Fans von Geheimagent James Bond müssen sich noch bis zum November des nächsten Jahres gedulden, dann läuft der dreiundzwanzigste Bond-Film in den Kinos an. Ende letzten Jahres hat sich Drehbuchautor Bruce Feirstein allerdings die Zeit genommen, die Handlung eines James-Bond-Videospiels zu schreiben – leider weniger gut, als das Bond-Fans lieb ist.
Die Geschichte rundum James Bond 007: Blood Stone ist an vielen Orten angesiedelt. Die Reise führt uns an exotische Orte wie Istanbul, Sibirien, Bangkok oder Monaco. Das Abenteuer beginnt allerdings in Athen, wo der Doppelnullagent einen Bösewicht auf einer Yacht stellen soll. Das die Aktion in einem puren Action-Feuerwerk endet, ist Bond-typisch vorprogrammiert. Dank stupider Feinde ist das Vorankommen in den sehr linearen Levelstrukturen kein Problem. Wir schießen uns den Weg meist frei, nur selten müssen wir Schalter betätigen, um gescriptete Ereignisse in Gang zu setzen. Da werden Panzerwagen von einem Hovercraft oder Rohre auf einen Helikopter fallengelassen und nebenbei auch ein ganzes Kraftwerk in die Luft gesprengt – der Weg durch das circa acht Stunden lange Spektakel ist unumgänglich mit Explosionen gepflastert. Das beschert uns zwar einen Augenschmaus, doch wo die Bond-typische, facettenreiche Handlung im Spiel geblieben ist, würden wir selbst gerne wissen. Immerhin gibt es zwischenzeitlich immer mal wieder eine Verfolgsjagd mit hübschen Sportautos, in die wir auch selbst eingreifen dürfen. Die Fahrphysik funktioniert zwar grundlegend gut, doch verzeiht das Spiel keine Fehler. Meist reicht die Kollision mit einem anderen Fahrzeug schon aus und der Vorsprung unseres Gegners ist schon so groß, dass wir beim letzten Kontrollpunkt neu starten müssen. Bei einigen Strecken müssen wir uns ebenfalls mehrmals die Umgebung gut einprägen, damit wir beim nächsten Mal keine Fehler mehr machen. Dieses Try-and-Error-Prinzip erinnert stark an Spiele wie Mega Man und Co. und ist heute nicht unbedingt mehr fördernd für den Spielspaß.
Dauer-Actionfeuerwerk
Im gesamten Spiel machen wir im Grunde nichts anderes, als uns von einem Gegner zum nächsten voranzukämpfen. Dabei stehen uns unterschiedliche Maschinengewehre, Pistolen und sogar Granatwerfer zur Verfügung. Befinden wir uns in der Nähe eines Gegners, können wir diesen auch im Nahkampf ausschalten. Um in machen Spielsituationen ungesehen voran zu kommen, ist an diesen Stellen auch kein anderer Vorgehen ohne Einsatz von Waffen vorgesehen. Besiegte Gegner hinterlassen ihre Waffen – Munitionsknappheit gibt es in James Bond 007: Blood Stone nicht. Um unsere Feinde zu orten, steht uns unser Smartphone als Gadget zur Verfügung. Aktivieren wir es, sehen wir sofort, wo sich unsere Kontrahenten und auch die nächsten Kontrollpunkte befinden. Zusätzlich gibt es zwischenzeitlich immer mal wieder (opitonalerweise) bestimmte Objekte zu scannen, deren Daten in die Geheimakten wandern – für das Spielerlebnis an sich sind diese Informationen allerdings nutzlos. Immerhin können wir das Smartphone auch noch für weitere Spielelemente verwenden, beispielsweise absolvieren wir für das Knacken einer Tür dadurch Minispiele, indem wir im richtigen Moment auf die richtige (abgebildete) Taste drücken. Vermasseln wir das Türknacken, hat das allerdings keine Nachteile oder Auswirkungen: Wir dürfen es gleich noch mal probieren.
Kurzweilige Action für kurze Nachmittage
Optisch bietet James Bond 007: Blood Stone zwar keine stark aus der Masse herausragenden Grafiken, doch ist der Titel weit entfernt davon zu Spielen der letzten Konsolengeneration zugehören. Während die Umgebungsgrafiken einen ordentlichen Eindruck machen, hätte man die von Daniel Craig, Judi Dench oder Joss Stone verkörperten Charakteren ausführlicher gestalten können. Zumindest sehen sie ihren realen Vorbildern sehr ähnlich und kommen im Falle von James Bond und M auch mit in ihren (deutschen) Synchronsprechern daher. Joss Stone als Bond-Girl auszuwählen, war eine gute Entscheidung, doch zu Liebeleien zwischen ihr und dem Agenten des MI6 kommt es nicht. Die britische Soul-Sängerin hat dafür aber den Titelsong „I’ll take it all“ beigesteuert – das ist nett, aber es hat schon deutlich bessere Songs für Bond-Filme gegeben. Die Steuerung (auf der PlayStation 3) funktioniert nach einer kurzen Eingewöhnungszeit sehr gut, doch warum sich die Entwickler dafür entschieden haben, den Laufbefehl auf die L3-Taste zu legen und den Waffenwechsel auf die Dreieckstaste, ist uns ein Rätsel. Das ist ärgerlich, da man die Tastenkonfiguration auch nicht selbstständig ändern und nur aus einer überschaubaren Anzahl an vorprogrammierten Konfigurationen auswählen kann. Mit einer Spielzeit von bis zu acht Stunden ist James Bond 007: Blood Stone relativ kurz ausgefallen – für zwei bis drei kurze Nachmittage unterhält der Action-Titel aber zumindest die beinharten Bond-Fans., alle anderen können einen Bogen um das Spiel machen.
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit (basierend auf der Nintendo-DS- und PlayStation-3-Fassung): Ende letzten Jahres war es mir bereits möglich, die Nintendo-DS-Fassung des Spiels zu testen. Damals fand ich die Handheld-Fassung auch als außerordentlich gut, weshalb ich die Wertungen der Fachmagazine – in Bezug auf die Konsolenfassung – nicht nachvollziehen konnte. Allerdings fiel die DS-Fassung auch deutlich kürzer und in Anbetracht der kaum vorhandenen Handlung somit auch gehaltvoller aus. Da ich seit April nun auch Besitzer einer PlayStation-3-Konsole geworden bin, war es mir nun auch endlich möglich, die durchschnittliche bewertete PC-, PS3- und Xbox-360-Fassung anzuspielen. Leider kommt die Handlung aufgrund der viel zu langen Action-Sequenzen in James Bond 007: Blood Stone nur selten zur Geltung und am Ende fragt man sich wirklich, welcher Storyline man in den letzten Spielstunden überhaupt gefolgt ist, zumal der Titel mit einem Cliffhanger endet und Freiraum zum Spekulieren lässt. Man hätte hier durchaus mehr aus dem Spiel herausholen können. Der Soundtrack geht zwar in Ordnung und auch grafisch gibt es definitiv Schlimmeres, aber das jeder Gegner wie jeder andere Feind fast auch reagieren muss, ist mir schleierhaft. Als Asien-Fan hat mich dann aber zumindest die Mission in Bangkok zufrieden gestellt. Bei der rasanten Autofahrt durch die thailändische Stadt habe ich richtig Lust auf ein Grand Theft Auto, angesiedelt im asiatischen Raum, bekommen. Schade nur, dass True Crime 3 eingestellt wurde und Rockstar Games mir diesen Gefallen sicherlich nicht tun wird. Immerhin kann ich diese Mission immer wieder aus dem Menü heraus auswählen – ein schwacher Trost. Jener Bond-Fan, der das Spiel günstig ergattern kann, sollte zuschlagen – ansonsten kann man es im Regal getrost stehen lassen.
Vielen Dank an Activision für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!