In den 2010er-Jahren war es nahezu mucksmäuschenstill um die Simon-the-Sorcerer-Serie geworden. Ende Oktober 2025 erschien mit Simon the Sorcerer Origins die lang erwartete Fortsetzung, die sich als Prequel entpuppt und uns wunderbar in die 1990er-Jahre versetzt.
1993 fiel mit Simon the Sorcerer der Startschuss zu einer Point-and-click-Adventure-Reihe, die bis 2009 von verschiedenen Entwicklerstudios mit Höhen und Tiefen fortgeführt wurde. Im Jahr 2014 wurde sogar ein sechster Serienteil angekündigt, der aufgrund der gescheiterten Finanzierung aber nicht realisiert wurde. Den italienischen Smallthing Studios gelang es in den letzten Jahren an einem Prequel zur Reihe zu arbeiten, das durchaus eine ansehnliche Qualität erreicht hat und gerade Fans der ersten beiden Serienteile zufriedenstellen dürfte. Abermals schlüpfen wir im Abenteuer in die Rolle des titelgebenden Zauberers Simon, der zu diesem Zeitpunkt seiner Karriere aber noch gar kein Zauberer ist. Durch einen unglücklichen Zufall, der selbstverständlich als eine sich erfüllende Prophezeiung ausgelegt wird, verschlägt es den faulen wie neunmalklugen Simon im Jahr 1993 aus England in ein fremdes Königreich inklusive Fantasy-Setting. Dort lernt er illustre Figuren wie begnadete Magiekünstler, in ihren Glauben verbohrte Priester und dusselige Trolle kennen, die ihm auf seinen Weg nach Hause unterstützen oder ihm Steine in den Weg legen. All das ist zwar charmant, aber für unseren Geschmack doch sehr holprig erzählt. Gerade wenn sich eine neue Welt erstmals öffnet, so sollte der Effekt auch in Simon the Sorcerer Origins deutlich spürbarer zur Geltung kommen.
Konsekutiver Lösungsweg mit Stärken und Schwächen
Am größtenteils gelungenen Gameplay ändern diese Storyschnitzer aber nur wenig. Unsere Aufgabe besteht genretypisch darin, Dialoge mit den Bewohnern des Königreichs zu führen und allerhand Gegenstände aufzuklauben. In den Gesprächen erfahren wir Hintergründe über die Spielwelt. Mit der Zeit wissen wir dann sehr gut, wie der Hase in der Fantasy-Welt läuft. Die Gegenstände selbst lassen sich an bestimmten Stellen kontextsensitiv einsetzen, müssen aber in den meisten Fällen vorab miteinander kombiniert werden. Um beispielsweise einen Schlüssel aus einem Abfluss zu fischen, brauchen wir einen Magneten. Damit der notdürftige Angelvorgang in Simon the Sorcerer Origins funktionieren kann, benötigen wir jedoch noch eine Schnur. Diese erhalten wir, wenn wir sie von einer Aufziehpuppe abschneiden, wofür eine Schere vonnöten ist. Ihr seht, dass dieser Lösungsweg zuweilen komplex oder sogar umständlich sein kann. Fehlt es uns an einem Gegenstand, können wir auch schon mal die sich langsam öffnende Spielwelt abklappern. Hinweise sind rar gesät und sind häufig auch gar nicht mal so aufschlussreich. Am Ende müssen wir selbst unseren Grips anstellen und die Rätsel lösen, was wir durchaus positiv anmerken wollen. Wer aber bislang zu wenige Erfahrungen mit dem Genre gemacht hat, wird wohl häufiger im Internet nach der Lösung suchen.
Tolle Bedienung mit Einschränkungen
Bedientechnisch ist Simon the Sorcerer Origins mit Maus und Tastatur grundsätzlich sehr gut spielbar. So wird das Spiel aus der leicht erhöhten Seitenperspektive dargestellt, damit wir das gesamte Geschehen im Blick haben. Auf Tastendruck erkennen wir auch direkt, mit welchen Objekten wir auf dem Bildschirm interagieren können. Ein Auswahlmenü an Verben, wie es in den ersten Serienteilen noch der Fall war, gibt es nicht. Alle Befehle finden mit viel Komfort im Kontext statt. Eingesammelte Items wählen wir über eine Gegenstandsleiste aus, in der sich mit der Zeit so mancher Kram ansammelt. Schade ist lediglich, dass sich das Item-Menü jedes Mal schließt, selbst wenn wir zwei Objekte miteinander kombinieren wollen, bei denen das Spiel diesen Akt gar nicht vorsieht. Das nervt gerade in jenen Momenten gewaltig, in denen wir quasi pausenlos herumirren. Ausgleich schaffen die Zaubersprüche, die wir ähnlich wie in Hogwarts Legacy erlernen können – nur setzen wir sie zumeist friedvoller im Rahmen der Möglichkeiten des Point-and-click-Adventure-Genres ein. Schön ist auch der ansehnliche Comicstil, der an Titel wie Return to Monkey Island erinnert. Nur die Animationen der Figuren könnten ein wenig mehr Feinschliff vertragen. Adventure-Fans und gerade Serienkenner lassen sich davon aber nicht beirren und schlagen bei Simon the Sorcerer Origins sofort zu.
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Da ich erst recht spät Zugang zum Point-and-click-Adventure-Genre gefunden habe, bekam ich die Simon-the-Sorcerer-Reihe nur am Rande mit und habe sie nie selbst spielen können. Simon the Sorcerer Origins fungiert als Prequel, weshalb es vermutlich auch keinen besseren Einstiegspunkt gibt, die Reihe kennenzulernen. Das Abenteuer erfindet das Genre-Rad auch nicht neu und bedient sich mehr oder weniger frech am etablierten Standard. Dialoge führen, Gegenstände aufsammeln und miteinander kombinieren sowie allerhand Rätsel lösen gehören zu den Aufgaben, die ich im Spiel erledigen muss. Das funktioniert grundsätzlich sehr gut, muss ich bei manchen Rätseln und Gegenstandskombinationen aber doch sehr um die Ecke denken. Verpasse ich darüber hinaus mal einen Gegenstand oder verstehe die Logik hinter dem Rätsel nicht, kann das aber schon mal in ausuferndem Herumsuchen münden. Hier hätte ich mir ein wenig mehr Feinschliff im Rahmen von Hilfestellungen gewünscht. Auch ist die Welt nur spärlich bevölkert, weshalb selbst Dialoge zuweilen sogar eine Randnotiz sind. Der schöne Grafikstil und die angenehme Hintergrundmusik machen das aber wieder wett. Lediglich der Humor zündet bei mir nur in wenigen Momenten, denn gerade Hauptfigur Simon ist für mich nichts weiter als eine Rotznase, der ich am liebsten mal ein paar scheuern würde. Dies dürfte aber Geschmackssache sein. Wer die Vorgänger kennt und mag, kommt um Simon the Sorcerer Origins nicht herum!
Vielen Dank an Inin Games für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Simon the Sorcerer Origins!