Nach den furiosen Ereignissen in der ersten Hälfte der finalen Staffel der Anime-Serie Attack on Titan mussten Fans von Isayama Hajimes Werk ein Jahr lang auf die Fortsetzung warten. Im März 2023 erschien die dritte Volume der letzten Season im deutschsprachigen Raum.
Im Falle der Teilung einer Staffel einer Serie kann dies recht unschöne Folgen haben, denn gerade bei vielschichtigen Werken, die aus derart vielen zum Verständnis wichtigen Details bestehen, ist es unfassbar wichtig, dass der Zuschauer darüber im Bilde ist. In einer zunehmend schnelllebigen Welt, in der immer mehr Serien, Filme, Bücher und Konsorten einem ausufernden Konsum zugrunde liegen, ist es also schwierig, sämtliche Inhalte noch im Kopf zu haben. Wer nicht sicher in den Hintergründen von Attack on Titan ist, sollte also die bisherigen Staffeln vielleicht noch einmal vor dem Anschauen rekapitulieren. So knüpft die dritte Volume der vierten Staffel, die von Crunchyroll auch als zweiter Part bezeichnet wird, nahtlos an die Geschehnisse der ersten Staffelhälfte an. Dass sich der Zuschauer im großen Finale einer der besten Anime-Serien aller Zeiten befindet, lässt sich nicht mehr leugnen. So greift die Armee der Nation Marley mit ihren Luftschiffen das Volk der Eldia auf der Insel Paradis an. Schon vorab wurde versucht, die Eldia zu sterilisieren. Dieses Vorhaben begrüßt vor allem Zeke Jäger, der Bruder von Hauptfigur Eren. Diesen hat er augenscheinlich manipuliert, sodass sie beide an einem Strang ziehen. Um dies zu erreichen, müssen sich die beiden über Titanenkräfte verfügenden Brüder berühren. Marleys Truppen wollen das unter allen Umständen verhindern.
Sich ergänzende Action- und Story-Anteile
Hauptsächlich bestehen die sechs Episoden der dritten Volume der vierten Staffel aus actionreichen Szenen. Der Bezirk Shiganshina, der innerhalb der Mauer Maria liegt und wo zudem die Geschichte von Attack on Titan begann, wird zum Schlachtfeld. Zwischen den Menschen bricht Gewalt aus, doch auch die am Kampf beteiligten Titanen richten eine Menge Schaden an. Hier zeigt sich abermals, wie wichtig die Animationsregie in einem solchen Werk ist. Dem für die Animation zuständige Studio Mappa ist es gelungen, mit drei- wie zweidimensionalen Effekten ein grandioses Feuerwerk zu entzünden. Auch die blasse Farbgebung, die wie für die Serie gewohnt auf braune, graue, grüne und rote Töne setzt, steht der Gestaltung der vorherigen Staffeln, die von anderen Animationsstudios inszeniert worden sind, in Nichts nach. Neben den Kämpfen laufen aber auch Handlungsbögen ab, die nicht nur die zwischenmenschliche Beziehung zwischen Eren und Zeke, sondern auch das Verhältnis der Eldia und Marley zueinander vertieft. Von Menschlichkeit, Verständigung, Abneigung bis hin zu Hass ist alles dabei, was zu erwarten wäre. Fantastisch ist darüber hinaus, dass die dritte Volume der Season weiterhin Licht ins Dunkle bringt. So beschäftigt sich ein Teil der Episoden mit den Erinnerungen von Grisha Jäger. Auch die Herkunft der Titanen wird gewissermaßen gelüftet.
Spannende Hintergründe im Booklet
Beim Bonusmaterial kann Herausgeber Crunchyroll zumindest im digitalen Bereich nicht so wirklich punkten. Aus dem Menü der Blu-ray Disc lässt sich lediglich das in der zweiten Hälfte der Staffel verwendete Opening, genauso wie das Ending, als Clean-Version ansehen. Für beinharte Fans von Attack on Titan sicherlich einen kurzen Blick wert – mehr allerdings auch nicht. Es fehlen uns Gespräche mit den verantwortlichen Köpfen bei Animationsstudio Mappa oder irgendeine andere Form des Making-ofs. Diesbezüglich möchte jedoch das traditionsgemäß beiliegende und 44 Seiten starke Booklet entschädigen. In diesem gibt es gleich zwei ausführliche Gesprächsrunden. Dabei kommen im ersten Interview kommen Akita Manabu sowie Niinuma Daisuke von der Hauptanimationsregie und Szenarienleiter Shishido Jun zu Wort. Wer schon einmal wissen wollte, wer für die reinen Titanen im Anime Modell standen, wird hier fündig. Im zweiten Mitarbeitergespräch sprechen Bildgestalter Asakawa Shigeki, Okunō Motoi von der 3D-Animationsregie, Ōnishi Iku von der Farbgestaltung und Tannawa Yūsuke von der Bildgestaltung über die Zusammensetzung der Bildelemente, für die sie die Verantwortung tragen. Neben den Interviews gibt es für jede der sechs enthaltenen Folgen ein einzelnes Manga-Panel zu lesen, der überaus witzig ausfällt. Witzlos ist hingegen der Episodenguide, dem mit seinen überaus kryptischen Texten jegliche Daseinsberechtigung fehlt.
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Da es schon etwas länger her ist, dass ich mich mit Attack on Titan beschäftigt habe, fällt es mir etwas schwerer, wieder in die Story einzusteigen. Ein paar Folgen reichen mir jedoch aus, um die wichtigsten Hintergründe und Handlungsfragmente wieder einzuordnen. Ich hätte mir jedoch gewünscht, dass die dritte Volume mit einer Zusammenfassung ausgeliefert worden wäre – wenn nicht in digitaler Form, dann bitte doch im Rahmen des Booklets. In diesem ist aber selbst der Episodenguide derart kryptisch geschrieben, dass eine Rekapitulation der letzten Folge in diesem überhaupt nicht möglich ist. Das macht aber nichts, denn die Episoden der dritten Volume der vierten Staffel sind wieder derart spannend, actionreich und sogar aufschlussreich, dass ich sofort mehrere Folgen hintereinander anschaue und kaum merke, wie die Zeit vergeht. Animationsstudio Mappa ist es gelungen, Action- und Story-Anteile vernünftig abzuwiegen. Sowohl die actionreichen Szenen im Bezirk Shiganshina als auch die Behandlung der Erinnerungen von Grisha Jäger und nicht zuletzt die Entstehungsgeschichte des Konflikts mit Hilfe der Titanen ergänzen sich super. Fans kommen einmal mehr voll und ganz auf ihre Kosten!