Obwohl zu glauben wäre, dass Vampire und Co längst ausgelutscht seien, überraschen Film- wie Entwicklerstudios ständig mit neuen Reinkarnationen der Kreaturen der Nacht. Mit The Blood of Dawnwalker schlagen die Rebel Wolves genannten Entwickler narrative Wege ein.
Auf der Gamescom 2025 wurden wir für unseren Termin in einen Raum geführt, der zumindest den Anschein wecken sollte, dass wir uns in einer Kathedrale befinden. Soll heißen, dass wir es uns über eine halbe Stunde lang auf Holzbänken bequem machen mussten. Kirchgänger sind sicherlich daran gewöhnt, Atheisten oder Menschen, die den christlichen Gotteshäusern aus welchen Gründen auch immer eher fernbleiben, mussten sich mit den sich schnell einsetzenden Rückenschmerzen arrangieren. Das, was währenddessen auf dem Fernsehbildschirm präsentiert wurde, durfte diese Schmerzen aber schnell vergessen lassen. The Blood of Dawnwalker berichtet ähnlich wie The Witcher 3: Wild Hunt von einer ungerechten düsteren Welt. Angesiedelt im fiktiven Königreich Vale Sangora, das sich inmitten der Karpaten befindet und somit nicht von ungefähr eine Nähe zur rumänischen Folklore sucht, bekommen wir es mit moralischen Perspektiven, politischen Intrigen und nicht zuletzt mit den grauenerregenden Vampiren zu tun. Der Vampirfürst Brencis hat das Land unter seine Kontrolle gebracht und verlangt von den Menschen eine Blutsteuer. Mitten in diesem Wirrwarr muss der junge Krieger Coen ums Überleben kämpfen. Er und damit auch wir haben dreißig Tage Zeit, den Vampirfluch, unter dem seine Familie leidet, in The Blood of Dawnwalker aufzuheben.
Alternierende Erzählweise
Bevor der eine oder andere von euch die Hände über den Kopf schlägt, können wir Entwarnung geben. Die Zeit im Spiel rieselt nicht permanent in der Sanduhr herunter. Stattdessen ist ein Tag in mehrere Zeiteinheiten eingeteilt. Immer dann, wenn wir innerhalb einer Quest eine Entscheidung treffen müssen, kann dies dazu führen, das mal mehr und mal weniger Zeit vergeht. Ein wenig erinnert dies an das japanische Rollenspielmeisterwerk Persona 5 Royal, ist in diesem Falle aber durchaus kleinteiliger und für den womöglich europäisch geprägten Rollenspieler leichter verdaulich. Ob dies in The Blood of the Dawnwalker auch für das Gameplay zutrifft, ist wieder eine andere Frage. Coen steckt insofern in einem Dilemma, dass er selbst unter dem Vampirfluch leidet – zumindest nachts. Tagsüber kann er seine menschliche Gestalt aufrechterhalten. Dementsprechend verändert sich das Gameplay je nach Tageszeit und auch die Narration ist von Coens menschlicher wie vampirischer Form abhängig und nimmt zuweilen einen anderen Verlauf. Ob dies tatsächlich spürbare Konsequenzen hat, gerade zum Ende der Erzählung, lässt sich auch nach der Präsentation bei den Entwicklern auf der Gamescom 2025 nicht final einschätzen. Wir sind jedoch durchaus vom Gezeigten angetan, vor allem wie unterschiedlich sich die Lösung einer Quest im polnischen Rollenspiel gestaltet.
Tageszeitabhängige Vorgehensweise
In der uns vorgestellten Quest „A Monk and a Saint“ in The Blood of Dawnwalker müssen wir zunächst Informationen sammeln. Hierzu ist es notwendig, ein Buch in einer Bibliothek zu durchblättern. Während wir uns tagsüber durch Dialoge den Zugang zum Bücherhort beschaffen müssen, können wir nachts von unseren Vampirfähigkeiten Gebrauch machen. Dann laufen wir an Wänden hoch, springen über Dächer und steigen durch ein offenes Fenster im ersten Stock ein. Außerdem richtet sich die Art des Kampfes danach, welche Form wir gerade tageszeitbedingt angenommen haben. Als Vampir können wir die Krallen ausfahren und damit die Verteidigung der Gegner aufbrechen. Auch ist es möglich, mit den Beißern Blut aus den Adern unserer Opfer zu saugen. Im Gegensatz zu unserem Nosferatu-Verschnitt sind wir als Mensch nicht ganz so mächtig, doch können wir uns hier immerhin noch mit dem Schwert unseren Feinden entledigen. Angreifen, Ausweichen und Blocken ähnelt ein klein wenig dem Kampfsystem aus Kingdom Come: Deliverance, fühlt sich aber alleine schon durch die hier zum Einsatz kommende Third-Person-Perspektive beim bloßen Zusehen deutlich entspannter an. Wir werden die Entwicklung von The Blood of Dawnwalker mit Freude verfolgen, denn das, was wir in der Präsentation gesehen haben, gefällt uns schon jetzt außerordentlich gut!
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Prognose (basierend auf der PC-Fassung): Mit The Blood of Dawnwalker schlagen die Entwickler von Rebel Wolves genau den richtigen Weg ein. So scheint die Spielwelt zwar überschaubar, aber dennoch groß genug, um sie zu erkunden. Ich muss mir auch keine Gedanken machen, dass zu viel Zeit verstreicht, um innerhalb von dreißig In-Game-Tagen den auf meiner Familie lastenden Vampirfluch zu brechen. Das Erkunden lässt die Zeit nicht verstreichen – lediglich bestimmte Story-Momente innerhalb der Quests sorgen dafür, wie sich die Erzählung in den nachfolgenden Spielstunden verändert. Unter anderem dürfte dies dazu führen, dass ich eine Aufgabe entweder tagsüber oder nachts angehen muss. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass auch die hierbei getroffenen Entscheidungen reichlich Abwechslung mit sich bringen, sodass sich das Spielerlebnis bei jedem Spieldurchgang leicht bis stark verändern kann. Ebenfalls angetan bin ich vom Kampfsystem, das zwar dem aus Kingdom Come: Deliverance ähnelt, aber keinesfalls so schwerfällig wirkt. Mir ist es auch egal, ob Vampire von manch böser Stimme als ausgelutschtes Szenario beschimpft werden – mir gefällt das spätmittelalterliche Setting und die düstere Spielwelt. Erscheinen soll The Blood of Dawnwalker im Jahr 2026. Da bleibt nur zu hoffen, dass es nicht allzu spät im Jahr soweit sein wird!
Vielen Dank an Bandai Namco für die freundliche Einladung zur Gamescom-Präsentation!