Review: Starman

In den 1980er-Jahren verlor das Genre der Science-Fiction-Filme zwar nicht an Glanz, aber Innovationen blieben größtenteils aus. Starman von 1984 erzählt eine ruhige wie genauso bedachte Geschichte um wenig außerirdisches Leben im Weltraum und viel Liebe auf der Erde.

Einen geliebten Menschen zu verlieren, ist nicht nur nach einem halben Jahrhundert Ehe herzzerreißend, sondern kann einen auch schon nach wenigen Jahren an den Abgrund bringen. So ergeht es auch Protagonistin Jenny Hayden im Film Starman aus dem Jahr 1984. Diese schaut sich am Abend alte Filmrollen auf ihrem Projektor an, auf denen sie noch ihren im letzten Jahr verstorbenen Ehemann Scott sehen und hören kann. Der Alkohol, den sie dabei literweise in sich hineinlaufen lässt, macht aus ihr zu Beginn des Films eine tragische Figur. In diesem Moment weiß sie allerdings noch nicht, dass ihr Leben in den nächsten drei Tagen gehörig auf den Kopf gestellt wird. Noch am selben Abend schlägt in der Nähe ihres Hauses ein Meteorit ein, aus dem der körperlose Sternenmensch, der dem Film seinen Titel gibt, entschlüpft. Ausgerechnet in ihr Haus dringt er ein, während sie bereits schlafen gegangen ist. Auf den Fotos eines Albums entdeckt er Scott und nimmt praktisch dessen Gestalt an, was Jenny selbstverständlich von der ersten Sekunde an schockiert. Angetrieben von der Voyager Golden Record, einer Datenplatte mit Informationen über die Menschheit, und Imitation menschlichen Verhaltens versucht der Starman mit Jenny und anderen Erdenbewohnern zu kommunizieren.

Verfolgungsjagd durch mehrere Bundesstaaten

Tatsächlich dauert es eine gute Dreiviertelstunde, bis der insgesamt 115 Minuten lange Film ins Rollen gekommen ist. Gerade anfangs tut sich das Science-Fiction-Werk schwer, Jenny und „Scott“ für den Rest der Handlung aneinanderzuketten. Befinden sich die beiden aber erst einmal in Scotts zum damaligen Zeitpunkt gar nicht mal so alten Sportwagen, nimmt die Story aber schnell an Fahrt auf. Der Starman hat nämlich ein Ziel, da er gar nicht auf der Erde stranden wollte. Er muss von Kalifornien nach Arizona gebracht werden, denn dort befindet sich der Barringer-Krater, wo vor zehntausenden von Jahren schon mal ein Meteor abgestürzt ist. Maximal drei Tage lang kann der Besucher aus dem Weltall auf der Erde überleben, weshalb er mit seinem Volk Kontakt aufgenommen hat, um genau dort abgeholt werden zu können. Da für den Absturz seines Meteors das US-Militär verantwortlich ist, weiß dieses um den vermeintlichen Eindringling längst Bescheid und macht Jagd auf ihn. Dementsprechend ist Starman eigentlich nichts weiter als eine Verfolgungsjagd durch mehrere Bundesstaaten, die mit zunehmender Laufzeit des Films an Highlights gewinnt. Der Zuschauer sollte zwar nicht allzu viel erwarten, doch an ein paar Stellen lässt es der Film mit Explosionen und auch Schüssen ordentlich krachen – das große Leid vieler Science-Fiction-Filme der 1980er-Jahre.

Ein Film, der seine Form verändert

Trotz allem gibt es sie, die kleinen Science-Fiction-Elemente in Starman. Zum Handlungsauftakt besitzt „Scott“ noch sieben seltsame Kugeln, mit denen er offenbar seine übermenschlichen Kräfte aktiviert. Diese helfen ihm beispielsweise eine Explosion unbeschadet zu überstehen oder einem toten Reh neues Leben einzuhauchen. Ansonsten verhält sich der Film eher wie eine anthropologische Studie über das Menschsein und was uns als Individuum definiert. Auch die Bedeutung von Liebe kommt in mehrerlei Hinsicht nicht zu knapp, denn gerade in der letzten halben Stunde wandelt sich der zum Action- und Roadtrip avancierte Film zu einer gar nicht mal so schlechten Lovestory. In dieser wird die tragische Figur von Jenny Hayden noch einmal verdeutlicht, woran auch die schauspielerische Leistung von der unter anderem aus der Indiana-Jones-Reihe bekannten Karen Jane Allen nicht ganz unschuldig ist. Ihr gelingt es, eine verletzliche wie zugleich selbstbewusste junge Frau zu spielen. Jeffrey Leon Bridges ist hingegen in der Rolle des Sternenmenschen zu sehen und spielt diesen sowohl auf eine unschuldige als auch zielstrebige Art. Auf technischer Basis überzeugt der Film trotz des Alters sowohl auf Blu-ray- als auch Ultra-HD-Blu-ray-Disc. Fans von Starman kommen zudem in den Genuss von 21 geschnittenen Szenen und weiterem spannenden Bonusmaterial wie einem Audiokommentar von Regisseur John Howard Carpenter und Darsteller Jeff Bridges.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Bei Filmen aus den 1980er-Jahre lebe ich richtig auf, fühlen sich diese Werke doch wesentlich anders als die Streifen an, mit denen ich mich heutzutage manchmal herumärgern muss. Zwar lief auch im kultverdächtigen Jahrzehnt nicht alles so rund, wie es hätte laufen können – und das tut es auch in Starman nicht –, doch versprühen solche Filme einen ganz besonderen Charme. Obwohl das Werk von Regisseur John Howard Carpenter im Großen und Ganzen als Science-Fiction-Film anzusehen ist, wandelt sich dieses während seiner Laufzeit zum Roadtrip, zum Actionfilm und nicht zuletzt zur Lovestory. Die Science-Fiction-Elemente sind nach wie vor immer mit an Bord, doch sind sie meist derart abgeschwächt, dass auch jene Zuschauer, die mit dem Genre so gar nichts anfangen können, gut unterhalten werden. Dies liegt vor allem an der herausragenden Schauspielkunst von Karen Jane Allen und Jeffrey Leon Bridges, welche ihre Charaktere derart gut spielen, dass es trotz des etwas zähen ersten Drittels niemals langweilig wird. Zudem gefallen mir Bild, Schnitt und Ton durchgehend, sodass der künstlerisch wertvolle Film über das Science-Fiction-Genre hinweg eine klare Empfehlung ist.

Vielen Dank an Sony Pictures für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Starman!

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