Am 3. Dezember 1994 erblickte in Japan die erste PlayStation das Licht der Welt. Anfangs womöglich ein wenig belächelt, entwickelte sich Sonys Videospielkonsole zu einer der wohl erfolgreichsten Plattformen. Auch dank ein paar Fehlentscheidungen seitens der Konkurrenz.
Nach dem großen Videospielcrash Mitte der 1980er-Jahre konnte sich der Markt, der zunächst von US-amerikanischen Konsolen dominiert wurde, durch das Hervortun zweier japanischer Unternehmen erholen. Während Nintendo mit dem hauseigenen Famicom um die Gunst der Spieler buhlte, schickte Konkurrent Sega das Master System ins Rennen. Der Konflikt spitzte sich wenige Jahre später mit dem Super Famicom von Nintendo und dem Mega Drive aus dem Hause Sega weiter zu. In dieser Zeit entwickelte sich die Technik jedoch derart rasant weiter, sodass auch der optische Datenträger CD-ROM immer mehr an Bedeutung gewann. Um die Wende von den 1980er- zu den 1990er-Jahren erschienen für etwaige Konsolen wie der PC Engine verschiedene Hardware-Erweiterungen, die Spiele vom „neuen“ Medium lesen und abspielen können. Auf diesen Zug wollte auch Nintendo aufspringen und plante in Zusammenarbeit mit Sony eine Laufwerkserweiterung für das Super Nintendo Entertainment System respektive für das Super Famicom, um den Vorsprung zu Sega zu vergrößern. Laut Vertrag war es so jedoch auch Sony möglich, eine eigene Konsole mit CD-ROM-Laufwerk zu entwickeln. Dies sollte schlussendlich zur plötzlichen Vertragsauflösung zwischen Nintendo und Sony führen – und den Grundstein für die uns als PlayStation bekannte Konsole legen.
Deal or no Deal
Ein wenig seltsam wirkt es in der Retrospektive schon, wenn ein Vertrag zwischen zwei so großen Unternehmen nicht vernünftig ausgehandelt beziehungsweise verständlich formuliert war. Die Legende besagt, dass Sony das Recht gehabt hätte, Software vom Super Nintendo für die eigene Konsole zu veröffentlichen, ohne Lizenzgebühren zu zahlen. Als sich Nintendo dann dazu entschied, lieber mit dem niederländischen Unternehmen Philips einen Deal einzugehen, muss in der Chefetage bei Sony die Entscheidung gefallen sein, im Alleingang weiterzumachen. Sonys damaliger und 2011 verstorbener Präsident Ōga Norio und der als „Vater der PlayStation“ bekannte Kutaragi Ken behielten einen Teil des ursprünglichen Namens des Laufwerks bei und ebneten den Weg für die PlayStation. 1992 konnten sich Nintendo und Sony allerdings doch noch einigen, sodass Sony an der Entwicklung des CD-i von Philips beteiligt wurde. Dies hielt die Japaner aber nicht davon ab, im Hintergrund weiter an der Vision einer eigenen Konsole zu feilen. Nintendo blieb unterdessen den optischen Datenträgern fern und überließ Philips lediglich die Lizenzen für eine Handvoll Spiele. Das CD-i blieb jedoch erfolglos und sollte Nintendo zunächst Recht geben, weiterhin auf Module zu setzen – schließlich war das Super Nintendo in den frühen 1990er-Jahren beliebt und ertragreich.
Eingekauft und verkauft
Anfang Dezember 1994 war es schließlich soweit und Sony veröffentlichte die PlayStation in Japan für circa 36.000 Yen. Ein Jahr später war das Gerät auch in Nordamerika für etwa 300 US-Dollar und in Europa für 600 deutsche Mark erhältlich. Durchaus ein stolzer Preis, kosteten diverse vorher erschienene Konsolen ein gutes Stück weniger. Dennoch war dies eine Kampfansage gegen Sega, dessen im November 1994 veröffentlichter Saturn im Jahr 1995 in Nordamerika für 400 US-Dollar über die Ladentheke ging. Durch nahezu jährliche Preissenkungen wurde auch Nintendo unter Zugzwang gestellt. So musste der Konzern das Nintendo 64, das im Juni 1996 in Japan, im September 1996 in Nordamerika und schließlich im Mai 1997 in Europa durchstarten sollte, schon zum Launch günstiger als geplant anbieten. Sony hat sich in gewisser Weise in den Markt eingekauft, was aber auch an der Software zu spüren war. Da CD-ROMs deutlich günstiger zu produzieren sind als Module, konnten diese abgesehen von horrenden Preisen beim Import in vielen Fällen auch günstiger im Einzel- oder Versandhandel angeboten werden. Aufgrund dessen, dass Nintendo weiterhin auf die teuren Module setze, konnten verschiedene Hersteller ihre Visionen von künftigen Videospielen oft nicht mehr verwirklichen. Die CD-ROM bot als Medium einfach deutlich mehr Speicherplatz.
Schier „unendliche“ Kapazität einer CD-ROM
Publisher Square gehörte in den frühen 1990er-Jahren noch zu den Herstellern, die Nintendo sehr treu ergeben waren. So befeuerte das Unternehmen das Super Nintendo noch bis zum Schluss mit Rollenspielen, die damals als Nischengenre galten. Vor allem Final Fantasy mauserte sich in Japan und Nordamerika zu einer der wichtigsten Marken. Damit war Mitte der 1990er-Jahre aber Schluss. So existiert zwar eine Techdemo von Final Fantasy VII für das Nintendo 64, die jedoch lediglich einen Kampf mit Charakteren aus dem sechsten Serienteil zeigt. Mit dem Umstieg auf die PlayStation war plötzlich so viel mehr möglich. Komplette Videosequenzen und instrumentale Musik waren in diesem Umfang nur auf CD-ROM möglich. Da ist es auch kein Wunder, dass der siebte Serienteil der Rollenspielreihe auf gleich drei Discs ausgeliefert wurde. Die beiden Nachfolger kommen sogar auf jeweils vier Discs – und selbst dann wurden noch nicht alle Möglichkeiten ausgereizt. Manche Spiele wie Metal Gear Solid, Resident Evil oder Syphon Filter erhielten sogar eine Sprachausgabe, die in dieser zumindest auditiven Klangqualität nur dank des optischen Datenträgers möglich ist. Auch wenn das Nintendo 64 im direkten Vergleich technisch möglicherweise ausgefeilter ist, zeigt sich doch sehr gut, welchen Effekt das Nutzen eines speziellen Mediums tatsächlichen erzielt.
Ein Controller für die Ewigkeit
Dennoch hat die CD-ROM ein neues, bis dahin kaum geahntes Phänomen hervorgerufen. Für die Konsole erschienen insgesamt über viertausend Spiele. Was wie ein Alptraum für Sammler klingt, wird durch die unterirdische Qualität einiger Spieler noch einmal befeuert. In dieser Hinsicht hat Nintendo zumindest bis zum GameCube die Nase vorn gehabt. Ein Blick in die Online-Shops jüngerer Konsolen wie die Nintendo Switch oder Distributionsplattformen wie Steam zeigen ein ähnliches Problem. Davon abgesehen entwickelte sich die Konsole mit der Zeit weiter, was unter anderem am Zubehör zu erkennen ist. Insbesondere der Controller hat eine kleine, aber immens wichtige Wandlung durchgemacht. So verfügte das erste Gamepad noch nicht über die beiden Analog-Sticks. Als Reaktion auf den Nintendo-64-Controller, der quasi eine stufenlose Navigation der Spielfigur ermöglichte, konterte Sony 1997 mit dem sogenannten DualShock Controller, dessen Erscheinungsbild bis zur PlayStation 3 aus dem Jahr 2006 optisch nahezu identisch blieb und abgewandelt auch bei den Controllern von PlayStation 4 und PlayStation 5 quasi noch existent ist. Diese Einheitlichkeit sollte dafür sorgen, dass sich Fans der ersten Stunde auch heute noch auf dem Controller mit seinen vier Schultertasten, den vier Richtungstasten und den symbolbeschilderten Aktionstasten heimisch fühlen.
Erfolg ohne festes Maskottchen
Obwohl am 4. März 2000 nach nicht einmal fünfeinhalb Jahren mit der PlayStation 2 die abwärtskompatible Nachfolgekonsole in Japan auf den Markt kam, hielt Sony weiterhin an der ersten PlayStation fest. So veröffentlichte das Unternehmen im selben Jahr die PlayStation One, wobei es sich hierbei um eine Miniaturausgabe der PlayStation handelt, die aber dennoch alle Spiele abspielen kann – und von denen gab es, wie bereits erwähnt, eine ganze Menge. Viele Marken erblickten auf der Konsole das Licht der Welt. Sportmuffel lernten in Tony Hawk’s Skateboarding das digitale Fahren mit einem Rollbrett. Hobby-Rennfahrer schnallten sich im meist verkauften PlayStation-Spiel Gran Turismo an. Dino Crisis sorgte hingegen für einen Adrenalinstoß bei der Dinojagd oder vielmehr der Flucht vor den gefräßigen Echsen. Silent Hill definierte hingegen nur wenige Jahre nach Resident Evil das Horrorgenre nochmals neu. Auch farbenfrohe Platformer wie Spyro the Dragon fühlen sich auf der PlayStation pudelwohl. Einzig und allein ein richtiges Maskottchen hat Sony Computer Entertainment zumindest damals nicht etablieren können. Dem Siegeszug hat dies aber nicht geschadet. Mehr als eine Millionen Einheiten konnte Sony bis 2006 von der PlayStation absetzen. Sie wurde zu einer festen Größe im Videospielmarkt: Sie ist gekommen, um zu bleiben.
Geschrieben von Eric Ebelt