Erst vor kurzem haben wir den ersten Teil der Reihe in einem Review vorgestellt. Der Mix aus Mystery und einer kräftigen Portion Anime geht mit Film 2: Mordverdacht Teil 1 in die nächste Runde. Obwohl uns der zweite Film Antworten liefert, wirft er zugleich viele weitere Fragen auf. The Garden of Sinners lockt uns weiterhin gekonnt vor den Flimmerkasten.
Die Handlung von Film 2: Mordverdacht Teil 1 spielt drei Jahre vor den Geschehnissen des ersten Films. Im Jahre 1995 lernt der junge Mikiya Kokutō die ebenfalls junge Shiki Ryōgi kennen, mit welcher er im ersten Teil bereits befreundet war. Obwohl die Freundschaft noch auf wackeligen Beinen steht, fangen die beiden an sich in gewisser Weise zu mögen, doch die Freundschaft wird alsbald durch eine Mordserie getrübt. Auf offener Straße werden fünf Menschen grausam getötet. Mikiyas Cousin arbeitet bei der Polizei – von ihm erfährt er, dass wohl ein Schüler hinter der mysteriösen Mordserie steckt, da am Tatort das Emblem seiner Schule gefunden wurde. Außerdem soll sich der Täter am Ellbogen verletzt haben, was leider auch auf seine Freundin Shiki zutrifft. In Mikiya beginnen zugleich Zweifel und Optimismus zu wachsen. Je besser er Shiki kennenlernt, desto mehr erfährt er über ihr dunkles Geheimnis.
Tiefgreifende Melancholie
Um die Spannung aufrecht zu erhalten, möchten wir auf diesen Punkt in unserem Review nicht eingehen. Durch die zwischenmenschlichen Beziehungen erzeugt der Film eine gerade zu melancholische Stimmung, die sich in vielen ruhigen Momenten widerspiegelt. Wie bereits im ersten Teil entwickelt sich die Geschichte auch hier nur langsam, wartet aber weniger mit poetischen Gesprächen auf. Einerseits ist das schade, da nur wenige Animes einen dermaßen hohen Anspruch erheben. Andererseits begrüßen wir diesen Schritt, da der Film mit circa 58 Minuten erneut recht kurz ausfällt und es für einige Zuschauer vermutlich leichter fallen wird, sich in die Persönlichkeiten hineinzudenken. Bis auf zwei Charaktere werden ebenfalls keine weiteren (wichtigen) Personen eingeführt, die für die Handlung von Bedeutung sein könnten.
Spannende Fortsetzung
Studio Ufotable haben die Gefühle eines Oberstufenschülers zu seiner Mitschülerin gekonnt und glaubhaft in Szene gesetzt. Obwohl er Zweifel daran hat, dass Shiki die Morde begangen habe, glaubt er in seinem tiefsten Inneren an ihre Unschuld. Da auch im zweiten Teil mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet werden, bleibt der Ausgang der Geschichte weiterhin ungewiss, aber spannend. Die deutsche Synchronisation ist gelungen und überzeugen mit denselben Sprechern wie im ersten Teil. Die japanische Synchronisation kann wieder nur mit den nicht abschaltbaren deutschen Untertiteln angeschaut werden – schade! Optisch und akustisch steht der zweite Film dem ersten Teil in Nichts nach. Schön gezeichnete Orte, wie einen Bambuswald oder das Anwesen der Ryōgi werden meistens mit den passenden Klängen unterlegt, was der Atmosphäre sehr zu Gute kommt. Fans freuen sich im Übrigen über die beiliegende Soundtrack-CD mit circa 33 Minuten Spielzeit. Wer den ersten Teil bereits mochte, wird auch mit Film 2: Mordverdacht Teil 1 mehr als nur zufrieden sein.
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit (basierend auf der DVD-Fassung inklusive Soundtrack-CD): Als ich mir vor einigen Tagen den ersten Teil ansah, war ich doch etwas hin- und hergerissen. Einerseits mag ich es nicht, wenn sich mir der Sinn eines Anime nicht erschließen möchte. Andererseits finde ich es gut, dass genug Fragen aufgeworfen werden, die in einem anderen Film beantwortet werden. Dasselbe Konzept findet man in so gut wie jeder TV-Serie und als Serienjunkie kann man sich über dieses System nur freuen. Deshalb fand ich es auch gut, dass wir im zweiten Film einen Zeitsprung von drei Jahren in die Vergangenheit erlebten. Es ist interessant zu wissen, wie sich Shiki und Mikiya kennengelernt haben und wie sich die Freundschaft dann entwickelt hat. Leider endet die Handlung in der Vergangenheit ebenfalls mit einem offenen Ende – da der nächste Film nicht auf den Titel Mordverdacht Teil 2 hört, wird es wohl noch ein paar Wochen dauern, bis sich hier die Lücken schließen. Großen Gefallen habe ich beim zweiten Film allerdings am Soundtrack gefunden. Track 1 auf der Soundtrack-CD hat es mir ganz besonders angetan. Wer die passenden Szenen des Anime kennt, wird das Stück lieben. Während ich mir nun weiterhin den Soundtrack anhöre, freue ich mich indessen auf Film 3.
Vielen Dank an Anime Virtual für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!
