Am 20. April 2023 veröffentlichte Herausgeber Crunchyroll das mittlerweile 18. Episodenpaket der langlebigen Anime-Serie Detektiv Conan. Die Serienbox beginnt zugleich mit einem Fünfteiler, der auch die eine oder andere Auswirkung auf die wichtige Rahmenhandlung hat.
Es ist schon beachtlich, wie lange die Anime-Serie Detektiv Conan schon läuft. Umso überraschender ist es, dass die Reihe um die titelgebende Spürnase im deutschsprachigen Raum hunderte Episoden hinterherhinkt. Publisher Crunchyroll lässt sich zwar nicht entmutigen, kommt mit der Veröffentlichung weiterer Folgen aber nicht ansatzweise so schnell hinterher, wie es sich langjährige Fans wünschen würden. Zu Beginn des Jahres 2006 ging es im japanischen Fernsehen nach einer ganz kurzen Winterpause weiter – und zwar zugleich mit einem fünfteiligen Special rund um die schwarze Organisation. Diese erhält in den vorliegenden Episoden neue Facetten, da dem Zuschauer neue Figuren enthüllt werden. Alles beginnt erneut mit einem ganz normalen Fall, mit dem Privatdetektiv Mōri Kogorō beauftragt wird. Die Reporterin Mizunashi Rena muss sich mit einem morgendlichen Klingelstreich auseinandersetzen, doch immer wenn sie die Tür öffnet, kann sie niemanden erblicken. Noch dazu muss sie sich bald einem aufstrebenden Politiker in einem wichtigen Interview stellen. Durch Zufall bemerkt der eigentliche Protagonist der Serie, der Schülerdetektiv Kudō Shin’ichi unter seinem Alias Edogawa Conan, dass die schwarze Organisation, die ihn hat schrumpfen lassen, den Politiker ausschalten will. Es stellt sich also die Frage, welche Rolle Frau Mizunashi dabei spielt.
Typisches Standardprogramm
Bei den restlichen Episoden klappert die Anime-Serie jedoch das altbekannte Schema ab, ohne dabei die Haupthandlung großartig voranzutreiben. Es gibt zwar immer wieder Verweise auf die Ereignisse des fünfteiligen Specials, doch sind diese so minimal, dass sich die Folgen grundsätzlich wie das Standardprogramm anfühlen. Bei einer Anime-Serie, die seit Jahrzehnten kein Ende finden will, ist das aber auch nicht weiter verwunderlich. Fans, die immer noch dabei geblieben sind, dürfte dies ohnehin kaum stören, zumal die einzelnen Fälle abwechslungsreich und unterhaltsam gestaltet sind. Unter anderem liegt ein Schriftsteller im Streit mit seinem Sohn, denn dieser beschuldigt seinen Vater, nur die Werke seiner Ghostwriter zu veröffentlichen. Als der Autor tot aufgefunden wird, fällt der Verdacht natürlich auf den Sohn. An anderer Stelle erhalten ehemalige Studenten von ihrem früheren Kommilitonen Morddrohungen – nur gilt besagter Studierender seit drei Jahren als tot. Ebenso spannend ist ein fehlgeschlagener Stunt auf einem Filmset, bei dem das Auto samt Stuntman in die Tiefe stürzt. In einer Episode ist Conan hingegen auf einen talentierten Hund angewiesen, denn diesem wird vorgeworfen, einer alten Dame die Kehle durchgebissen zu haben. Ebenso unterstützt Conan im Geheimen Kogorō bei der Aufklärung eines Falls, bei dem alles auf Selbstmord hindeutet.
Trauriger Abschluss einer Legende
Überwiegend sind die Fälle in den insgesamt 25 Episoden der inzwischen 18. Serienbox von Detektiv Conan als kurz und knackig zu bezeichnen. Langweilig oder gar langwierig sind die Abenteuer des kleinen Ermittlers definitiv nicht. Es fällt jedoch zunehmend auf, dass der Tathergang dem Zuschauer nicht immer ganz lückenlos beziehungsweise verständlich vermittelt wird. Dies könnte aber womöglich an der deutschen Übersetzung liegen. Wie bei den vorherigen Publikationen der Serie auf DVD kommen sämtliche Folgen ohne den japanischen Originalton aus. Dafür ist ein wesentlicher Sprung in der Aussprache etwaiger Personennamen und japanischer Begriffe zu bemerken. Mitunter dürfte dies daran liegen, dass in der 483. Episode sogar die Aussprache diverser Hiragana und Katakana des Rätsels Lösung sind. Diese Folge dürfte auch einen Umbruch in der Synchronisationsgeschichte der Serie darstellen, denn der Sprecher Jörg Hengstler-Modry, der seit dem Auftakt seine Stimme Kogorō lieh, verstarb am 24. April 2024. Für diese Rolle können wir uns nur schwerlich einen adäquaten Ersatz vorstellen, denn „gekonnt ist halt gekonnt“, wie Kogorō vor allem in älteren Episoden zu sagen pflegte. Wir verneigen uns vor diesem phonetischen Künstler, der nun eine klaffende Lücke in Detektiv Conan hinterlassen wird, und nehmen von ihm durch die 18. Serienbox Abschied.
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit (basierend auf den Episoden 459 bis 483 der Serie): Eine rigorose Fortführung der Rahmenhandlung wird es in Detektiv Conan vermutlich niemals geben. Nichtsdestotrotz ist die Freude groß, dass zumindest die ersten fünf Episoden der 18. Serienbox voll und ganz im Zeichen der schwarzen Organisation stehen. Einen wirklichen Einfluss auf die eigentliche Story dürfte es aber erst zu einem späteren Zeitpunkt geben, denn das fünfteilige Special setzt alles daran, die Organisation mit neuen Charakteren zu erweitern. Ebenfalls positiv ist, dass in einigen Episoden Verweise auf die Geschehnisse in diesem Fünfteiler auftauchen. Trotz allem sind ein Großteil der Folgen wieder klassische Fälle, in denen Conan und Co ermitteln. Diese sind nicht weltbewegend, aber zumindest abwechslungsreich. Negativ ist hierbei anzumerken, dass der Tathergang in manchen Episoden nicht gänzlich schlüssig erscheint. Letztlich dürfte die 18. Serienbox aber vor allem Fans von Mōri Kogorō in Erinnerung bleiben, denn dessen Synchronsprecher Jörg Hengstler-Modry verstarb 2024. Damit verklingt eine wahre Legende, dessen Erbe anzutreten unfassbar schwierig sein wird. Deshalb dürften langjährige Fans die Serie an dieser Stelle vorerst mit einem weinenden als auch einem lachenden Auge beenden.