Review: Ball X Pit

Hin und wieder kommt es vor, dass Entwicklerstudios verschiedene Genres miteinander mischen. Nicht immer geht dieser Spagat auf. Zum Glück kann Ball X Pit von Kenny Sun and Friends von der ersten Minute an trotz so mancher monotonen Mechaniken überzeugen.

Obwohl es Ball X Pit nicht nötig hätte, erzählt das Geschicklichkeitsspiel eine rudimentäre Geschichte. Innerhalb der Story existiert das weit entfernte Fantasy-Königreich Ballbylon nicht mehr. Die einst glanzvolle Stadt wurde von einem Kometen getroffen. Sie wurde mit diesem in die Untiefen der Erde gerissen. Es dauert nicht lange, da wagen sich auch schon die ersten mutigen Abenteurer an die titelgebende Grube heran. Während wir an der Oberfläche dafür verantwortlich sind, eine funktionierende Siedlung zu errichten, gibt es in der Grube wiederum zahlreiche Bestien zu bezwingen. Was nach einer passablen Grundlage für einen einfach gestrickten Dungeon Crawler wie etwa Etrian Odyssey klingt, könnte in Wahrheit jedoch nicht weiter entfernt von einem klassischen Rollenspiel sein. Zwar haben auch Rollenspielmechanismen ihren Weg in das im Oktober 2025 veröffentlichte Spiel gefunden, was in Anbetracht der inflationären Verwendung von Elementen wie Lebens- und Erfahrungspunkten in Videospielen über die Genregrenzen hinaus auch keine große Überraschung ist, doch steht im Kern ein Videospiel, das allen voran an den Genreklassiker Breakout aus dem Jahr 1976 erinnert. Anstatt mit Schwert und Schild bewaffnet auf Monsterjagd zu gehen, verschießen wir in Ball X Pit unermüdliche magische Bälle auf die angreifenden Gegnerhorden.

Abwechslungsreiche Spezialfähigkeiten

Was für den einen oder anderen Spieler womöglich lahm klingt, ist in der Praxis jedoch sehr, sehr motivierend. So prallen die Bälle an der Wand oder an Gegnern ab, weshalb wir stets auf einen passenden Winkel achten müssen, sodass die Bälle möglichst häufig die Gegner treffen. Kommen wir den Feinden oder diese dem unteren Bildschirmrand zu nahe, greifen sie uns an, was natürlich unsere Lebenspunkte verringert. Um gegen die immer mächtiger werdenden Kreaturen in der Grube zu bestehen, müssen wir unsere Attribute durch das Einsammeln von Juwelensplittern erhöhen. Daneben können wir in Ball X Pit auch noch besondere Fähigkeiten erlangen. Beispielsweise lösen Bälle nach solch einem Upgrade auch Explosionen aus, wodurch Gegner im näheren Umkreis ebenfalls Schaden nehmen. Ebenfalls entstehen auf diese Art und Weise Feuersalven, die gleich alle Gegner in einer Spalte oder einer Reihe in Mitleidenschaft ziehen. Lebensentzug, verbesserter Rüstungswert, Unterstützung durch andere Kreaturen oder sogar durchbrechende Bälle – der Ideenreichtum der Spezialfähigkeiten ist durchaus groß, zumal wir viele dieser Fähigkeiten an bestimmten Punkten auch miteinander fusionieren können. Es macht eine Zeit lang wirklich sehr viel Spaß, mit dem Angriffs- und Verteidigungsrepertoire zu experimentieren. Nach einer Weile stellt sich jedoch Leerlauf ein.

Immer wieder hinab in die Grube

Um in Ball X Pit voranzukommen, müssen wir Zahnräder finden, mit denen wir noch tiefer in die Grube hinabsteigen können. Das heißt, dass wir einen Level mitsamt Bossgegner gleich mehrfach abschließen müssen – am besten mit unterschiedlichen Charakteren, die wir freischalten, sofern wir in der Siedlung ihr Eigenheim erreichtet haben. Sobald wir einen Durchlauf abgeschlossen oder bei diesem gescheitert sind, können wir auf angelegten Feldern Rohstoffe ernten und mit Gold und den nötigen Materialien die Gebäude errichten, sofern wir im Level selbst denn die Blaupause dafür gefunden haben. Ungeduldige Spieler dürfte gerade dieser Aspekt ein wenig zuwider sein, wird der Fortschritt so doch arg ausgebremst. Übrigens geschieht das Ernten ähnlich wie in der Grube mit Bällen – nur das die Bälle hier Arbeiter sind, die wir einmalig in einem bestimmten Winkel für sechs Sekunden losziehen lassen. Darüber hinaus erhalten unsere Helden für jeden besiegten Gegner Erfahrungspunkte, sodass sie peu à peu auch im Level ansteigen und permanent über höhere Attribute verfügen. Das macht neue Durchläufe immerhin ein wenig leichter. An der herausragenden Spielbarkeit ist zudem nicht zu rütteln. Alle Eingaben werden auf unserem Controller richtig erkannt und umgesetzt, sodass uns Ball X Pit trotz repetitiver Mechaniken immer wieder an den Bildschirm lockt.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der PC-Fassung): Einige Wochen lang habe Ball X Pit erfolgreich ignoriert. Als ich dann jedoch gesehen habe, dass immer mehr Freunde auf verschiedenen Plattformen dem Spiel verfallen sind, musste ich es ebenfalls ausprobieren. Enttäuscht wurde ich dabei keineswegs, denn das grundlegende Gameplay, das stark an Breakout und seine zahlreichen Klone erinnert, gefiel mir schon in meiner Kindheit. Ball X Pit kombiniert diese Spielmechaniken clever mit verschiedenen Spezialfähigkeiten und leichten Rollenspielsystemen. Das ist durchaus motivierend, sodass aus einer kurzen Runde auch schon mal eine etwas längere Session werden kann. Schnell gehen die tollen Ideen des Entwicklerstudios in Fleisch und Blut über, woran auch die gute Spielbarkeit nicht ganz unschuldig ist. Lediglich den Umstand, dass es mit der Zeit etwas repetitiv werden kann, muss ich dem Spiel negativ ankreiden. Fans von Geschicklichkeitsspielen werden über dieses Defizit aber sicher hinwegsehen können, weshalb ich diesen Spielern Ball X Pit unbedingt ans Herz legen möchte.

Vielen Dank an Devolver Digital für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Ball X Pit!

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