Review: Absolum

Obwohl Beat ’em ups niemals wirklich aus der Videospiellandschaft verschwunden sind, liegt ihre Hochzeit doch bereits einige Jahre zurück. Mit Absolum lassen die Entwickler von Dotemu, Guard Crush Games und Supamonks das Genre mit Rogue-like-Elementen aufleben.

Beat ’em ups wie zum Beispiel Dungeons & Dragons: Tower of Doom, The King of Dragons oder Knights of the Round erschienen gerade in den 1990er-Jahren zahlreiche Genrevertreter, die häufig auch nur in einer abgespeckten Version auf den Konsolen erschienen und daher vor allem Arcade-Hallen vorbehalten waren. Mit Absolum möchten die beiden Herausgeber Dotemu und Gamirror Games an diese wahrlich glorreiche Zeit anknüpfen. Bis zu einem gewissen Grad lässt sich sagen, dass den Entwicklern dieser Spagat auch echt gelungen ist. Dennoch gibt es ein paar Baustellen, die zum Veröffentlichungszeitpunkt im Jahr 2025 wirklich nicht mehr sein müssten. Dies beginnt schon bei der eigentlich spannenden wie interessanten, aber inszenatorisch mau präsentierten Handlung. In der Fantasy-Welt Talamh sind sämtliche Zauberer nach einer magischen Katastrophe in Ungnade gefallen, sodass Magier selbst vom gemeinen Volk missachtet werden. Der Sonnenkönig Azra nutzt die Gunst der Stunde, lässt der Reihe nach Zauberer versklaven und beginnt mit der Eroberung des Menschenreichs. Die Hochmagierin Uchawi ruft derweil zur Rebellion auf und schert Helden um sich, die sich gegen Azra mitsamt seinen bösen Schergen stellen sollen. Wir spielen diese Helden in Absolum.

Vollgestopfter Bildschirm

Zu Beginn des Abenteuers stehen uns mit dem brachialen, aber auf kurze Reichweite ausgelegten Zwerg Karl und der starken, aber eher trägen Schwertkämpferin Galandra lediglich zwei Charaktere zur Auswahl. Auf dem Weg zur Bekämpfung von Azra schließen sich uns jedoch neue Recken mit frischen Eigenschaften an. In puncto Gameplay kämpfen wir uns in überschaubaren Gebieten von links nach rechts über den Bildschirm, indem wir mit schwachen wie starken Angriffen Gegner verdreschen oder sie aus der Luft attackieren. Je mehr Gegner wir aus dem Weg geräumt haben, desto mehr Mana sammeln wir für einen verheerenden Spezialangriff. Das geht in Absolum grundsätzlich flott von der Hand, doch müssen wir sagen, dass gerade das Timing zur Verteidigung oder Ausweichmanöver eine Herausforderung für sich sind. Das liegt daran, dass der Bildschirm mit recht großen Charaktermodellen vollgestopft ist und die Übersicht somit schnell flöten geht. Da es sich bei sämtlichen auf dem Bildschirm dargestellten Figuren um zweidimensionale Sprites handelt, die Welt aber quasi im dreidimensionalen Raum besteht, ist es leider auch nicht so ganz klar, ob uns feindliche Angriffe nun treffen können oder nicht. Für wen das Spiel zu anspruchsvoll oder vielleicht zu leicht ist, kann zumindest im Einzelspielermodus die Schadensmultiplikatoren manipulieren.

Motivierendes wie monotones Gameplay

In Absolum durchkämmen wir der Reihe nach verschiedene Areale, die unterschiedlichen Themenwelten zuzuordnen sind. Unter anderem erkunden wir die Untiefen einer Mine oder waten durch giftiggrüne Sümpfe. Abwechslung wird auch beim Gegnerdesign geboten. Echsen, die im Fernkampf agieren, sind ebenfalls mit dabei wie Riesenmuscheln, die sich ordentlich zur Wehr setzen. Haben wir alle Gegner in einem der konsekutiven Teilabschnitte erledigt, erhalten wir entweder Geld, Kristalle oder temporäre Fähigkeiten, die wir für den Rest des Durchlaufs behalten. Geld investieren wir bei Händlern wiederum in Ausrüstungsgegenstände, die uns zeitlich begrenzte Boni verleihen, oder heuern damit einen Söldner an. Mit Kristallen und ähnlichen Collectibles schalten wir in der Basis hingegen permanente Verbesserungen oder neue Spezialfähigkeiten frei. Ausrüstungsgegenstände, die wir im Abenteuer eingesammelt haben, lassen sich in der Basis gegen Geld ebenfalls vor einem Durchlauf anlegen. Wer schon bei dem Begriff Rogue-like zusammenzuckt, muss bei Absolum sehr stark sein. Trotz einiger guter Ideen und zumindest leicht abgewandelter Routen durch das Beat ’em up, in dem wir teilweise nebenher auch Quests erfüllen, die uns regelmäßig zu neuen Orten führen, bleibt das Gameplay weitestgehend gleich und wirkt mit der Zeit sehr monoton.

Online-Modus mit Hindernissen

Darüber hinaus möchten wir euch ans Herz legen, den Titel trotz der vorhandenen Möglichkeit, lieber nicht alleine zu spielen. Online findet ihr, da ihr nur auf einen weiteren Mitspieler angewiesen seid, schnell eine Begleitung. Leider ist auch der Zweispielermodus nicht ganz frei von Makeln. Obwohl beim Spielfortschritt lediglich die Progression des weniger fortgeschrittenen Spielers zählt, gibt es gewaltige Unterschiede in der Stärke der Spielfiguren. So achtet das Matchmaking absolut nicht darauf, uns mit gleichwertigen Mitspielern in einen Topf zu werfen. Hin und wieder macht es Spaß, mit erfahrenen Recken in die Schlacht zu ziehen, aber wenn unser Mitspieler unseren Helden ständig wiederbeleben muss, da wir für die Herausforderungen einfach noch nicht bereit sind, ist das weder für ihn noch für uns in irgendeiner Weise dauerhaft spaßig. Wer Wert auf die Story und die Hintergründe legt, die es an allen Ecken und Enden der Welt aufzuklauben gilt, sollte darauf gefasst sein, dass andere Spieler diese Textboxen schneller wegklicken als uns lieb ist. Audiovisuell geht der Titel mit seinem Comic-Look und der angenehmen Musik durchaus in Ordnung. Unterm Strich ist Absolum ein entspanntes Beat ’em up geworden, das zwar nicht das volle Potenzial ausschöpft, aber zumindest für Rogue-like-Fans eine Empfehlung ist, die wochenlang unterhalten kann.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Schon länger habe ich kein Beat ’em up mehr gespielt, auf das ich im Vorfeld so viel Lust hatte wie auf Absolum. Den Entwicklern gelingt es durchaus, an alte Tage anzuknüpfen. Die Kämpfe machen solange richtig Laune, bis auffällt, dass sie unübersichtlich sind und die Bedienung etwas fummelig. Dafür motiviert das Verbessern des Charakters mit neuen Fähigkeiten und Ausrüstungsgegenständen umso mehr. Es ist jedoch schade, dass es rogue-like-typisch nur wenige permanente Verbesserungen gibt. Dementsprechend muss ich mich immer wieder durch dieselben Spielabschnitte kämpfen, nur um am Ende ein kleines Stückchen weiterzukommen, weil mein Charakter etwas stärker ist. Der Online-Modus macht es auch nicht viel besser, da das Matchmaking nicht anständig funktioniert und mich ständig mit anderen Spielern verbindet, die deutlich mehr Zeit in den Titel investiert haben als ich. Dadurch motivieren auch diese Durchgänge nicht mehr. In meinen Augen ist all das einfach nur spielzeitstreckend und wenig innovativ. Wer aber genau das am Rogue-like-Genre mag, wird über diesen Umstand in Absolum aber gerne hinwegsehen.

Vielen Dank an Dotemu für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Absolum!

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