Eine banale Story, schwache schauspielerische Leistungen und eine bestenfalls mittelmäßige cineastische Qualität – all das und noch mehr ist Fist of the Warrior. Den lahmen Actionfilm kann auch Tony Jaa als Hauptdarsteller an keiner einzigen Stelle auch nur irgendwie retten.
Martial-Arts-Filme haben es mitunter schwer. Oft sind sie für das Publikum nicht greifbar, da die Story zu banal wirkt oder die Actionszenen derart ausschweifen, dass einem jede Freude an den womöglich tollen Choreographien vergeht. Bei Fist of the Warrior aus dem Jahr 2024 kommen viele Elemente zusammen, die eigentlich einen stimmungsvollen Martial-Arts-Film hätten ergeben können, doch so wirklich zahnen die einzelnen Bestandteile nicht ineinander. Dies fängt bereits beim eindimensionalen Protagonisten an. Zu Beginn erfährt der Zuschauer nur, dass die von Tony Jaa gespielte Figur Rache schwört, weil ihre Familie angeblich von einem dubiosen Geschäftsmann ermordet wurde. Dementsprechend ist er rasend vor Wut – und diese Stimmung ändert sich im Grunde genommen im gesamten Film nicht. Was als Aufhänger funktionieren könnte, wenn die tragischen Erlebnisse auch direkt visualisiert vermittelt würden, geht in der vorliegenden Form einfach nicht. Der Zuschauer erhält zwar bruchstückhaft Informationen über die Vergangenheit des Helden, doch zündet diese Art des Storytellings aufgrund anderer Elemente des Films nicht wirklich. Interessanter sind da schon die Antagonisten und Nebenfiguren, die zumindest ein wenig mehr Charakterisierung erfahren und den 106 Minuten langen Streifen nicht ganz so dröge machen als er ohnehin schon ist.
Gut verkettete, aber belanglose Szenen
Trotz allem gelingt es Fist of the Warrior, die einzelnen Erzählebenen gut miteinander zu verketten. Um an den Geschäftsmann heranzukommen, heftet sich der Held an die Fersen dessen Tochter und stattet diese mit Sender und Mikrofon aus. Kurz darauf überschlagen sich aber auch schon die Ereignisse, denn ein Drogenbaron will Vater und Tochter entführen, um eine neue lukrative Einnahmequelle über den Transport seiner Waren zu erschließen. In dieses Chaos gerät auch Tony Jaa mit seiner Rolle hinein, dem es dann einfach nur darum geht, auf der einen Seite zu überleben und auf der anderen Seite sich nicht seine Rache nehmen zu lassen. Etliche Verfolgungssequenzen per pedes und mit motorisierten Fahrzeugen sind die Folge. In regelmäßigen Abständen fliegen auch die Fetzen, wenn sich Tony Jaa mit Massen an Schlägertypen prügelt. Auf dem Bild ist in solchen Momenten viel Dynamik zu sehen, was aber zuweilen eher überfordert als zu begeistern. Wer in solchen Momenten an postapokalyptische Spiele wie Days Gone oder Fernsehserien wie The Last of Us denkt, darf genüsslich schweigen. Tatsächlich bekommt er nur selten die Gelegenheit, sich in einem Duell auf Augenhöhe zu behaupten, was dem ganzen Martial-Arts-Aspekt in gewisser Weise die Bedeutung nimmt. Peu à peu verkommt der Film immer mehr zum schlicht belanglosen Actionfilm.
Cineastischer Fehlschuss
Unter Umständen können einzelne Choreographien durchaus gefallen, vor allem wenn abgedrehte Figuren wie eine mordslustige Gegnerin mit zwei Handäxten den Protagonisten angreifen. In solchen Momenten spielt der Streifen ein wenig seine Karten aus. Dennoch ist Fist of the Warrior in vielerlei Hinsicht kein Film, der in einem Atemzug mit Kampfkunstklassikern Erwähnung finden wird. Cineasten dürfen sich unter anderem an der amateurhaften Kameraführung stören, die zusammen mit den durchaus verzichtbaren Spezialeffekten wie Explosionen das Gefühl eines hastig zusammengewürfelten Actionfilms ohne Qualitätsanspruch vermitteln. Übertriebenes Schauspiel setzt dem Spektakel die Krone auf, denn wenn die Darsteller ihren Figuren Freude oder Wut mittels Gestik oder Mimik vermitteln wollen, wirkt das zuweilen unfreiwillig komisch. Dabei ist es auch egal, ob der Film auf Mandarin oder auf Deutsch konsumiert wird. Die deutsche Synchronisation kann zwar hier und da mit bekannten Sprechern wie Peter Flechtner aufwarten, aber gerade die Sprecher der weniger wichtigen Figuren wollten die Synchronarbeiten wohl so schnell es geht hinter sich bringen. Verständlich ist das in jedem Falle, denn trotz ein paar cleverer wie interessanter Ideen geht Fist of the Warrior zu schnell die Puste aus und langweilt dann über die gesamte Laufzeit hinweg nur.
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Viele Martial-Arts-Fans bewundern Tony Jaa und seine Filme. Persönlich kann ich mich dem leider nicht anschließen. Nachdem ich vor über zehn Jahren bereits einmal einem Film mit dem Schauspieler respektive Kampfkünstler eine Chance gegeben habe und enttäuscht wurde, wird es auch mit Fist of the Warrior nicht besser. Die Story passt trotz oder gerade wegen der vorhersehbaren Wendungen auf einen Bierdeckel, das Schauspiel ist ermüdend oder unfreiwillig komisch, die cineastische Qualität lässt zu wünschen übrig und auch bei der Action ist das womöglich kleine Budget an allen Ecken und Enden zu spüren. Weder inhaltlich noch visuell kann mich der Film auch nur irgendwie bereichern. Falls ihr beinharte Fans von Tony Jaa und diese Art von Martial-Arts-Film gewöhnt seid oder sogar mögt, dann könnte Fist of the Warrior einen Blick wert sein. Seid ihr aber schlicht auf der Suche nach einem halbwegs guten Martial-Arts-Film, dann solltet ihr die Beine in die Hand nehmen und euch nach Alternativen umsehen.
Vielen Dank an Plaion Pictures für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Fist of the Warrior!