Review: Two Point Museum

Wer nicht gerade auf Geschichte, Kunst oder Naturkunde abfährt, wird womöglich mit Museen nicht viel anfangen können oder sie sogar gänzlich meiden. Die Wirtschaftssimulation Two Point Museum zeigt jedoch vortrefflich, das Museen keine „langweiligen“ Institutionen sind.

In den 1990er-Jahren wagte sich Entwicklerstudio Bullfrog Productions daran, eine Wirtschaftssimulationsreihe auf die Beine zu stellen. Bis zum Jahr 2001 erschienen nach dem Seriendebüt Theme Park allerdings nur Theme Hospital sowie zwei inhaltliche Fortsetzungen zu Theme Park. Deutlich zielstrebiger bei diesem Unterfangen gehen jedoch die Verantwortlichen bei den Two Point Studios vor, die im März 2025 nach Two Point Hospital und Two Point Campus bereits das dritte Spiel ihres kreativen Schaffensprozess veröffentlicht haben. Nach dem Auftakt im Krankenhaus und dem Exkurs ins universitäre Leben beschäftigt sich Two Point Museum voll und ganz mit dem Aufbau eines Sammlungshortes. Auch wenn sich gerade in der modernen Zeit die Lebensgewohnheiten gewandelt haben, steckt in uns Menschen dennoch ein gewisser Sammlungstrieb. Aus keiner anderen Idee sind Sammlungen in Museen entstanden. Um die Exponate zeigen zu können, müssen sie zunächst einmal ausgestellt und eigentlich auch akribisch genau kuratiert werden. Letzterer Aspekt fällt in Two Point Museum zwar hinter unseren Erwartungen zurück, doch gelingt es dem Spiel trotz dieses Versäumnisses mit Leichtigkeit, uns stundenlang an den Monitor zu fesseln. Wenn eine Wirtschaftssimulation dieses Ziel erreicht, macht sie in unseren Augen schon einiges richtig.

Kreative Wege zum gefüllten Geldbeutel

Zu Beginn des Spiels müssen wir uns entscheiden, ob wir der Kampagne folgen oder gleich in den Sandbox-Modus einsteigen. Letzteres empfehlen weder Spiel noch wir, denn während der Sandkastenmodus uns von Beginn an mit allen erdenklichen Spielmöglichkeiten erschlägt, ist die Kampagne als Sprungbrett für unsere Museumskarriere gedacht. In dieser erlernen wir mit simplen Erklärungen und einfachen Handgriffen, wie die Museumsarbeit in der Welt von Two Point Museum funktioniert. Der Kurator hat sich auf und davon gemacht und wir müssen seinen Platz einnehmen. Innerhalb der Einrichtung sind die Räumlichkeiten jedoch nahezu leer, weshalb wir unserer Kreativität freien Lauf lassen und Museumsarchitekt spielen dürfen. So setzen wir an den Eingang des Museums einen Ticketschalter und positionieren unsere ersten Exponate in Reichweite. Damit die Besucher auch Wissen anhäufen können, stellen wir Informationstafeln in der Nähe auf. Darüber hinaus sollten wir unsere Ausstellung mit visuellen Mitteln aufpeppen, um mehr Spannung zu erzeugen. Überzeugt dies die Besucher, sind diese dazu bereit, an einzurichtenden Spendenschaltern großzügig erneut die Geldbörse zu zücken. Im zu entwerfenden Souvenir-Shop dürfen die Besucher respektive Kunden dann noch einmal blechen. Ebenso müssen wir für Snack- und Getränke-Automaten und dergleichen sorgen.

Mitarbeiter des Monats

Ein Museum kann zwar noch so gut eingerichtet sein, um einen guten Ersteindruck zu hinterlassen, doch ohne das richtige Museumspersonal läuft der Laden nicht. Experten sind beispielsweise dazu da, um die Werke im laufenden Betrieb zu restaurieren. Assistenten stellen wir wiederum für Ticket-Schalter oder Souvenir-Läden ein. Das Sicherheitspersonal sammelt unter anderem die Spenden ein oder kümmert sich um potenzielle Diebe. Hausmeister sind wiederum zuständig, um defekte Geräte zu reparieren oder Müll einzusammeln. Letzteres liegt daran, dass die Besucher sich bei uns wie zu Hause fühlen, die Objekte berühren und offenbar auch nicht im Stande sind, ihren Müll zum nächsten Abfalleimer zu bringen. Damit unser Museum langfristig floriert und wir von unseren Besuchern auch eine gute Bewertung erhalten, ist es zwingend erforderlich, unsere Experten immer wieder auf Expeditionen zu schicken, denn nur so gelangen wir an neue Ausstellungsstücke. Unterwegs kann natürlich einiges schiefgehen. Beispielsweise können unsere Mitarbeiter von Schlagen gebissen werden, in eine Teergrube fallen, in einen Sandsturm geraten oder ganz verschollen gehen. Selbst unser Expeditionshelikopter kann Schaden nehmen. Mit etwaigen Items lässt sich aber dagegenhalten. Ganz gefeit sind wir aber nicht immer, weshalb ein Restrisiko oft bestehen bleibt.

Charmanter Museumshumor

Ihr seht schon: Two Point Museum funktioniert im Kern anders als ein Museum in der Realität. Vor allem die Kuration enttäuscht uns deshalb, denn in der Realität sind vor allem Licht- und Raumverhältnisse überaus wichtig. Nur am Rande müssen wir auf solche Kleinigkeiten achten. Wollen wir beispielsweise Eisblöcke ausstellen, müssen wir zwangsweise Kühlgeräte in der Nähe einrichten, damit die Temperatur niedrig bleibt. Auch dass wir im Spiel viel Wert auf die möglichst pompöse Inszenierung setzen müssen, sticht sich mit der Vorstellung eines funktionalen Museums, denn eigentlich gilt es, jegliche Ablenkung zu vermeiden. Natürlich sind Museen kein Konzept, das in Stein gemeißelt ist, wie es auch das im Oktober 2024 eröffnete Nintendo-Museum in Kyōto zeigt. Hier hätten wir uns ein wenig mehr Realitätsnachahmung gewünscht. Dennoch verstehen wir, warum Two Point Museum genau so funktioniert, wie es sich die britischen Entwickler gedacht haben: Die Wirtschaftssimulation ist mit Humor vollgestopft! Unter anderem ist dies an den Animationen von Besucher und Personal zu erkennen. Selbst die Exponate sind von Witz nicht gänzlich frei. Zum Beispiel ist in unseren Ausstellungsräumen ein Kühlschrank, der in einem Eisblock feststeckt, zu bewundern. Durchsagen im Museum und die Kommentare von Radiomoderatoren geben dem Ganzen den Rest.

Museumsbesuche bringen Freude

Schon nach kurzer Zeit fallen die wenig realistischen Abläufe der Museumsarbeit und das Verhalten der Besucher auch gar nicht mehr negativ auf. Es entwickelt sich in Two Point Museum ein angenehmer Spielfluss, aus dem uns so schnell nichts rausreißen kann. Kaum schauen wir noch einmal auf die Uhr, sind schon wieder zwei Stunden vergangen. Je nach eigenem Spieltempo kann es anfangs mit zahlreichen wie flotten Expeditionen zwar etwas nervig sein, in der Zwischenzeit Anpassungen am Museum nur unvollständig vorzunehmen, doch sobald wir mehr und mehr Funktionen freigeschaltet haben, ist auch das in späteren Spielstunden zu verzeihen. Noch dazu spielt sich der Titel mit Maus und Tastatur auf dem PC hervorragend. Nahezu alle Menüstrukturen sind schnell durchschaut und Eingaben schnell ausgeführt. Hierbei helfen auch die sehr gute deutsche Übersetzung und die rudimentäre deutsche Synchronisation. Lediglich die Erweiterung von Räumen wie Werkstätten oder Toiletten ist etwas fummelig. Ebenso nervig können bestimmte Einblendungen sein. Haben wir Türen nicht richtig positioniert, poppt für jeden einzelnen Besucher, der nicht zu einem Objekt gelangen kann, eine Nachricht auf, die wir einzeln (!) wegklicken müssen. Auf unserem Testrechner (Intel i5 13600K, GeForce RTX 4070, 32 GB DDR5 RAM) läuft Two Point Museum mit maximalen Grafikeinstellungen zudem jederzeit sehr flüssig. So macht ein Museumsbesuch doch Spaß!

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Da ich mich einigermaßen im wissenschaftlichen Spektrum der Museologie auskenne, bin ich von Two Point Museum in dieser Hinsicht etwas enttäuscht, da es in meinen Augen ein falsches Bild der Museumsarbeit liefert. Allerdings kann ich verstehen, warum die Two Point Studios nicht allzu viel Wert auf Realismus legen. Das Spiel strotzt nur so vor Humor, der an allen Ecken und Enden spürbar ist. Schon nach wenigen Spielminuten lässt mich das Spiel trotz anfänglicher Bedenken nicht mehr los, denn als Wirtschaftssimulation funktioniert der Titel in diesem Rahmen durchaus gut. Es macht mir unfassbar viel Spaß, die Exponate zu positionieren, das Museum mit Dekorationen herzurichten und den Besuchern zu alledem ein möglichst aufregendes Erlebnis zu bescheren. Noch dazu greifen die verschiedenen Gameplay-Elemente an vielen Stellen wunderbar ineinander, was zu einem sehr angenehmen Spielfluss führt, bei dem ich regelmäßig die Zeit vergesse. Es gibt nur wenig, was mich an dem Titel in spielerischer Hinsicht stört. Er mag zwar keine besonders tiefgründige Wirtschaftssimulation sein, aber nichtsdestotrotz eine, die mit Humor, Spieldesign und eingängiger Bedienung bestens funktioniert. Two Point Museum ist deshalb sowohl für Genrefans als auch für Einsteiger definitiv eine Empfehlung wert!

Vielen Dank an Sega für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Two Point Museum!

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