Review: Your Forma (Vol. 1)

Ende Februar 2027 hatte das Warten für Fans des ursprünglich als Light Novel veröffentlichten Werks Your Forma ein Ende. An diesem Tag veröffentlichte Publisher Polyband Anime die erste von zwei Volumes zur gleichnamigen und durchaus interessanten Anime-Serie.

Seit dem Jahr 2021 erscheint das von Kikuishi Mareho stammende Science-Fiction-Werk Your Forma als Light Novel. Fast schon parallel erschien bis zum Jahr 2023 auch eine von Kisaragi Yoshinori gezeichnete Manga-Umsetzung in insgesamt drei Bänden. Aufgrund der in Japan anhaltenden Beliebtheit der Light Novel kam es auch zu einer Anime-Serie, die Mitte 2025 über die japanischen Mattscheiben flimmerte. Fast ein Jahr später hat es der Anime auch in den deutschsprachigen Raum geschafft. Herausgeber Polyband Anime veröffentlicht die Serie aus dem Hause Geno Studio, das sich auch für die ersten drei Staffeln von Golden Kamuy verantwortlich zeigt, in zwei Ausgaben. In der ersten Volume sind die ersten sechs Episoden enthalten, welche weniger als Einführung in die dystopische Welt von Your Forma dienen, sondern direkt tief in die Handlung einsteigen. Soll heißen, dass von Beginn an mit Fachbegriffen um sich geworfen wird, die der Zuschauer erst einmal verstehen und richtig zuordnen muss. Der Einstieg verlangt einem dadurch etwas Sitzfleisch ab, was vielleicht sogar ein zweites Anschauen der enthaltenen Episoden rechtfertigen könnte. Wer sich aber einmal auf Your Forma einlässt, wird sich nicht nur mit der mitreißenden Kriminalgeschichte befassen, sondern sich womöglich auch philosophische Fragen über künstliches Leben stellen.

Elektronische Verbrechensbekämpfung

Im Mittelpunkt der im Jahr 2023 angesiedelten Geschichte von Your Forma steht die Kriminalbeamtin Hieda Echika, bei der es sich um ein wahres Wunderkind handelt. Mit Cleverness und Spürsinn kommt sie den Tätern schnell auf die Schliche. Sie ist sogar so pfiffig, dass sie weitaus arbeitsfähiger als ihre Androidenkollegen ist, die sie bei ihrem Job eigentlich unterstützten sollen. Erst als sie den Androiden Harold W. Lucraft an die Seite gestellt bekommt, ist sie erstmals mit ihrem Partner zufrieden. Die Verbrechensbekämpfung der elektronischen Strafverfolgungsbehörde funktioniert jedoch anders, als es der Zuschauer von anderen Kriminalgeschichten jeglicher Form gewohnt ist. Hier ist ähnlich wie bei der Anime-Serie Psycho-Pass deutlich die Verortung im Science-Fiction-Genre zu erkennen. Mit der titelgebenden Technologie Your Forma ist es den Ermittlern möglich, tiefsitzende Erinnerungen und Gedanken einer Person digital zu erfassen und zu verwerten. Um die Wahrheit herauszubekommen, reicht eine Kabelverbindung zum Innenleben des Täters. Das ist definitiv eine spannende Idee, die in den ersten sechs Episoden der Serie auch mehrfach aufgegriffen wird. Allerdings scheint das Konzept zumindest im Anime nicht sonderlich gut ausgearbeitet. Hier hapert es ein wenig an der visuellen Umsetzung, die hinter den Erwartungen zurückbleibt.

Von Beginn an ungenutztes Potenzial

Inszenatorisch hat Your Forma gegenüber anderen Anime ohnehin das Nachsehen, denn die meist sehr blass gestalteten Umgebungen im Bildformat 1,78:1 schwächen die dramaturgische Wirkung. Hinzu kommt, dass viele Szenen häufig leer bleiben, obwohl mit London und Moskau zwei große Metropolen prädestiniert für einen Menschenauflauf wären. Beide Großstädte werden als Kulissen genutzt, in denen zum einen ein offenbar mordslustiger Android gegen seine friedliche Programmierung verstößt. Zum anderen muss auch Echika einen neuen Weg in ihrem Arbeitsleben finden. Aus Spoiler-Gründen möchten wir dazu aber nicht mehr verraten. Definitiv funktioniert die Story, auch wenn die Dialoge durchaus etwas verständlicher geschrieben oder kräftiger formuliert sein könnten. So bleibt auch die deutsche Synchronisation im Tonformat DTS-HD 2.0 recht ruhig. All das kann sich in den letzten sieben Folgen, für welche der für Goblin Slayer bekannte Ozaki Takaharu auf dem Regiestuhl wieder Platz genommen hat, aber noch ändern. Digitale Boni sind bei der ersten Volume vergeblich zu suchen. Neben einer Produktbroschüre haben es in physischer Form aber immerhin zwei Art Cards in die Amaray-Blu-ray-Box geschafft. Die limitierte Edition kommt zudem mit einem Papierschuber daher, der allerdings sehr dünn ausfällt und daher beschädigungsanfällig ist.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Allgemein mag ich die Verbrechensbekämpfung in Film und Fernsehen. Wenn pfiffige wie charmante Ermittler daran beteiligt sind, schaue ich mir Kriminalgeschichten noch sehr viel lieber an. Your Forma setzt in meinen Augen auf ein interessantes Konzept, das bei der Ermittlung in die Erinnerungen und Gedanken der Täter eintauchen lässt. Das ist spannend, kommt in der ersten Hälfte der Anime-Serie aber noch nicht so richtig zur Geltung. Vor allem ist dies der visuellen Umsetzung geschuldet, bei der ich mir einfach mehr erhofft habe. Auch in weiteren Belangen hätte Your Forma mit deutlich kräftigeren Farben auftreten können, da viele Szenen für meinen Geschmack viel zu blass bleiben. Es muss ja nicht gleich so düster wie Psycho-Pass sein, aber in Verbindung mit der eher ruhigen Erzählweise ist das manchmal fast schon einschläfernd. Trotzdem möchte ich auch der zweiten Serienhälfte eine Chance geben, da hier noch viel ungenutztes Potenzial schlummert. Wer Science-Fiction und Kriminalgeschichten mag, darf einen Blick riskieren.

Vielen Dank an Polyband Anime für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Your Forma (Vol. 1)!

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