Was lange währt, wird endlich gut. So und nicht anders heißt eine bekannte Redewendung, die auf das Survival-Horror-Spiel Routine aber nur bedingt zutrifft. Das im Dezember 2025 veröffentlichte Werk von Entwicklerstudio Lunar Software glänzt mit dichter Atmosphäre, enttäuscht aber teilweise beim Gameplay.
Stellt euch einmal vor, dass ihr auf ein jüngst angekündigtes Videospiel aufmerksam werdet und die Veröffentlichung, die in einem Jahr angesetzt ist, kaum mehr erwarten könnt. So ist es wohl dem einen oder anderen Survival-Horror-Fan bei der Ankündigung von Routine im Jahr 2012 ergangen, das ursprünglich 2013 erscheinen sollte. Dass Videospiele verschoben werden, ist in der Industrie Gang und Gäbe und mitnichten eine Seltenheit, doch dass diese Verschiebungen gleich mehrfach eintreten und das Spiel erst fast anderthalb Dekaden später auf den Markt kommt schon. Während der Entwicklung des Weltraumabenteuers sah sich Lunar Software wohl mehreren unvorhersehbaren Hürden ausgesetzt, die das aus einer Handvoll Leuten bestehende Team erst einmal überwinden musste. Nach etwa dreizehn Jahren erschien Routine im Dezember 2025 sowohl für den PC als auch die Xbox One und die Xbox Series X. Herausgekommen ist ein durchaus passables Spiel, das zwar mit seiner unfassbar dichten Atmosphäre überzeugt, in puncto Storytelling und Gameplay aber bis zu einem gewissen Grad Unzufriedenheit hervorruft. Das fängt schon beim namenlosen Protagonisten an, aus dessen Augen wir das mysteriöse Geschehen im Union Plaza genannten Ausflugsziel auf dem Mond erleben. Es fehlt ihm schlicht an einer guten wie ausgeklügelten Hintergrundgeschichte, die ihn für den Spieler interessant machen würde. Damit bleibt er für uns eine seelenlose Hülle.
Klaustrophobischer Ausflug zum Mond
Wir wissen in Routine lediglich, dass wir uns nach der Ankunft auf dem Trabanten auf sieben Tage Isolation einlassen mussten. Diese Zeitspanne haben wir überbrückt und wollen uns nun eine schöne Zeit machen, drucken unsere Identifikationskarte aus und verlassen unser Zimmer. Blöderweise ist auf der Station teilweise der Strom ausgefallen, Koffer und Schiebewagen liegen über die Gänge verteilt und von anderen Menschen fehlt jedwede Spur. Das ist nicht nur ein spannendes Szenario, es fühlt sich dank der gewählten Kameraperspektive auch sehr immersiv an. Da wir häufig nicht wissen, was sich in der Dunkelheit verbirgt und auch das Sounddesign mit gruseligen Geräuschen hinter jeder Ecke für eine stimmungsvolle Atmosphäre sorgt, bekommen wir im Kombination mit dem unscharfen Grafikfilter, der an Videokassettenqualität erinnern soll, schnell ein klaustrophobisches Gefühl. Einsamkeit, Angst und Unsicherheit machen sich in uns breit, was sich mitunter auch auf unsere Spielweise auswirkt. So lösen wir hauptsächlich Rätsel, auf die wir gleich noch eingehen, doch hin und wieder bekommen wir es mit Kampfrobotern und weiteren Gegnern zu tun, die uns ans Leder wollen. Im Gegensatz zu den meisten Survival-Horror-Spielen können wir uns den Gegnern in Routine aber nicht mit Waffengewalt stellen. Stattdessen sollten wir wie im Klassiker Silent Hill: Shattered Memories die Beine in die Hand nehmen oder an den Gegnern vorbeischleichen.
Sinnlos im Weltraum
Auch wenn die künstliche Intelligenz unserer Feinde sich leicht austricksen lässt, sehen wir darüber gerne hinweg – Adrenalin pumpen die Konflikte auch so in unsere Adern. Weniger versöhnlich ist das Rätseldesign, obwohl die Entwickler gute Ansätze verfolgen. Zu allen Rätseln gibt es grundsätzlich genügend Hinweise in der Umgebung zu finden, damit wir auf die Lösung kommen, doch sind diese häufig sehr kryptisch. Da das Spiel trotz weitläufiger Areale sehr linear ausfällt, kann es dann wirklich sehr nerven, wenn wir gefühlt stundenlang durch die Mondbasis irren und einfach nicht das nächste Puzzlestück finden. Passend dazu hat sich Lunar Software in unseren Augen für eine absolut unsinnige Steuerung entschieden. Während wir mit Tastatur und Maus zwecks fehlender Erklärungen spätestens ab der Inbetriebnahme des Kosmonautenhilfswerkzeugs verzweifeln, sind die Knopfbelegungen auf dem Controller noch dämlicher. Um ins Geschehen zu zoomen, müssen wir das Steuerkreuz nach oben drücken, während wir uns mit dem linken Stick bewegen. Um ganz in die Hocke zu gehen, müssen wir die rechte Schultertaste, einen Aktionsknopf und den linken Stick nach unten drücken. So sehr das retrofuturistische 1980er-Jahre-Design und Film- und Spielreferenzen wie 2001: Odyssey im Weltraum oder Alien: Isolation gefallen, solche Spieldesignschnitzer sind uns schon lange nicht mehr vorgekommen. Routine eignet sich daher eher für Rätselprofis!
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Ich bin froh, dass ich die Ankündigung von Routine im Jahr 2012 verschlafen oder allerhöchstens nur unterbewusst wahrgenommen habe. Bock hätte ich auf das Spiel in der letzten Dekade definitiv gehabt, doch so bin ich erst kurz vor dem Release im Dezember 2025 aufmerksam auf den Titel geworden. Allen voran gefällt mir bei diesem Survival-Horror-Spiel die überaus dichte Atmosphäre, die auf verschiedene Art und Weise erzeugt wird. Eine größtenteils leere Mondbasis sorgt für ein klaustrophobisches Gefühl. Die Kampfroboter führen mir hingegen meine Machtlosigkeit vor Augen. Auch der Grafikfilter, der an Videokassettenqualität erinnern soll, tut sein Übriges, um mich bei Laune zu halten. Schade finde ich jedoch, dass die Story halbgar präsentiert wird und selbst die Hauptfigur, um die sich das Survival-Horror-Spiel schließlich dreht, keine Hintergrundgeschichte hat. Hinzu kommen eine selten so dämliche Knopf- beziehungsweise Tastenbelegung und ein Rätseldesign, das im Kern zwar gut durchdacht ist, aber gerade Anfänger viel zu schnell verzweifeln lassen dürfte. Unterm Strich ist Routine somit also nicht der erhoffte Hit geworden, aber wer etwas für organisch in die retrofuturistisch anmutende Spielwelt gebaute wie zuweilen ganz schön knifflige Rätsel übrig hat, darf zuschlagen.
Vielen Dank an Raw Fury für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Routine!