich mit der Zeit jedoch weiter und behandelt zuweilen auch ernste Themen. Unter anderem lernen wir in den ersten paar Spielstunden eine entflohene Elfe kennen, die von den Menschen versklavt wurde. Bei Psaro und den Bewohnern in seiner neuen Heimat schöpft sie neuen Lebensmut. Sie ist es auch, die Psaro dabei hilft, mit magischen Kristallen in die verschiedenen Kreise Nadirias zu reisen, in denen er neue Monster trifft, die er sich für seine Gruppe Untertan machen kann.
Taktische wie rundenbasierte Kämpfe
Überall in der dreidimensionalen Spielwelt laufen Monster herum. Bei Feindkontakt öffnet sich der Kampfbildschirm, auf dem wir die Auseinandersetzung rundenbasiert austragen. Es gibt hierbei jedoch ein paar Einschränkungen. So legen wir in der Regel die Angriffsmuster unserer Monster vorher fest, die im Kampf eigenständig reagieren. Bis zu vier Monster nehmen aktiv am Kampfgeschehen teil. Wir können diese aber zu Beginn einer jeden Runde oder außerhalb der Kämpfe austauschen. Positiv fällt auf, dass alle Kreaturen in unserem Schlepptau die für die Stufenaufstiege wichtigen Erfahrungspunkte erhalten. So werden die Monster mit der Zeit immer stärker. Regelmäßig erhalten sie zudem Punkte, die wir in mehreren Fähigkeitsbäumen in neue Zauber oder Attributsverbesserungen stecken können. Können unsere Monster zu Beginn lediglich angreifen, kommen schon bald Massenvernichtungszauber oder Unterstützungsmagie hinzu. Kommt es im Kampf darauf an, dass wir ein Monster zum Heilen auffordern, können wir ihnen auch direkt Befehle geben. Lediglich wenn es in der Arena darum geht, über unsere Gegner zu triumphieren, fehlt diese Option. Dementsprechend ist es wichtig, auch die automatisierten Kampfabläufe zu durchschauen und die Angriffsmuster in Dragon Quest Monsters: Der dunkle Prinz von Vornherein geschickt wie gezielt festzulegen.
Fusion!
Um neue Monster in unsere Gruppe aufzunehmen, stehen uns verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Selten kommt es beispielsweise vor, dass ein Monster so beeindruckt von uns ist und sich nach dem Kampf direkt anschließen will. Stattdessen sollten wir unsere Kampfkraft demonstrieren und einen Anwerbeprozess starten. Die Wahrscheinlichkeit errechnet sich prozentual zur Stufe unserer jeweiligen Monster. Etwas nachhelfen können wir, indem wir den Monster saftiges Fleisch zum Verzehr hinwerfen – da würden wir ja schließlich auch drauf reinfallen! In Dragon Quest Monsters: Der dunkle Prinz reicht es aber nicht aus, einfach nur neue Monster zu sammeln und diese zu trainieren. Stattdessen sollten wir diese synthetisieren, wie es auch schon im ersten Serienteil für den Game Boy Color aus dem Jahr 1998 der Fall ist. Hierzu ist es nötig, dass die Monster bereits auf dem zehnten Level angekommen sind. Über ein Menü legen wir dann fest, welche beiden Monster wir fusionieren möchten. Wem das zu umständlich ist, kann sich auch gleich alle möglichen Kombinationen anzeigen lassen. Filter wie Monsterrang oder Familie sind hierbei inklusive. Sammlernaturen können sich sogar nur die Monster anzeigen lassen, die sie noch nicht in ihrem Besitz hatten. Dieses Konzept ist unfassbar motivierend und sorgt dafür, dass wir immer mächtigere Wesen erschaffen.
Erst sterben, dann erben
Synthetisierte Monster haben den entscheidenden Vorteil, dass sie bestimmte Fähigkeiten von ihren Eltern erben, die wir sogar künstlich auswählen dürfen. Fähigkeitsbäume müssen daher nicht von Beginn an erneut erklimmt werden. Auch wenn die neuen Monster auf dem ersten Level starten, erhalten sie mehr Fähigkeitspunkte und lernen offene Zauber oder Attributsverbesserungen deutlich schneller. Ein wenig ist es so wie mit den Persona aus der gleichnamigen Reihe: So sehr es uns auch schmerzen mag, liebgewonnene Monster zu verlieren, so bekommen wir dafür ein sehr viel stärkeres Monster, das sich für uns in die Bresche schmeißt. Abgesehen von dieser Mechanik orientiert sich das Spiel an den Grundlagen der langlebigsten Rollenspielreihe aus Japan. Wir laufen durch malerische wie furchterregende Areale, finden Schätze und entdecken kleinere Geheimnisse. Letzteres liegt an den sich in Intervallen wechselnden Jahreszeiten. So können wir beispielsweise im Sommer an Ranken Abhänge hinaufklettern und im Winter über zugefrorene Seen schlittern. Noch dazu machen sich je nach Jahreszeit andere Ungetüme der über fünfhundert enthaltenen Monster in den Habitaten breit, weshalb das mehrmalige Aufsuchen der Gebiete immer wieder für eine kleine Überraschung gut ist. Alleine dieser tolle Umstand spricht für Dragon Quest Monsters: Der dunkle Prinz!
Letzte Gedanken zur technischen Gestaltung
Unter technischen Gesichtspunkten ist Dragon Quest Monsters: Der dunkle Prinz wahrhaftig ein zweischneidiges Schwert geworden. Auf der einen Seite sind wir fassungslos, dass der Titel auf der Switch halbgar bis lieblos ausfällt. Davon zeugen immer noch die kurzen Ladebildschirme der PC-Fassung, auf denen vermutlich Screenshots der Switch-Variante zu sehen sind. Auf der anderen Seite fällt das Spiel auf dem PC in puncto Schärfegrad und Texturqualität glücklicherweise deutlich hübscher aus, auch wenn es weit davon entfernt ist, mit opulenten Grafiken aufzuwarten. Auf unserem Testrechner (Intel i5 13600K, GeForce RTX 4070, 32 GB DDR5 RAM) läuft das Spiel zudem durchweg ruckelfrei, was den Spielfluss immens fördert. Am besten gelungen an der visuellen Gestaltung sind unserer Meinung nach aber die eigentlichen Stars: Die Monster. Diese sind leicht animiert und überzeugen vor allem mit dem Charakterdesign von Toriyama Akira, der am 1. März 2024 leider verstarb. Somit handelt es sich bei Dragon Quest Monsters: Der dunkle Prinz um eines der letzten Videospiele, an dem der Künstler gewissermaßen beteiligt war. Bereits 2021 verschied schon Komponist Sugiyama Kōichi, dessen markante musikalische Note aber immer noch im Spiel zu vernehmen ist. Wer ein Faible für Spiele mit Monstern hat, kommt nicht um dieses schicke Kleinod herum.
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Als Fan der Reihe habe ich Dragon Quest Monsters: Der dunkle Prinz im Jahr 2023 für die Nintendo Switch vorbestellt. Als ich dann jedoch zum Release gesehen habe, dass dieser einstige exklusive Titel nicht für die Plattform optimiert ist, habe ich das Spiel gar nicht erst ausgepackt. Ich freue mich jedoch sehr darüber, dass Square Enix den Exklusivgedanken aufgegeben hat und dem Spiel neues Leben auf dem PC einhaucht. Mit technischen Verbesserungen wie einem höheren Schärfegrad, verbesserten Texturen und vor allem einer starken Performance macht das klassische japanische Rollenspiel gleich sehr viel mehr Spaß. Noch dazu ist der Inhalt gelungen: Es macht sehr viel Laune, immer wieder neue Monster für meine Gruppe zu rekrutieren und aufzustufen – nur um sie dann mit anderen Monstern zu synthetisieren und damit eine noch stärkere Kreatur zu schaffen. Dies führt zu einem wirklich tollen Spielfluss, bestehend aus zahlreichen wie auch schnellen rundenbasierten Kämpfen und spannender Erkundung im Wandel der automatisch wechselnden Jahreszeiten im Spiel. Von Dragon Quest Monsters: Der dunkle Prinz bekomme ich schlicht nicht genug. Solltet ihr euch für solche Spiele wie ich begeistern können, müsst ihr dem Titel in dieser bislang technisch wohl besten Version unbedingt eine Chance geben!
Vielen Dank an Square Enix für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Dragon Quest Monsters: Der dunkle Prinz!