Cornelia Maria Funke, ihres Zeichens vor allem Kinder- und Jugendbuchautorin, blickt derzeit auf insgesamt vier Teile der Tintenwelt-Romanreihe zurück. Verfilmt wurde von diesen jedoch nur der erste Band Tintenherz von 2003 – mit Brendan James Fraser in der Hauptrolle.
Fantasyfilme hatten schon immer einen festen Platz in den Lichtspielhäusern dieser Welt. In einigen Fällen hatte dieser aber nicht die große Bedeutung, wie das Genre spätestens seit der Jahrtausendwende innehält. Als der neuseeländische Regisseur Peter Jackson in dieser Zeit das Fantasy-Epos Der Herr der der Ringe vom Roman zur Filmtrilogie umgesetzt hat, erlangte das Genre rasch an Popularität. Seither kommt es immer mal wieder zu kleineren wie größeren Fantasyfilmen, denen jedoch nicht unbedingt der Erfolg vergönnt war, wie sich dass die Filmstudios vorgestellt haben. Während beispielsweise das siebenbändige Werk Die Chroniken von Narnia zwischen 2005 und 2010 noch auf beachtliche drei Filme kommt, haben es andere literarische Erzeugnisse noch schwieriger. So wurden die Filmfortsetzungen zu Der goldene Kompass aus dem Jahr 2007 gestoppt und die filmische Interpretation von Cornelia Funkes Tintenwelt wirkt direkt so, als sei von Vornherein gar nicht an Fortsetzungen zu denken. Dies liegt womöglich, ohne die Romanvorlage zu kennen, an zig Änderungen, die der Filmhandlung widerfahren sind. Keinesfalls soll dies negativ sein, bietet das Werk somit doch auch für jene Menschen, welche die Buchvorlage in- und auswendig kennen, auf diese Art und Weise genügend Ansatzpunkte, dem Stoff noch einige weitere Facetten abzugewinnen.
Aus dem Buch in das Buch
Nichtsdestotrotz hat Tintenherz aus dem Jahr 2008 einen bleibenden Eindruck bei uns hinterlassen. Im Kern der Handlung steht der von Brendan Fraser gespielte Buchrestaurator Mortimer „Mo“ Folchart, der in einem Antiquariat in der Schweiz über das titelgebende Buch Tintenherz stolpert. Mit diesem Roman ist er bestens vertraut, wurde doch vor vielen Jahren seine Ehefrau Resa in die fiktive Welt von Tintenherz verbannt. Mo wird von einem eingeweihten Bekanntenkreis als sogenannte Zauberzunge bezeichnet, denn immer wenn er laut etwas vorliest, werden die Inhalte des Schrifterzeugnisses wahr. Dennoch fordert jedes aus einem Buch entsprungenes Lebewesen einen Ersatz. Als Mo vor Jahren eher durch Zufall als bewusst verschiedene Charaktere aus dem Roman Tintenherz befreite, geriet Resa in Gefangenschaft in demselbigen. Da es sich bei Tintenherz zudem um ein seltenes, da kaum gefragtes Buch handelt und Mos Werk abhanden kommt, beginnt für ihn und seine Tochter Meggie, die nach einem Zeitsprung zwölf Jahre alt ist, eine Reise durch die Schweiz und Italien. Um Resas Entführer Capricorn und seinen zahlreichen Handlangern das Handwerk zu legen, erhalten sie Unterstützung von Meggies buchbesessener Großtante Elinor Loredan, dem ungeduldigen Tintenherz-Charakter Staubfinger und nicht zuletzt Fenoglio, dem Autor von Tintenherz.
Viel Positives reicht nicht immer aus
Problematisch an dieser ganzen Geschichte ist, dass der Film schnell an Tempo zulegt. Daher bleibt kaum Zeit, dass sich die eigentlich sehr interessanten Charaktere richtig entfalten können. Zudem ist der Film zeitweise derart schnell geschnitten, dass keine Verschnaufpause bleibt, um so manchem starken Bild Anerkennung zu zollen. Dem Alter entsprechend gehen die Spezialeffekte in Ordnung, zumal sie ohnehin nur dezent eingesetzt werden. Darüber hinaus ist anzumerken, dass sich der Film in puncto Gewaltgrad eher an ein jüngeres Publikum richtet, denn mehr als Drohungen oder einen leichten Schlag auf den Hinterkopf gibt es in Tintenherz nicht. Dafür sind die Landschaften zuweilen beeindruckend. Besonders der größtenteils verlassene italienische Ort Balestrino, der im Film als Capricorns Unterschlupf herhält, ist beachtlich in Szene gesetzt. Auch Schauspielgrößen wie Helen Mirren als Elinor, Eliza Hope Bennett als Meggie, Andrew Clement „Andy“ Serkis als Capricorn und James „Jim“ Broadbent als Fenoglio machen sich neben Branden Fraser fantastisch. Selbst die Musik von Javier Navarrete sorgt für die richtige Stimmung. Dennoch reicht all das nicht aus, damit aus dem ansehnlichen Film ein herausragendes Werk wird. Nichtsdestotrotz bietet Tintenherz 106 Minuten seichte Fantasykost, die unterhält und hier und da ein wenig nachdenklich macht.
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Obwohl ich den Film Ende der 2000er-Jahre wirklich gerne im Kino gesehen hätte, kam es leider nicht dazu. Auch in den nachfolgenden Jahren, als der Film gelegentlich im linearen Fernsehen ausgestrahlt wurde, habe ich aus unerklärlichen Gründen immer nur mal wieder bruchstückhaft reingeschaut. Erst Ende 2025 habe ich mir den Film auf Blu-ray zugelegt, um ihn endlich nachzuholen. Gerade die erste Hälfte der Heldenreise finde ich stark inszeniert. Sie macht neugierig und punktet mit netten Ideen. Danach ebbt die Faszination jedoch nach und nach ab. Dies liegt wahrhaftig nicht an den Kulissen, den Schauspielern oder der eigentlichen Stimmung. Viel eher ist es das viel zu hohe Erzähltempo, das den Charakteren die Luft nimmt, sich angemessen zu entfalten. Ich würde so gerne mehr über die Figuren erfahren und mehr vom Abenteuer haben. Auch aufgrund dessen, dass es nie zu einer Filmfortsetzung kam, die diesen Umstand eventuell aufgehoben hätte, hinterlässt der Film gemischte Gefühle bei mir. Einerseits mag ich all die positive Energie, die Regisseur Iain Softley und auch die zumindest teilweise am Film beteiligte Cornelia Funke in das Werk haben fließen lassen, doch andererseits reicht das eben nicht immer aus. Wenigstens weiß ich jetzt, dass ich auch den Romanen eine Chance geben möchte.