Review: Yakuza

Obwohl das organisierte Verbrechen im US-amerikanischen Film schon immer einen wichtigen Platz hatte, gab es in Hollywood bis in die 1970er-Jahre hinein kein Interesse daran, die japanischen Yakuza auf die Leinwand zu bannen. Sydney Irwin Pollack änderte dies 1974.

Bei den Yakuza handelt es sich um die Bezeichnung für japanische Kriminelle, die sich innerhalb organisierter Gruppen bewegen. Einst in großer Zahl vorhanden, schwinden sie in den letzten Jahrzehnten zunehmend. Im Jahr 1974, als Regisseur Sydney Pollack das Drehbuch von Paul Joseph Schrader und Robert Towne als Film umsetzte, war dies womöglich noch nicht absehbar. Gerade deswegen sind Yakuza-Filme und nicht zuletzt Pollacks Yakuza fast schon ein Relikt, die von dieser Zeit zeugen. Pollacks Film ist vor allem deshalb so wichtig, da er nordamerikanische Sehgewohnten auf die Feinheiten der japanischen Kultur prallen lässt. Das geht nicht für jeden Zuschauer immer auf, wirkt in diesem Kontext zuweilen sogar absurd, aber funktioniert für sich genommen gut. Dies mag vielleicht auch an den vielen Freiheiten liegen, die Pollack beim Dreh in Japan hatte. Beispielsweise konnte er Figuren nach seinem Gusto ausbauen, ohne mit Warner Bros. im Heimatland Rücksprache zu nehmen. Der mit Tōei koproduzierte Streifen zeigt möglicherweise deshalb die Dialoge und Aktionen der Schauspieler auf eine Art, die für den durchschnittlichen US-amerikanischen Zuschauer wohl nicht sonderlich zuträglich waren. Trotz etwaiger Szenen ist Yakuza kein Actionfilm geworden, sondern vielmehr ein richtiges Drama über Ehre und Verpflichtungen unter Männern.

Drama, Thriller, Actionfilm

Yakuza beginnt damit, dass der zwielichtige Geschäftsmann George Tanner Kontakt zu seinem alten Freund Harry Kilmer aufnimmt. Tanner sollte Waffen an den Yakuza-Boss Tōno Toshirō liefern, die jedoch niemals in Fernost angekommen sind – als Reaktion darauf hat Tōno offenbar Tanners Tochter entführt. Während der Besatzungszeit in Japan nach dem Zweiten Weltkrieg haben sich die beiden übers Militär kennengelernt. Kilmer soll nach Japan reisen und Tanners Tochter aus den Fängen der Yakuza befreien. Dort angekommen folgt ein Wiedersehen mit Tanaka Eiko, seiner damaligen Lebensgefährtin, und ihrer Tochter Hanako. Das zunächst freudige Treffen ist jedoch nicht rein zufällig, denn Kilmer braucht die Hilfe von Eikos vermeintlichem Bruder Ken, der sich nach seiner Heimkehr von den Philippinen vor zwanzig Jahren der Yakuza anschloss. Gemeinsam beschließen sie Tanners Tochter zu retten. Ihr Eingreifen in den Konflikt zwischen Tanner und Tōno setzt allerdings eine Kettenreaktion in Gang, wodurch plötzlich auch das Leben von Kilmer und den drei Tanakas auf dem Spiel steht. Das Drama entwickelt Züge des Thrillers, in dem offen und verdeckt mit Drohungen gearbeitet wird, und verwandelt sich stellenweise auch in genau den Actionfilm, den sich die Geldgeber in den Vereinigten Staaten von Amerika schließlich erhofft haben.

Gründe fürs unverdiente Scheitern

Vermutlich war Yakuza auch gerade deshalb kein großer Erfolg vergönnt, denn tatsächlich verschwand der Film nach seiner Uraufführung direkt wieder in der Versenkung. Dies liegt definitiv nicht an den Dialogen, die sich mit den Eigenheiten der japanischen Kultur mehr oder weniger oberflächlich auseinandersetzen. Auch das großartige Schauspiel von Größen wie Robert Charles Durman Mitchum als Harry Kilmer oder Takakura Ken als Tanaka Ken kann nicht schuld daran gewesen sein. Filme wie Der Pate haben es Jahre zuvor schon gezeigt, dass sich der geneigte Zuschauer auch ruhigen, aber dennoch spannungsgeladenen Filmen hingeben will. Im 112-minütigen Yakuza brodelt es aber lange vor sich hin, bis tatsächlich mal zur Knarre oder auch stilecht zum Schwert gegriffen wird. Kilmer und Tanaka sind für regelrechte Massenmorde verantwortlich, die aber recht blutfrei bleiben. Trotz herausragender Kamerafahrten von Okazaki Kōzō, die in allen Szenen das Geschehen vortrefflich einfallen, wirkt der wilde Schnitt von Don Guidice, Thomas Gerald Stanford und Fredric Steinkamp überladen. Zu viele Köche verderben eben doch den Brei. Schlussendlich lässt sich über diesen Fauxpas hinwegsehen, denn ansonsten ist der Film weder langweilig noch langwierig. Yakuza macht nicht alles richtig, unterhält aber zumindest vom Anfang bis zum Ende.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Vor ein paar Jahren habe ich Yakuza irgendwann einmal in der Nacht im linearen Fernsehen gesehen. Der Film hat sich bei mir eingebrannt, weshalb ich mich sehr darüber gefreut habe, dass Warner Bros. und Plaion Pictures den Film in einem wunderbaren Mediabook veröffentlicht haben. Inhaltlich erzählt der Film eine leicht verdauliche Geschichte, die mutmaßlich mit einer einfachen Entführung beginnt, sich mit der Zeit aufbauscht und für Tote auf beiden Seiten sorgt. Mit der Zeit dreht sich die Spirale der Gewalt immer schneller und sorgt für kompromisslose Action. Pollack hat richtig entschieden, als er auf Japan als Drehort bestand, denn nur so konnte er die Charaktere und manche Szenen genauso lenken, wie er es mit den Geldgebern im Nacken im Heimatland wohl nicht hätte umsetzen können. Bestimmte japanische Eigenheiten werden im Film aber überspitzt dargestellt, sodass ein wenig die Glaubhaftigkeit darunter leidet. Wer sich auf den Streifen aus dem Jahr 1974 einlässt, bekommt es stilistisch mit Elementen des Dramas, des Thrillers und des Actionfilms zu tun – eine dreistufige wie beachtliche Entwicklung.

Vielen Dank an Plaion Pictures für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Yakuza!

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