Review: Pokémon Pokopia

Während die Pokémon-Hauptreihe zwar solide Spiele hervorbringt, kann sie aufgrund veralteter Grafik bei vielen Fans kaum Anklang finden. Das im März 2026 veröffentlichte Pokémon Pokopia ist technisch zwar ebenfalls veraltet, bietet dafür jedoch ein kreativeres Gameplay.

Am ehesten lässt sich Pokémon Pokopia als eine Mischung aus Animal Crossing, Minecraft und Pokémon beschreiben. Dass dieser Spagat grundsätzlich gelingt, verwundert uns nicht, denn neben Game Freak steckt hinter dem Projekt auch Entwicklerstudio Omega Force, das mit Dragon Quest Builders II im Jahr 2018 ein recht ähnliches Spiel auf die Beine gestellt hat. Damit beschert uns der Titel zwar kein völlig neues Gameplay, aber ein buntes wie aus namhaften Marken bestehendes Gesamtbild. Im Gegensatz zu fast allen anderen Pokémon-Spielen schlüpfen wir dieses Mal nicht in die Haut eines menschlichen Charakters. Stattdessen dürfen wir zu Beginn das verwandlungsfähige Taschenmonster Ditto in einem überschaubaren Baukasten nach dem Abbild seines Trainers beziehungsweise seiner Trainerin gestalten. Wir wachen in einer Höhle auf und erfahren vom schlingpflanzenähnlichen Tangoloss, welches in den Wissenschaften der Menschen wie der Pokémon bewandert ist, dass die Menschen allesamt verschwunden sind. Wann und wohin ist ihm unklar. Genauso wenig wird die blockartig aufgebaute Spielwelt von Pokémon bevölkert. Nichtsdestotrotz retten die beiden kurz darauf das schildkrötenartige Schiggy. Wenig später gesellen sich weitere Pokémon zu ihnen. Gemeinsam beschließen die Pokémon, dem Verschwinden der Menschheit nachzugehen.

Spielwelt voller Habitate

Im Gegensatz zu den Rollenspielen der Reihe ist Pokémon wesentlich friedvoller ausgelegt, da es keine Kämpfe zu bestreiten gilt. Stattdessen erschaffen wir in der Spielwelt neue Habitate, indem wir beispielsweise Wiesen und Blumenfelder auf Feldern, unter Bäumen oder an Wasserstellen errichten. Mit der Zeit kommen diesbezüglich komplexere Strukturen hinzu, indem wir auch Bänke oder Tische konstruieren, Sandsäcke aufhängen oder Essen in Form von Beeren auslegen, um neue Pokémon anzulocken. Hat sich ein Pokémon in sein neues Habitat verirrt, schließen wir Freundschaft mit ihm. Durch das Erfüllen verschiedener Aufgaben bringen die anderen Taschenmonster unserem Ditto neue Fähigkeiten bei, welche wir vor allem beim Errichten weiterer Habitate, aber auch beim Umgestalten der Spielwelt einsetzen können. Mit der Attacke Zerschneider können wir beispielsweise Efeu abschneiden oder Holz verkleinern. Zertrümmerer setzen wir hingegen ein, um Steine oder Blöcke, in welche die Spielwelt wie gesagt unterteilt ist, abzubauen. Hinzu kommen Fähigkeiten wie Stärke, mit denen wir Objekte verschieben können, oder eigentlich nutzlose Angriffe wie Platscher, mit denen unsere Spielfigur hingegen über Abgründe hüpfen kann. Wer auch nur irgendeine Episode der Pokémon-Reihe gespielt hat, findet sich sofort zurecht. Alle anderen aber auch!

Kreativer Schaffensprozess

Pokémon Pokopia begeistert von der ersten Minute mit einer motivierenden Aufwärtsspirale. Soll heißen, dass wir stets etwas zu tun haben. Die Aufgaben führen meist zu einem nächsten Zielpunkt in der Spielwelt, lassen uns nebenher aber viel Raum, diese zu erkunden. Überall klauben wir Äste und Steine auf, bewässern ausgedorrte Bäume, bringen Blumenwiesen zum Blühen und entdecken zahlreiche Geheimnisse, die trotz der wenig verschachtelten Struktur der Höhlensysteme gut hinter Wänden versteckt sind. Selbst einfache Physikspielereien sind möglich. Bricht zum Beispiel hinter einer Wand Wasser hindurch, so können wir den Fluss nach unserem Gutdünken leiten. Erdblöcke, die sich direkt am Wasser befinden, werden so direkt bewässert. Zwar lässt die Physik ähnlich wie in Donkey Kong Bananza zu wünschen übrig, funktioniert aber zumindest in den entscheidenden Momenten. Auch wenn es in vielen Momenten unerheblich ist, wie wir die Spielwelt gestalten, macht es im Gegensatz zum Spiel mit dem Gorilla in der Hauptrolle Spaß, Veränderungen in den einzelnen Arealen von Pokémon Pokopia zu bewirken. Jeder Eingriff ist permanent und bleibt gespeichert, bis wir ihn wieder händisch rückgängig machen. Das alles ist selbstverständlich zeitaufwendig, aber wer sich gerne kreativ in einem Spiel austobt, kann am Ende stolz auf seine Arbeit zurückblicken.

Pokémon Crossing

Neben den offensichtlichen Ähnlichkeiten zu Minecraft ist jedoch auch der gravierende Einfluss von Animal Crossing: New Horizons nicht von der Hand zu weisen. So erhalten wir im Verlauf des Spiels peu à peu Bauanleitungen, mit denen wir uns an Werkbänke begeben können, um neue Möbelstücke zu zimmern. Diese können wir entweder frei in der Welt platzieren, um die Habitate der Pokémon zu verschönern, oder wir richten unser Eigenheim damit ein. Letzteres ist zwar nicht ganz so spannend wie im Vorbild, aber der schiere Umfang an Gegenständen, zu denen auch Treppenaufgänge und Leitern gehören, ist wirklich beeindruckend und langfristig motivierend. Wir haben stets das Gefühl, dass das Gestalten der Spielwelt einen Sinn ergibt. Erfüllen wir primäre wie sekundäre Aufgaben und bescheren den Pokémon ein schönes Zuhause und damit Zufriedenheit, steigt auch der Umgebungslevel und das Sortiment im Laden. Parallel dazu steigt auch unser sogenannter Trainer-Rang, mit dem wir, sofern er hoch genug ist, in den nächsten Abschnitt der Spielwelt vordringen können. Somit verfügt Pokémon Pokopia leider nicht über eine große zusammenhängende Spielwelt, aber immerhin eine Skybox nach der anderen, die wir ziemlich frei gestalten dürfen. Zudem bauen wir in jedem Spielabschnitt unser Pokémon-Netzwerk mit neuen Monstern auf.

Kleinere technische Macken

In puncto Steuerung macht der Titel einen soliden Eindruck. Das Bewegen und das Umsehen in der Spielwelt funktioniert bestens, doch wollen wir mit der Spielwelt interagieren, fällt die Bedienung fummelig aus. Nicht immer gelingt es auf Anhieb, genau den Block anzuschauen, den wir auch bearbeiten wollen. Pokémon Pokopia unterstützt jedoch die Mausfunktion, womit das Anvisieren präziser funktioniert, die Reaktion des Cursors aber zu wünschen übrig lässt. Darüber hinaus könnte es gerade Enthusiasten nerven, dass das Inventar trotz Erweiterungsmöglichkeiten eher klein ausfällt, sodass wir ständig mit unabhängigen Kisten zum Lagern und Abholen von Items arbeiten müssen. Grafisch reißt der in kunterbunter Comicgrafik gehaltene Titel keine Bäume aus, läuft dafür aber weitgehend flüssig auf der Switch 2. Kleinere Framerate-Einbrüche kommen selten vor, schmälern in unseren Augen aber auch nicht das Gesamtbild. Musikalisch pendelt sich das Spiel zwischen beruhigenden und nervigen Klängen ein. Hier wäre mehr möglich gewesen. Zu guter Letzt bietet der Titel lokal als auch online einen Mehrspielermodus, der den Spielspaß des auch so schon umfangreichen Spiels verlängert. Ein Wermutstropfen zum Schluss: Physisch gibt es Pokémon Pokopia nur als Game Key Card, was das Spiel gerade für Sammler oder Menschen mit schlechter Internetanbindung unattraktiv macht. An der sonstigen Qualität des Spiels ändert dies aber nur wenig.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit: Mit den Spin-offs der Pokémon-Reihe habe ich in den letzten Jahren deutlich mehr Freude gehabt als mit den Hauptteilen, die von mir ohnehin kaum mehr beachtet werden. Sowohl New Pokémon Snap als auch Pokémon-Legenden: Arceus haben gezeigt, welches Potenzial in der Marke steckt. Pokémon Pokopia reiht sich wunderbar in diese Riege ein, obwohl das Gameplay vor allem von Minecraft und Animal Crossing abgekupfert ist. Dies ändert aber nichts daran, dass das Werk voller kreativer Möglichkeiten steckt und mich auf dieser Ebene überzeugt. Es macht mir sehr viel Spaß, die Spielwelt umzugestalten und Habitate für die Pokémon anzulegen. Auch das Erledigen der Aufträge macht mir Spaß, da mich die Aufgaben kreuz und quer durch die Spielwelt jagen und ich diese quasi im Vorbeigehen erkunden kann. Mit neuen Fähigkeiten öffnet sich die Spielwelt fast schon wie in einem Spiel des Metroidvania-Subgenres schrittweise, sodass ich auch nie überfordert werde. Ich hätte es zwar begrüßt, wenn die gesamte Spielwelt zusammengehörig wäre, doch auch die einzelnen Areale bieten genügend Anreize, sie zu erkunden und neue Pokémon kennenzulernen. Lediglich in technischer Hinsicht hätte ich auf der Switch 2 mehr erwartet, denn die Grafik lockt mir nur ein müdes Lächeln hervor und die Musik wirkt häufig uninspiriert. Am sonstigen Gameplay ändert dieser Umstand aber nichts. Falls ihr kein Problem damit habt, dass das Spiel im Handel nur als Game Key Card verfügbar ist, solltet ihr sofort zuschlagen. Ich kann aber auch sehr gut verstehen, wenn ihr aus diesem Grund dem Spiel keine Chance geben wollt. Dann verpasst ihr jedoch eines der schönsten Wohlfühlspiele der letzten Jahre – eine Konsequenz, die sich Nintendo in diesem Falle aber ganz alleine zuzuschreiben hat.

Vielen Dank an Nintendo für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Pokémon Pokopia!

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