Mindestens achteinhalb Jahre war Metroid Prime 4: Beyond in Entwicklung und war seit der Ankündigung auf der Electronic Entertainment Expo 2017 regelmäßig auf Wunschlisten der Fachpresse zu finden. Das Endergebnis wird den hohen Erwartungen allerdings nicht gerecht.
Ursprünglich war Metroid Prime 4: Beyond bei den Bandai Namco Studios in Entwicklung. Im Jahr 2019 hat sich Nintendo jedoch dazu entschlossen, die Entwicklung abzubrechen und die Fertigstellung des Werkes in die Hände der Retro Studios zu übergeben. Obwohl Nintendo 2018 noch behauptet hatte, dass die Entwicklung große Fortschritte macht, zeigte das Unternehmen nichts zum Spiel. Wir wissen nicht, was in diesem einen Jahr passiert ist, das zu derart großer Unzufriedenheit beim japanischen Unternehmen geführt hat, sodass ein anderes Entwicklerstudio mit der weiteren Produktion beauftragt wurde. Ulkigerweise handelt es sich bei den texanischen Retro Studios um jene Entwickler, die mit Ausnahme von Metroid Prime: Federation Force auch für die vorherigen Episoden der Reihe verantwortlichen waren. Damit waren gerade Fans für lange Zeit zufriedengestellt. Fünf Jahre lang blieb es um den Titel ruhig, im Juni 2024 folgte schließlich der erste Trailer mit frühen Spielszenen, welche dann selbst ein Jahr später in der von uns gespielten Demoversion auf der Gamescom 2025 alles sein sollte, was Nintendo zu zeigen hatte. Nachdem wir das im Dezember 2025 veröffentlichte First-Person-Adventure gespielt haben, wissen wir leider nur allzu gut, warum das so ist: Metroid Prime 4: Beyond leistet sich überraschenderweise reihenweise Spieldesignschnitzer.
Belanglos im Weltraum
Beginnen wir bei einem der Punkte, die bei Nintendos hauseigenen Videospielen in vielen Fällen gar nicht mal so wichtig ist: Die Handlung. Kopfgeldjägerin Samus Aran fängt einen Hilferuf der Galaktischen Föderation ab und schreitet im Kampf gegen die Weltraumpiraten zur Tat. Durch einen mysteriösen Vorfall findet sie sich plötzlich auf dem Planeten Viewros wieder und lernt dort die untergegangene Kultur der Lamorn kennen. In früheren Serienteilen hätte dies vollkommen ausgereicht, steht das Erkunden der Spielwelt doch klar im Vordergrund. Allerdings ist Metroid Prime 4: Beyond derart linear aufgebaut, dass es einen größeren und weniger kryptischen Fokus auf die Handlung gebraucht hätte. Hinzu kommen teils unnötig alberne Nebenfiguren wie Myles MacKenzie, welche für die Story definitiv kein Gewinn sind. Darüber hinaus macht die Protagonistin nicht einmal den Mund auf, lässt das für sie zweifelsfrei bewegende Geschehen unkommentiert oder nickt allerhöchstens einmal, um auf eine Anweisung zu reagieren – da war selbst Metroid: Other M für die Wii aus dem Jahr 2010 wesentlich fortschrittlicher. Hier reden wir über ein Videospiel, das zunächst für die Switch entwickelt wurde, aber auch in einer aufgebohrten Variante für die leistungsstarke Switch 2 verfügbar ist. So wird die Immersion gebrochen und die Heldenrolle lediglich abgeschwächt.
Ermüdendes Leveldesign
Aufgrund seiner Linearität verliert Metroid Prime 4: Beyond ein weiteres Merkmal, für das die Reihe steht. Wir durchkämmen in der dreidimensionalen Spielwelt schlicht einen Raum nach dem anderen, lösen weitestgehend belanglose Rätsel und bekämpfen angreifende Gegnerhorden. Einerseits wirkt die Spielwelt dadurch weniger glaubhaft oder gar organisch – und andererseits haben wir kaum Grund, die zumindest thematisch abwechslungsreichen Gebiete zu durchsuchen. Hier und da verstecken sich zwar ein paar Geheimnisse, aber erfordern diese gezieltes Backtracking. Aufgebaut ist die Spielwelt nämlich in verschiedene Gebiete, die allesamt über eine große Wüste miteinander verbunden sind. Durchqueren können wir die viel zu große Einöde mit einem motorradähnlichen Vehikel, das wir schon früh im Spiel erhalten. Bis auf vereinzelte Secrets oder grüne Kristalle, die wir zum Beenden des Abenteuers zwangsweise massenhaft sammeln müssen, passiert hier nichts. Sie ist nicht einmal das Zentrum des Spielgeschehens und lediglich spielzeitstreckend. Wir können nicht verstehen, wie irgendein Entwickler auf diese lächerliche Idee kommen konnte – und die Kollegen das auch noch befürwortet haben. Verglichen mit dem ersten Serienteil der Metroid-Prime-Reihe, der 2023 ein gelungenes Remaster erhielt, ist dies nicht nur steinzeitlich. Es tut uns auch in der Seele weh!
Psy-Kräfte-Ersatz
Metroid Prime 4: Beyond demontiert aber nicht einfach nur das alte Programm, es setzt ihm mit neuen Fähigkeiten auch zusätzlich zu. Serientypisch verliert Samus Aran nach der Eröffnungssequenz ihre Fähigkeiten und muss diese im Verlauf des Spiels wieder reaktivieren. Die eine oder andere Fähigkeit wird auf dem Planeten Viewros jedoch gegen Psy-Kräfte ersetzt oder erweitert – und zwar in zumindest diskussionswürdiger Qualität. Das fängt bei ermüdenden Bewegungsritualen an, die wir mit Bewegungssteuerung noch auf der Wii erwartet hätten, aber nicht mehr auf der Switch 2. Unter anderem müssen wir spezielle Türen öffnen, indem wir mittels Psy-Kraft den Türmechanismus von links nach rechts oder von oben nach unten entriegeln. Alberner wird es nur noch bei der Verkettung solcher Fähigkeiten. Beispielsweise gibt es Mulden, die sich außerhalb unserer Reichweite befinden, aber als Schalter dienen, sobald eine Explosion in ihnen stattfindet. Metroid-Fans wissen, dass hier der Morphball zum Zug kommt. In Metroid Prime 4: Beyond müssen wir uns einkugeln, eine Psy-Bombe ablegen, die Kugelform verlassen, zurück in der Egoperspektive in die Psy-Ansicht wechseln, die Psy-Bombe anvisieren und sie auf die Mulde schießen. Sorry, das wäre sicher auch sehr viel eingängiger gegangen und macht die Steuerung gerade für Einsteiger unnötig kompliziert.
Problembehaftetes Gesamtbild
Apropos Steuerung: Grundsätzlich funktioniert diese im Rahmen ihrer Möglichkeiten mittels des Pro-Controllers hervorragend. Im Handheld-Modus verkrampfen jedoch schon leicht unsere Finger, da zum optimalen Spielgenuss alle vier Schultertasten zum Springen, Anvisieren und Schießen gebraucht werden. Wer will, kann einen der Joy-Cons auf der Switch 2 auch als Maus verwenden. Seit unserer Anspielsession im August 2025 auf der Gamescom hat sich jedoch nichts an der mittelprächtigen Steuerung getan, sodass wir klar zur Pro-Controller-Bedienung raten möchten. Ein Feature der Reihe war schon immer, dass wir alles und jedes scannen und katalogisieren können, was bei der Knöpfchensteuerung auch ein wenig besser klappt. Kritisieren müssen wir hierbei jedoch, dass wir in jedem Bereich der Spielwelt wieder etwaige Türen, Kisten und alternative Gegnerversionen aufs Neue katalogisieren müssen. Das ist zwar nicht spielentscheidend, vertieft aber immerhin ein wenig die Immersion. Rein visuell ist der Titel ebenfalls gelungen, auch wenn einige Texturen selbst auf der Switch 2 noch sehr schwammig sind. Dafür läuft das Spiel je nach Auflösung aber mit sechzig beziehungsweise einhundertzwanzig Bildern pro Sekunde durchweg flüssig. Die eigentlich nette Musik ist wiederum enttäuschend, da sie nicht zu dem passt, was wir uns beim Erkunden eines fremden Planeten vorstellen. In dieser Form hätte es Metroid Prime 4: Beyond wohl nicht gebraucht!
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit (basierend auf der Nintendo-Switch-2-Fassung): Als ich Metroid Prime 4: Beyond auf der Gamescom 2025 bei Nintendo anspielen konnte, war ich hin und weg. Hätte ich gewusst, dass das gesamte Spiel so linear und eher erkundungsfrei abläuft, hätte ich es mir aber gleich sparen können. In der Entwicklung des Spiels muss derart viel falsch gelaufen sein, dass die einzelnen Elemente vorne und hinten nicht zusammenpassen. Die Story ist langweilig inszeniert, alberne Nebencharaktere vermiesen die Immersion, Samus Aran bleibt durchweg stumm, die Spielwelt ist viel zu linear aufgebaut, der Erkundungsdrang wird peu à peu wegrationalisiert und die einzelnen Areale über eine Wüste verbunden, in der so gut wie nichts passiert. Mir kann niemand erzählen, dass all das während der Entwicklung niemanden bei den Retro Studios aufgefallen ist. Nicht einmal Nintendo würde ich es zutrauen, derart langweilige oder absurde Vorgaben ans Entwicklerteam zu vermitteln. In meinen Augen hatte wohl einfach zu keiner Zeit irgendjemand so richtig Lust darauf, dieses Spiel zu machen. Nach mehr als acht Jahren Entwicklungszeit ist Metroid Prime 4: Beyond fernab von dem, was sich ein langjähriger Fan nur erhoffen konnte. Macht um dieses Spiel lieber einen ganz großen Bogen und spielt lieber den famosen ersten Serienteil zum wiederholten Male.
Vielen Dank an Nintendo für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Metroid Prime 4: Beyond (Nintendo Switch 2 Edition)!