Review: Lovish

Manche Videospiele versuchen mit ihrem Pixel-Look auf sich aufmerksam zu machen, um ihr durchschnittliches Gameplay zu kaschieren. Das Anfang Februar 2026 veröffentlichte Lovish ist kein solches Spiel, denn hier passen Grafik und Inhalt wie die Faust aufs Auge zusammen.

Handlungstechnisch erwartet uns in Lovish keine allzu ausgeklügelte Geschichte, denn vieles hängt in diesem Geschicklichkeitsspiel, das auch Elemente des Platformers, des Adventures und des Action- wie des Puzzlespiels aufweist, schlicht und einfach vom Zufall ab. Als Ausgangslage reicht uns da schon die Information, dass Protagonist Solomon mit seinen Rittern aus Schloss Cornelius auszieht, um die entführte Prinzessin Tsuna aus den Klauen des allseits gefürchteten Teufelsfürsten zu befreien. Auf dem Weg zum finalen Bosskampf schießt dem Helden jedoch ein gar nicht mal so unkluger Gedanken durch den Kopf. Er befürchtet, dass sich die Prinzessin nach ihrer Rettung womöglich in einen seiner Anhänger verliebt. Das darf auf keinen Fall passieren, weshalb er im wahrsten Sinne des Wortes alle Brücken hinter sich abreißt und alleine zum Hort des Teufelsfürsten marschiert, um das Herz der Adligen zu erobern. An dieser Stelle greifen wir ein und lösen als Solomon verschiedene Aufgaben in zahlreichen kurzen Spielabschnitten, die wir aus der zweidimensionalen Seitenansicht mit Sprüngen über Abgründe und Schwerthieben auf Gegner lösen. Das ist simpel, eingängig und auf seine Art und Weise durchaus motivierend, spaßig und zuweilen sogar abwechslungsreich inszeniert. Nach jedem Level belohnt Lovish mit zufälligen wie witzigen Story-Ereignissen.

Vollgepackt mit Absurditäten

Unter anderem können wir auf ulkige Charaktere treffen, die ihre Verfehlungen in früheren Tagen bereuen und Buße tun. Dann gibt es wiederum leicht gereizte Feinde, welche einfach mal die Welt in Schutt und Asche legen und uns gleich mit umbringen, sodass wir den Level direkt noch einmal spielen müssen. Manchmal verwickeln uns Monster sogar in einem rundenbasierten Kampf, der jedoch sehr rudimentär abläuft und mit dem in den eigentlichen Levels recht früh schon anspruchsvollen Aufgaben nur wenig gemein hat. Als Belohnung winken besondere Gegenstände, Goldmünzen oder Erfahrungspunkte. Aufstufen könnt ihr Solomon aber nicht – schließlich ist das Spiel kein Rollenspiel! Lovish macht sich an vielen Stellen ganz einfach lustig über uns, was wir dem Spiel aufgrund seiner Kurzlebigkeit aber nicht negativ ankreiden wollen. Wir amüsieren uns bei diesem ganzen Humor köstlich über alles, was uns im Spiel gerade widerfährt. Taucht beispielsweise durch Zufall dann doch einmal einer unserer ehemaligen Mitstreiter auf, die uns auch noch fröhlich zuwinken, nehmen wir lieber schnell die Beine in die Hand. Peinlicher kann es ja schon ohnehin nicht sein! So unterhält uns der Titel von Entwicklerstudio Labs Works, das bereits 2021 mit dem tollen Astalon: Tears of the Earth überzeugt hat, mit leichten wie überaus bekömmlichen Appetithappen.

Ideenreicher Retro-Touch

Obwohl Lovish wie ein einfach gestricktes Geschicklichkeitsspiel erscheint, entpuppt sich das Werk recht früh als anspruchsvoll. Eine Berührung mit einem Gegner sorgt dafür, dass wir den Level von Vorne beginnen müssen. So lernen wir aber schnell, wie wir Hindernissen am besten ausweichen und wir am effektivsten ans Ziel gelangen. Hin und wieder wollen dabei ein paar Rätsel gelöst werden, wobei dies nicht über das Einsammeln von Schlüsseln, dem Betätigen von Schaltern oder Ähnlichem hinausgeht. Ganz entfernt erinnert dies an Mario vs. Donkey Kong, ohne jedoch dessen Klasse zu erreichen. Das muss es auch nicht, denn mit dem grundlegenden Humor weckt das Spiel eh ganz andere Emotionen bei uns. Es stecken wirklich viele liebevolle Ideen im Titel, wie zum Beispiel ein Game-Boy-Verschnitt als einzusammelndes Objekt, um darauf einen von The Legend of Zelda inspirierten Dungeon zu spielen – hier wechselt also im Spiel einfach mal so das Genre. Hinzu kommen Items, die wir für Goldmünzen im Laden erwerben und damit unser Moveset für die Levels erweitern. Der Retro-Look ist dabei über alle Zweifel erhaben und die zwanzig Musikstücke von Matt Kap passen ebenfalls zum Geschehen, auch wenn zu häufig zu lange am Stück der gleiche Track läuft. Wer durchgeknallte Spiele mag und Bock auf den Retro-Touch hat, greift bei Lovish zu.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Nintendo-Switch-Fassung): Als mir Lovish im eShop aufgefallen ist, hat es sofort mein Interesse geweckt. Videospiele mit einem Pixel-Look haben es ohnehin leicht bei mir zu punkten. Allerdings schaffen es die wenigsten, dass ich sie auch über einen längeren Zeitraum spielen möchte. Lovish ist das genaue Gegenteil, denn auch wenn ich ein Level auf Anhieb nicht absolviere oder nicht verstehe, wie ich es lösen soll, kehre ich Stunden oder Tage später mit neuem Elan immer wieder zurück. Trotz seiner Einfachheit ist der Titel von Labs Works durchaus anspruchsvoll und motiviert mich ständig, neue Bestzeiten bei den Levels zu erzielen oder versteckte Collectibles zu sammeln. Die Aufgaben sind stets klar, die Steuerung geht leicht von der Hand und auch der 8-Bit-Pixel-Look gefällt mir wahnsinnig gut. Bei diesem finde ich es jedoch schade, dass er ohne meine Zustimmung in verschiedenen Levels einfach von den harten zu den weich gezeichneten Pixeln wechselt. Auch die Musik von Matt Kap, so gut sie mir auch gefällt, wechselt gefühlt zu selten und ist dann sogar manchmal etwas nervtötend. Trotzdem ist es gerade der Humor und die vielen zufälligen Szenen, welche die Heldenreise in Lovish so einzigartig wie spaßig gestalten.

Vielen Dank an Dangen Entertainment für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Lovish!

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