Review: The Elder Scrolls IV: Oblivion (Remastered)

Bis heute ist The Elder Scrolls IV: Oblivion berühmtberüchtigt, beispielsweise für die Pferderüstung in Form eines Echtgeld-Zusatzinhaltes oder die mangelhafte deutsche Übersetzung. Trotz allem hat das Werk einen festen Platz in unserem Herzen – jetzt auch als Remaster.

Wenn jemand einen Staatsstreich gründlich plant, dann sind dies auf jeden Fall die Antagonisten im ursprünglich 2006 veröffentlichten Rollenspiel The Elder Scrolls IV: Oblivion. Einer okkultistischen Vereinigung, die Mythische Morgenräte genannt wird, gelingt es mit Leichtigkeit, sich dem Kaiser und all seinen Nachkommen zu entledigen. Zeitlich setzt das Abenteuer in den letzten Stunden des Kaisers ein. Um sein Leben besorgt wird Uriel Septim VII. zu Beginn des Spiels aus der Kaiserstadt in der Provinz Cyrodiil eskortiert. Das wissen wir, da wir bei dieser Flucht in die turbulenten Geschehnisse hineingeworfen werden. Obwohl wir ein Niemand sind, der im Kerker eingesperrt ist, scheint es das Schicksal trotz allem bevorstehenden Grausamen gut mit uns zu meinen. Die Fluchtroute führt nämlich mitten durch unsere Zelle. Eine lange Bekanntschaft können wir mit dem Herrscher über das Kaiserreich allerdings nicht pflegen, denn noch während der als Tutorial getarnten Eröffnungssequenz wird der Kaiser ermordet. Mit seinen letzten Worten vertraut er uns neben dem Familienerbstück, dem Amulett der Könige, auch die Information an, dass er noch einen Erben hat. Nun liegt es nicht nur an uns, seinen Sohn zu finden und den Umsturz aufzuhalten, sondern auch die bald schon überall in Cyrodiil geöffneten Tore ins titelgebende Reich des Vergessens zu schließen!

Verbesserte Charakterentwicklung

Wer bereits einen vorherigen Serienteil oder den Nachfolger The Elder Scrolls V: Skyrim gespielt hat, wird wissen, dass es sich bei Bethesdas Rollenspielreihe um eine regelrechte Spielwiese zum Austoben handelt. So erstellen wir uns zu Beginn des Spiels einen Charakter und legen dabei Aussehen und biologisches Geschlecht fest. Hinzu kommt, dass wir im Verlauf der Einführung an unseren Fähigkeiten feilen. So entscheiden wir uns für eine rollenspieltypische Klasse oder legen diese selber fest, indem wir eine Handvoll Fähigkeiten auswählen, die wir im Abenteuer primär einsetzen werden. Auch die Wahl unseres Sternzeichens hat zumindest anfänglich leichten Einfluss auf unseren Charakter. Je öfter wir eine Fähigkeit einsetzen, desto besser werden wir beispielsweise im Umgang mit Schwertern oder im Wirken von destruktiver Magie. Dies ist ein Konzept, das vorher schon aus dem japanischen Rollenspiel Final Fantasy II bekannt war, in The Elder Scrolls IV: Oblivion verhältnismäßig aber deutlich besser funktioniert. Vor allem im Remaster ist dies der Fall, denn während im Original aus dem Jahr 2006 nur primäre Fähigkeiten zum Stufenaufstieg führen, können diesen im Remaster nun auch Sekundärfähigkeiten bei häufigem Einsatz auslösen. So müssen wir schon in diesem Punkt sagen, dass sich das Remaster mit großem Abstand angenehmer spielen lässt.

Wunderbare Nebenquests

Rollenspieltypisch können wir neben der Haupthandlung auch jede Menge Nebenquests erleben. Unter diesen Aufgaben verstecken sich einige der interessantesten wie spannendsten Geschichten, welche die Reihe bietet. Unter anderem können wir in The Elder Scrolls IV: Oblivion ein Gemälde eines Künstlers betreten, von dem seit Tagen jegliche Spur fehlt. Darüber hinaus gibt es wieder zahlreiche Fraktionen, denen wir uns anschließen können. Wer einmal die große Säuberung innerhalb der dunklen Bruderschaft erlebt hat, wird diese nicht mehr so schnell vergessen. Manche Quests werden auch durch besondere Taten ausgelöst. Beispielsweise wird ein Antiquitätenliebhaber erst auf uns aufmerksam, als wir ein aus einer Ruine geborgenes Relikt bei einem Händler verkaufen. Aufgrund der zahllosen Möglichkeiten, steht es uns zudem wahrhaftig frei, wie sich unser Charakter entwickelt. Verruchter Taschendieb, edler Krieger oder begnadeter Magier – es ist so ziemlich alles möglich, was wir uns im Rahmen der Spielmechaniken vorstellen können. Wer einen richtigen Supermann züchten will, kann dies ebenfalls tun, wird aber deutlich länger beschäftigt sein als der Durchschnittsspieler. Grundsätzlich empfehlen wir jedoch, den Fokus nach wie vor auf das Erlernen von Kampffähigkeiten zu setzen, da die Feinde unverändert an unserem Level angepasst sind.

Magisches Erlebnis

Wer sich im Remaster dennoch einmal verskillt hat, muss nicht verzagen. Über die Optionen lässt sich der Schwierigkeitsgrad jederzeit nach unten oder oben korrigieren. Dies führt das Balancing zwar abermals ab absurdum, doch ist dies nichtsdestotrotz eine gute Möglichkeit, mit seinem bestehenden Charakter weiterzuspielen, ohne direkt ein neues Spiel zu beginnen. In den meisten weiteren Belangen fühlt sich das Rollenspiel weitestgehend originalgetreu an. Das liegt daran, dass unter der opulenten Oberfläche nach wie vor dasselbe Spiel läuft. Trotzdem ist den Entwickler zu attestieren, dass das Werk niemals schöner aussah. Vor allem die Gesichter der Charaktermodelle wirken weit nicht mehr so albern wie noch 2006. Der grandiose Soundtrack von Jeremy Soule blieb indessen unangetastet, was aufgrund der Klangqualität in Ordnung geht. Jeder Schritt im Spiel fühlt sich mit seiner Musik einfach magisch an. Kurios ist die Entscheidung, die deutsche Synchronisation komplett aus dem Spiel zu entfernen. So könnt ihr das Remaster lediglich mit der englischen Synchronisation und deutschen Bildschirmtexten spielen. Letztere sind größtenteils fehlerfrei, wenn auch nicht frei von groben Schnitzern, die gelegentlich das Verständnis erschweren. Darüber sehen wir jedoch gerne hinweg. Wer The Elder Scrolls IV: Oblivion noch nicht kennt, sollte das Werk inklusive aller Erweiterungen wie The Shivering Isles spätestens mit dem kompletten Remaster nachholen.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Auf The Elder Scrolls IV: Oblivion habe ich in den frühen 2000er-Jahren regelrecht hingefiebert – und mir dazu extra einen neuen PC zusammengestellt, der trotzdem noch zu schwach für das Abenteuer war. Spaß hatte ich damals trotzdem. Zwei Dekaden später sieht es mit dem Remaster nicht anders aus. Obwohl ich nach ein paar Stunden schon keine Oblivion-Portale mehr sehen kann und mich die nicht vorhandene architektonische Vielfalt anderer Orte ermüdet, motiviert mich das Aufleveln meines Helden im Remaster deutlich mehr als noch im Original. Endlich haben alle Fähigkeiten Auswirkungen auf den Stufenaufstieg! Schade finde ich jedoch, dass ansonsten nicht viel am Spiel gemacht wurde. Gerade dass sich die Gegner meiner Stufe anpassen, grenzt in diesem Werk schon an eine Todsünde. Wer sich nicht wirklich für den meiner Meinung nach fast schon notwendigen Pfad des Kriegers entscheidet, kann den Schwierigkeitsgrad im Remaster aber immerhin senken. Audiovisuell ist das Remaster über jeden Zweifel erhaben. Optisch besticht das Werk mit wunderbarer Vegetation und angenehmen Charaktermodellen. Obwohl der Soundtrack nicht überarbeitet wurde, ist die Musik auch im Remaster derart magisch aufgeladen, dass die Zeit beim Spielen nur so verfliegt. Persönlich wird The Elder Scrolls III: Morrowind wohl ewig mein Lieblingsspiel der Reihe bleiben, aber wem dieses Werk dann doch etwas zu altbacken ist, bekommt mit dem Remaster von The Elder Scrolls IV: Oblivion zumindest eine wunderbare Chance, einen fast so guten Klassiker nachzuholen!

Vielen Dank an Bethesda Softworks für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von The Elder Scrolls IV: Oblivion (Remastered)!

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