Review: Shin-chan – Die Serie (Vol. 3)

Anfang Februar 2025 ging die Veröffentlichungsrunde der Anime-Serie Crayon Shin-chan in die dritte Runde. Polyband Anime hält hierbei am Gestaltungskonzept fest, was Puristen stört, aber Fans des vorlauten wie titelgebenden Bengels sicherlich nicht aus der Ruhe bringt.

1992 startete in Japan mit Crayon Shin-chan eine Anime-Serie, die sich selbst mehr als drei Jahrzehnte später noch überall auf der Welt großer Beliebtheit erfreut. Aufgrund des zeitlosen wie handlungstechnisch eher locker zusammenhängenden Gesamtwerks ist es darüber hinaus unerheblich, an welcher Stelle der Story einzusteigen ist. Sowohl die erste als auch die zweite Volume muss also nicht vorher durchgeschaut werden, um die darauffolgenden Ereignisse zu verstehen. In der Anime-Serie dreht sich alles um den titelgebenden Nohara Shinnosuke und seinen Eltern. Die Familie lebt in der japanischen Kleinstadt Kasukabe in der Präfektur Saitama. Genau hier muss sie sich den Tücken des Alltags stellen, wobei der Handlungsort auch in der dritten Volume hin und wieder wechselt. Shin-chan, so die Kurzform von Shinnosuke, hält seine Mitmenschen jedoch orts- wie tageszeitenunabhängig sichtlich auf Trab. Dementsprechend stellt er auch im dritten Episodenpaket von Polyband jede Menge Blödsinn an. Der Humor geht mit dem Hand in Hand, für den die Serie im deutschsprachigen Raum auch wohlbekannt ist. Die deutsche Vertonung entstand in den frühen 2000er-Jahren und weicht in vielen Fällen vom japanischen Originalton ab. Zum Beispiel nimmt Crayon Shin-chan Bezug auf die hiesige Kultur und den Zeitgeist: Aus dem Yen wird Euro und aus diesem der „Teuro“.

Alltägliches und Humorvolles

Abgesehen von den Abweichungen in der Synchronisation bekommen aber auch die deutschsprachigen Fans denselben Wahnsinn vorgesetzt wie im Herkunftsland. Direkt zu Beginn der vorliegenden Episoden muss sich Shin-chan zwischen Mutter und Vater entscheiden respektive benennen, welches Elternteil er lieber hat. Deshalb versuchen seine Eltern ihn mit verlockenden Angeboten zu ködern. In einer anderen Episode macht Familie Nohara hingegen einen Ausflug ans Meer, um zu angeln. Die luxuriöse Yacht können sie nicht chartern, dafür ein abgewracktes Boot, das beim geringsten Wellengang droht zu zerschellen. Wenig später steht in Crayon Shin-chan der sonntägliche Ausflug in die Berge an. Hier möchte das aufgeweckte Trio den nächstbesten Gipfel besteigen, ist jedoch alles andere als begeistert, so viel Kraft aufzubringen. Dass sie auch die Seilbahn hätten nehmen können, ist noch einmal ein anderes Thema. In machen Folgen steht jedoch auch Shin-chans Vater im Mittelpunkt des Geschehens. Auf der einen Seite möchte er sich in einer Episode zum Golf stehlen, ohne dass seine Familie Wind davon bekommt. Auf der anderen Seite bekommt er in einer weiteren Folge Pralinen von seiner Sekretärin zum Valentinstag geschenkt. Selbstredend, dass Shin-chan ihm bei beiden Aktionen auf die Schliche kommt und seinen eigenen Vorteil daraus ziehen will.

Erheiternde Alliterationen

Darüber hinaus gibt es in den vorliegenden Episoden von Crayon Shin-chan auch einiges aus der Vorschule zu sehen. Beim Softball wird der Fünfjährige ständig durch irgendwelche Nebensächlichkeiten abgelenkt. In einer anderen Folge schließen die Lehrerinnen bereits Wetten ab, ob Shin-chan pünktlich zur Schule kommt oder den Bus verpasst. Abgedrehter wird es nur mit der neuen ultraklugen Mitschülerin, die in der deutschen Version Marianne Möchtegern heißt. Hier überlisten Shinnosuke und vor allem sein Freund Bō sie beim Memory-Spiel. Diese Art von Humor bei Charakternamen, der nicht ohne Alliterationen auskommt, ist schlicht großartig. Unter anderem treffen Shin und seine Mutter die sich selbst als lästige Luzie bezeichnende Verkäuferin im Supermarkt – und im Versandkatalog wird Richard Geres Musik-CD „Tibetanische Tanzparty“ feilgeboten. Auch wenn das Adjektiv völlig falsch gewählt ist, macht dieser Art von Humor in der deutschen Synchronisation sehr viel aus. Wer darauf hofft, die Folgen auch auf Japanisch durchleben zu können, wird enttäuscht. Wie schon bei den ersten beiden Volumes bietet Polyband Anime den Käufern nur die deutsche Synchronisation an. Darüber hinaus fehlen abseits der Alle-abspielen-Funktion Opening und Ending. Zudem sind die Folgen in ihre kleinen Unterteile zerhackstückelt, wodurch der Herausgeber ein fremdes Bild von der Anime-Serie zeichnet.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der DVD-Fassung): Für mich ist Crayon Shin-chan ein nicht zu leugnender Teil meiner Jugend. Damals wie heute mag ich die illustren Abenteuer des fünfjährigen Protagonisten, der mit seinem teils unbewussten, teils aber auch kalkulierten Fehlverhalten seine Mitmenschen in den Wahnsinn treibt. Die Episoden der dritten Volume sind unfassbar witzig und überzeugen vor allem mit abstrusen Nebenfiguren, die hin und wieder in Erscheinung treten. Die lästige Luzie und Marianne Möchtegern lassen grüßen. Diese Alliterationen führen zu überraschend langen Lachanfällen. Nur wenige Serien können es in puncto Humor meiner Meinung nach mit Crayon Shin-chan aufnehmen. Es macht einfach super viel Spaß, Familie Nohara durch den Alltagstrubel zu begleiten. Schade ist jedoch, dass die Veröffentlichungsmethode von Polyband Anime auch bei der dritten Volume recht lieblos ausfällt. Wer die ersten beiden Ausgaben bereits besitzt, wird das kaum überraschen, doch in Anbetracht der Notwendigkeit einer vollständigen Veröffentlichung der Serie ist dies mangelhaft. Dem Nostalgiegefühl, welches das dritte Episodenpaket bietet, tut dies aber keinen Abbruch.

Vielen Dank an Polyband Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Shin-chan – Die Serie (Vol. 3)!

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