Review: Brave Story

Zwischen der östlichen und westlichen Fantasy-Welt gibt es viele Unterschiede. Während im Westen meist ein gestandener Mann in die Welt hinauszieht, um ein Abenteuer zu erleben oder gegen die bösen Mächte anzutreten, erwartet diese Aufgabe in japanischen Gefilden meist ein junger Bursche. Dieses Klischee wiederholt sich in Brave Story ein weiteres Mal.

Brave Story erzählt die Geschichte des zehnjährigen Jungen Wataru Mitani. In einem alten Gebäude der Stadt soll es spuken! Eine bessere Gelegenheit einen Geist zu sehen, wird es für Wataru und seinen Kumpel nicht geben. Doch anstatt eines Gespenst trifft Wataru auf einen anderen Jungen, der durch eine große, magische Tür tritt. Als Wataru mitsamt seinem guten Freund die Verfolgung aufnehmen möchte, ist diese gigantische Tür nirgends zu finden. Am nächsten Tag bricht für Wataru eine Welt zusammen, denn als er von der Schule nachhause kommt, ist er Zeuge von der Abreise seines Vaters. Dieser hat sich entschlossen, mit einer anderen Frau weiterzuleben und seine Familie zu verlassen. Außerdem kollabiert am selben Abend seine Mutter, welche kurz darauf ins Krankenhaus eingeliefert wird. Wataru trifft abermals auf den Jungen, der am vorherigen Abend durch die magische Tür spazierte. Mitsuru Ashikawa, so der Name des mysteriösen Bengels, erklärt Wataru, wie er sein Schicksal ändern kann. Er erzählt Wataru, dass sich hinter der Tür das Land Vision befindet.

Zwei Wünsche – fünf Juwelen

Wataru hat nur das Wohl seiner Familie im Sinn. Er möchte, dass sich seine Mutter erholt und sein Vater zurück zu seiner Familie kehrt. Der schwächliche Wataru nimmt all seinen Mut zusammen und sucht die Tür auf, die ihn nach Vision führt – ein Land voller Magie und Monster. Bereits kurz nach seiner Ankunft muss sich Wataru einigen Prüfungen unterziehen. Ein weiser Mann drückt Wataru Schwert und Rüstung in die Hand – Anleihen zu diversen Fantasy-Spielen sind nicht nur rein zufällig gewählt. Kurz darauf trifft Wataru auf den Echsenmann Kee Keema und erinnert ein wenig an einige der Bewohner aus Ivalice, einer fiktiven Fantasy-Welt des Final-Fantasy-Universums. Später schließt sich nach anfänglichem Zögern auch noch Katzenartistin Meena an – gemeinsam suchen sie in Vision nach fünf magischen Juwelen, die zum Erfüllen eines Wunsches vonnöten sind. Auch Mitsuru ist auf der Suche nach den sagenumwobenen Juwelen, doch verfolgt er seine ganz eigenen Ziele.

Eine viel zu kurze Buchverfilmung

Brave Story bietet im Grunde alles, was ein guter Fantasy-Film ausmachen sollte. Die Truppe trifft auf böse Zauberer, durchstreift idyllische Städte, greift in einen Krieg ein und auch das Zusammentreffen der beiden Hauptdarsteller ist unausweichlich vorprogrammiert. Alle Teile der Handlung setzen sich zu einem großen Gesamtbild zusammen und erzeugen eine passende Atmosphäre, wie wir sie uns für Brave Story wünschen. Leider kann uns die Geschichte aber nicht vollends überzeugen, obwohl der Regisseur sich deutlich Mühe gegeben hat, das Buch von Miyuki Miyabe in einem Anime festzuhalten. Die Geschichte des Buches ist allerdings so umfangreich, dass man sie nicht einfach so in einen hundertminütigen Anime hätte packen können. Wir sind der Auffassung, dass man die Handlung auf zwei oder gar drei Filme hätte verteilen können. Auch eine ganze Serie wäre denkbar gewesen, da die verschiedenen Teile der Geschichte als solche wunderbar funktionieren könnten. So wird beispielsweise der Krieg inmitten des Films kaum geschildert und auch die Existenz eines durchtriebenen Magiers wird nicht geklärt. Das ist schade, hätte es den Film doch um so viel Gehalt bereichert.

Ketsui no Asa ni

Optisch besticht der Film im schönen 16:9-Format und verzaubert uns mit seinem schönen Soundtrack, insbesondere dem Lied „Ketsui no Asa ni“. Während die japanischen Sprecher sehr, sehr gut zu ihren Rollen passen, sind einige Synchronsprecher der deutschen Fassung fehlbesetzt. Auch wenn der Film eher für die ganze Familie oder für mitteljunge Zuschauer gedacht ist, passen die Sprecher stellenweise nicht zu ihren Rollen. Glücklicherweise wird die japanische Originalsynchronisation mit deutschen Untertiteln unterlegt, welche allerdings auf unserem Testgerät nicht abschaltbar war. Besonderen Gefallen haben wir an der Deluxe-Edition der DVD-Fassung gefunden, da diese mit reichlich und gehaltvollen Bonusmaterial ausgestattet ist. Neben so gut wie allen Fernseh- und Kino-Trailern befinden sich auch zwei Making-of-Beiträge auf der Bonus-DVD. Es wird gezeigt, wie die einzelnen Schritte während des Produktionszeitraums ablaufen und wie der Film zu erst einem europäischen Publikum vorgestellt wird – präsentiert von einer netten Sprecherin und zwei wunderbaren Moderatoren. Brave Story verbeugt sich vor der westlichen Welt – der Film verbindet deren Elemente mit asiatischer Tradition. Fantasy-Fans beider Kulturen sollten sich den Film zumindest einmal ansehen – sofern sie über die vorhandenen Defizite hinwegsehen können.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Deluxe-Edition der DVD-Fassung): Persönlich hat mir Brave Story nicht ganz so gut gefallen. Der Anime hat zwar ganz klar besondere Merkmale, die ich nicht verleugnen kann, doch ist der Film viel zu kurz ausgefallen. Ich mag es gar nicht, wenn ich nur wenige Einzelheiten über die Welt erhalte, wenn ich das Buch nicht kenne. Man hätte tatsächlich mehrere Filme veröffentlichen müssen, um die ganze Geschichte genauestens zu erklären. Auch die teils unpassenden Synchronsprecher der deutschen Version haben mich stark gestört. Abgesehen von diesen Punkten konnte mich der Film trotzdem überzeugen, denn der Soundtrack ist gelungen und die Charaktere ausgearbeitet. Besonders gefreut habe ich mich über die Fernsehwerbespots, die auf dem Bonus-Datenträger zu finden sind. Wataru sitzt dort nämlich dem Moderator der japanischen Version von Wer wird Millionär? gegenüber und muss Fragen über Brave Story beantworten. Ich habe mich köstlich amüsiert. Im Großen und Ganzen bleibe ich aber dabei: Brave Story hätte deutlich mehr Aufmerksamkeit zuteil kommen müssen, um einen wirklich guten Film zu kreieren. Das Endprodukt ist ein Anime, den man gesehen haben kann, aber nicht gesehen haben muss.

Vielen Dank an Anime Virtual für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

2 Kommentare zu “Review: Brave Story

    • @jessica
      Vielen Dank für dein Lob. Es freut mich sehr, dass dir Brave Story und auch unser Review gefallen hat.

      Dein Kommentar musste übrigens erst von uns freigeschaltet werden, da du zuvor noch keinen Kommentar bei uns hinterlassen hattest. 😉

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