Zeitreisen faszinieren die Menschen seit Jahrhunderten, vermehrt jedoch erst im Rahmen der Populärkultur des 19. bis 21. Jahrhunderts. Flucht in die Zukunft aus dem Jahr 1979 spielt mit der Thematik derart bedingt, dass andere Genres über die Fiktion die Oberhand gewinnen.
Flucht in die Zukunft von Regisseur Nicholas Meyer verbindet viele Filmgenres miteinander. Unter anderem fungiert der Streifen als Science-Fiction, Liebesfilm und Sozialkritik. Böse Zungen würden behaupten, dass der Film auf zu vielen Hochzeiten tanze. Durchs Marketing wurde dieser Umstand sogar verkompliziert, indem der Zuschauer beim Sehen des originalen Trailers der Auffassung sein könnte, im Film ginge es um wilde Verfolgungsjagden im Stile eines Kriminalfilms oder Thrillers. Tatsächlich bedient sich Meyers Werk aus dem Jahr 1979 auch diesen Genres. Die Struktur klarer Genregrenzen sind aufgebrochen und existieren in Flucht in die Zukunft nicht, sodass zu guter Letzt auch Platz für komödiantische Einlagen bleibt, die aber nicht nur aufgrund des Entstehungszeitpunkt auch heute noch mehr als charmant auf den Zuschauer wirken. Wer sich den Film einmal angesehen hat, wird aber sehr gut wissen, dass diese wilde Mischung aus verschiedenen Genres aber außerordentlich gut funktioniert. Diesen Ruck haben sich die Kinozuschauer in den späten 1970er-Jahren aber nicht gegeben. Obwohl sich der Film nicht zu einem finanziellen Flop mauserte, blieb er hinter den Erwartungen zurück, wofür wiederum das Marketing verantwortlich gemacht wurde. Da stellt sich auch uns eingehend die Frage, was für eine Art Film Flucht in die Zukunft eigentlich ist.
Reise durch Raum und Zeit
Direkt in der ersten Szene erfährt der Zuschauer die Identität des wohl berühmtesten Serienmörders der Welt: Jack the Ripper. Obwohl John Stevenson, so der bürgerliche Name des Killers, 1888 seinen vermutlich letzten Mord begangen hat, ersticht er 1893 eine Prostituierte – und geht danach in Seelenruhe zum Herrenabend bei Herbert George Wells. Diesmal ist die Polizei dem Killer jedoch dicht auf den Fersen. Als Wells seinen Freunden seine selbst konstruierte Zeitmaschine vorstellt, nutzt Stevenson die Gunst der Stunde und flieht, wie es der Titel des Films verrät, in die Zukunft. Da Stevenson jedoch nicht über einen speziellen Zeitreiseschlüssel verfügt, kehrt die Maschine nach seiner Ankunft im Jahr 1979 automatisch wieder ins Jahr 1893 zurück. Wells, der nicht von ungefähr den gleichen Namen wie der berühmte Schriftsteller trägt, sieht sich in der Verpflichtung und reist mit der Zeitmaschine hinterher. Durch Raum und Zeit gereist landet er in San Francisco und macht sich auf die Suche nach seinem Gegenspieler. Die damalige Gegenwart ist jedoch keineswegs die glänzende Zukunftsutopie, die er sich in seinen Gedanken immer ausgemalt hat. Um Stevenson aufzuhalten, geht er auf Spurensuche und hält überraschend Hilfe von der Bankangestellten Amy Robbins, die ihn in die ach so kleinen Feinheiten des Lebens des 20. Jahrhunderts einführt.
Liebesglück im Zeitreisestoff
Handlungstechnisch entwickelt sich der Film trotz der überschaubaren Anzahl an Haupt- und Nebencharakteren eher langsam. Der entschleunigte Stil ist jedoch gerade für die Romantik, die sich zwischen Wells und Robbins entwickelt, maßgebend. Gespielt werden die beiden von dem aus Uhrwerk Orange bekannten Malcolm McDowell und Mary Steenburgen, die hier in einer ihrer ersten Filmrollen zu sehen ist und lustigerweise ein Jahrzehnt später noch einmal im Zeitreisefilm Zurück in die Zukunft III eine tragende Rolle einnehmen sollte. Für Stevenson stand hingegen der 2022 verstorbene David Hattersley Warner vor der Kamera. Obwohl Warner seine Rolle mit krimineller Versiertheit spielt, glänzen vor allem McDowell und Steenburgen, die auch in der Realität eine Zeit lang ein Liebespaar werden sollten. Trotz aller Schauspielkünste ist dem Film anzumerken, dass es Meyers Regiedebüt war. Auch das Drehbuch stammt aus seiner Feder – und vielleicht hat er sich ein wenig übernommen. Trotzdem ist es lobenswert, wie kausal die Zusammenhänge in der Zeitreisegeschichte funktionieren. Im Mediabook findet sich der Streifen sowohl auf Blu-ray als auch auf DVD. Als digitale Boni winken ein Audiokommentar vom Regisseur, ein Einspieler von Alan Spencer, Trailer und eine prallgefüllte Bildergalerie. Physisch gibt es ein Booklet von Buchautor Tobias Hohmann obendrauf, das mitreißend geschrieben ist und tiefere Einblicke in Flucht in die Zukunft gibt.
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Warum ich bis vor Kurzem noch nichts von dem Film Flucht in die Zukunft gehört habe, ist mir ein Rätsel. Ich mag Zeitreisen in allen erdenklichen Medien, da sie unfassbar großes Potenzial bieten, Fehlentscheidungen zu treffen und wieder zu korrigieren. Auch eine meiner, wenn nicht sogar meine allerliebste Filmreihe Zurück in die Zukunft hat sich von Flucht in die Zukunft an verschiedenen Stellen Inhalte frech abgeguckt. Wie Zurück in die Zukunft ist auch Flucht in die Zukunft eine wilde Mischung aus verschiedenen Filmgenres, die aber bestens harmoniert, sobald ich mich darauf einmal einlasse. So wird die Zeitmaschine im Film kaum angerührt. Stattdessen konzentriert sich der Film auf die Liebesgeschichte zwischen Wells und Robbins. Auch ein Fingerzeig auf die Sozialkritik, sprich dass sich die Menschheit eher zurück- statt weiterentwickelt hat, ist an einer Stelle klar gekennzeichnet. Daneben gibt es Elemente des Thrillers und der Komödie, welche gleichermaßen für Spannung als auch für Auflockerung sorgen. So bleibt Nicholas Meyers Flucht in die Zukunft durchgehend unterhaltsam, spannend und faszinierend, auch wenn der Film in handwerklicher Hinsicht und Tricktechnik heute etwas altbacken wirkt.
Vielen Dank an Plaion Pictures für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Flucht in die Zukunft!