Manchmal sind es gerade die kleinen Spiele, die einen überraschen können; so geschehen mit dem Horror-Titel BrokenLore: Low. Trotz geringer Spielzeit bietet er kurzweiliges wie spaßiges Gameplay. BrokenLore: Don’t watch wiederholt diesen Spagat des Debüts mit Bravour.
Im Februar 2025 legte das japanische Entwicklerstudio Serafini Productions mit BrokenLore: Low einen regelrechten Überraschungshit hin. Obwohl das Spiel mit einer rund einstündigen Spielzeit überaus kurz ausfällt, überzeugt es mit intensivem Gameplay. Ähnlich verfahren die Entwickler mit dem nächsten Spiel ihres BrokenLore-Franchises. In BrokenLore: Don’t watch thematisiert Serafini Productions das Phänomen der Shakaiteki Hikikomori, das insbesondere Japan, aber auch andere Nationen betrifft. Geprägt wurde der Begriff im Jahr 1998 vom japanischen Psychologen Saitō Tamaki und bezeichnet Personen, die sich aus der Gesellschaft in eine nach außen weitgehend abgeschlossene Umgebung zurückziehen. Den sozialen Kontakt beschränken Hikikomori auf ein Mindestmaß. Ein solcher Hikikomori ist auch der Protagonist von BrokenLore: Don’t watch. In der Rolle von Shinji müssen wir die soziale Isolation nicht zuletzt aufgrund der First-Person-Perspektive am eigenen Leib erfahren. Die Konzentration auf Tätigkeiten wie Singleplayer-Videospiele sind eine Wohltat, während Chat-Nachrichten aus der Außenwelt, Telefonanrufe oder gar das nervige Klingeln einer Pizzabotin an der Tür als störende Effekte auf die eigene Psyche wahrgenommen werden. Eines Abends bringen all diese Elemente kumuliert das Fass zum Überlaufen und schreckliche Ereignisse geschehen.
Survival-Horror-Intermezzo mit (zu) komplexer Thematik
Zu viel wollen wir zur Story des erneut rund einstündigen Survival-Horror-Spiels aber nicht verraten, doch geht es hauptsächlich darum, dass Shinji seinen inneren Konflikt löst und sich seinen Ängsten vor der Außenwelt stellt. Während die Prämisse gut gewählt ist, geht uns die Auseinandersetzung mit der Thematik aber nicht weit genug. In einer Stunde lässt sich das durchaus komplexe Phänomen ohnehin nicht gänzlich entschlüsseln. Beim Gameplay greifen wir diesmal unter anderem zum Messer, um Augen auszustechen. Auch müssen wir vor einer furchtbaren Kreatur die eigenen Augen schließen und vor anderen Gegnern fliehen. Überwiegend findet das Geschehen in Shinjis Wohnung statt, doch auch Ausflüge in die Außenwelt stehen euch bevor. Das klingt zwar nicht nach viel, doch aufgrund der kurzen Spielzeit kann der Titel durchaus als ein abwechslungsreicher Walking-Simulator mit Horror-Einschlag bezeichnet werden. Darüber hinaus ist der Schwierigkeitsgrad seit dem Seriendebüt leicht angestiegen, auch wenn Spieltode keine große Auswirkung auf den weiteren Fortschritt haben. Die Steuerung funktioniert ordentlich und setzt all unsere Befehle tadellos um. Grafisch ist das Spiel seinem Vorgänger durchaus ebenbürtig. Diesmal können gerade die Umgebungsgrafiken von BrokenLore: Don’t watch für ekelerregende Gefühle sorgen. So funktioniert Horror!
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit: Nachdem mich BrokenLore: Low vor einigen Wochen wirklich überrascht hat, habe ich mich sehr darüber gefreut, dass das Entwicklerstudio die eigene Marke zügig ausarbeiten will. BrokenLore: Don’t watch will mir die komplexe Thematik der Hikikomori innerhalb einer Stunde vermitteln, was dem wichtig zu diskutierenden Phänomen sicherlich nicht gerecht wird. Abschrecken solltet ihr euch vom fehlenden Tiefgang aber nicht, denn trotzdem kommen die Kernaussagen zur Überwindung der Situation mit intrinsischen Mitteln durchaus zur Geltung. Beim Gameplay gibt es für mich bis auf das Ausstechen von Augen mit einem Messer, dem Verschließen der Augen der Spielfigur vor einem Feind und dem Wegrennen vor anderen Gegnern gar nicht so viel zu tun, doch da die Story nach einer Stunde bereits zu Ende erzählt ist, mag ich den kurzweiligen wie den an der Spielzeit gemessenen recht abwechslungsreichen Walking-Simulator mit Horror-Einschlag. Wer das Debüt des Franchises schon mochte, kommt auch beim Appetithappen BrokenLore: Don’t watch klar auf seine Kosten.
Vielen Dank an Serafini Productions für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von BrokenLore: Don’t watch!