Review: Inazuma Eleven

Im Land der aufgehenden Sonne sind bis Dato drei Inazuma-Eleven-Spiele auf dem Nintendo DS erschienen, der vierte Teil für Nintendos neues Wunderwerk, dem 3DS, ist bereits genauso wie ein Wii-Ableger angekündigt. Deutsche Fans kommen nach mehr als zwei Jahren zumindest schon einmal in den Genuss der ersten Episode des Fußball-Rollenspiels.

In Inazuma Eleven verkörpern wir den jungen Mark Evans. Er ist Kapitän und Torwart einer Schul-Fußballmannschaft, doch sind es nicht nur die miesen Spielergebnisse, sondern auch die Motivation seines Teams, die ihm den Spaß am Fußballspielen verderben. Eines schönen Tages taucht Axel Blaze, ein neuer Schüler und zugleich ein talentierter Fußballer, in der Raimon Jr. High auf. Mark versucht alles, um Axel in sein Team zuholen, doch der hat mit dem Fußballspielen längst abgeschlossen. Trotzdem schafft es Mark, seine Teamkameraden zu motivieren, um Axel vielleicht doch noch in sein Team zu holen. Im späteren Spielverlauf mausert sich die Truppe zu einer gut trainierten Mannschaft und nimmt sogar an der Football-Frontier-Meisterschaft teil. Der Weg zum Siegespokal ist mit vielen Herausforderungen und Hürden gespickt, welche allesamt bezwungen werden möchten. Zusätzlich warten auf Mark und seine Freunde noch viele kleine Nebengeschichten, die miteinander verwoben sind und vom Fußballalltag geringfügig ablenken. Mit fortlaufender Spielzeit nimmt die eigentliche Handlung zunehmend Abstand von der Realität. Dem Spieler wird eine spannende Geschichte voller Mord(versuche), Intrigen und Freundschaft vermittelt. Obwohl diese Tatsachen den Spieler fesseln können, wirken die Zusammenhänge oft sehr surreal und weit hergeholt.

Rollenspiel im Fußball-Alltag

Inazuma Eleven orientiert sich in den grundlegenden Elementen an anderen Rollenspielen. Wir bewegen uns frei über das Schulgelände und schalten mit zunehmender Spieldauer neue Gebiete wie beispielsweise die Einkaufspassage, das Wohngebiet oder das Flussufer frei. Dort angekommen unterhalten wir uns mit den Stadtbewohnern, um an Informationen über das Fußballspielen oder die Stadt zu gelangen. Gelegentlich stoßen wir auch auf die eine oder andere Truhe, die interessante Gegenstände wie neue Trikots, Schuhe, Armbänder oder Sportdrinks für uns und unsere Kameraden beinhalten. Objekte können übrigens auch in den quer über die Stadt verteilten Geschäften eingekauft werden – in Inazuma Eleven hält Geld allerdings nicht als Zahlungsmittel her. Stattdessen möchten die Inhaber im Tausch für die Ware Elanpunkte von uns sehen, welche wir entweder in Kisten finden oder als Gewinn für die Siege in den Zufallskämpfen erhalten. Sehr oft werden wir mit anderen Mannschaften konfrontiert, die wir in mal längeren, mal kürzeren Fußballspielvarianten besiegen müssen. Entwickler Level-5 hat hier allerdings mitgedacht und die sich gegenüberstehenden Mannschaften auf jeweils vier Spieler pro Team reduziert. In den Zufallsbegegnungen gilt es dann, zu erst ein Tor zu schießen, den Ball einfach nur zu erobern, eine gewisse Zeit lang kein Tor zu riskieren oder auch den Ball vor dem Gegner zu beschützen.

Berechnetes Fußballspielen

In diesen Spielen liegt es allerdings nicht nur am Geschick des Spielers, die Charaktere mit dem Stylus taktisch über das Spielfeld zu manövrieren, sondern rollenspieltypisch auch an den Werten des jeweiligen Charakters. Mit jedem gewonnenen Spiel erhalten alle Charaktere, die am Spiel teilgenommen haben, Erfahrungspunkte. Eine ausreichende Menge dieser Punkte ermöglicht den automatischen Levelaufstieg dieser Person, was verbesserte Werte in Form von Ballkontrolle, Schusskraft oder Kampfgeist mit sich bringt. Diese Werte kommen vor allem dann zum Vorschein, wenn sich zwei Charaktere auf dem Feld begegnen und einen Zweikampf austragen müssen. Hier ist es allerdings auch möglich, dass sich gleich mehrere Charaktere gegenüberstehen werden. Maximal können sich drei Spieler auf jeder Seite gegen die Angreifer wehren, wobei wir auch die unterschiedlichen Basiselemente jedes Charakters beachten müssen. So sind Charaktere des Typs Wind im Vorteil gegenüber Spielern des Typs Erde. Erde dagegen ist stärker als Feuer, Feuer steckt Holz leicht in die Tasche, wobei Holz wiederum im Vorteil gegenüber des Typs Wind ist. Grundsätzlich klingt dieses Vierergespann komplex, doch im eigentlichen Spiel findet dieses Wissen von uns kaum Beachtung, da wir jedes Match auch durch bestimmte Spezialtechniken locker gewinnen können.

Action-geladene Spezialtechniken

Während Torwart Mark auch den stärksten Schuss mit einer riesigen Hand abwehren kann, feuert Stürmer Kevin mit der Kraft eines Drachen seinen so genannten Dragonball in das gegnerische Tor. Später gibt es auch Techniken, die von mehreren (nahezu frei wählbaren) Charakteren angewendet werden können. In einigen Fällen kommt es wegen der Handlung auch dazu, dass wir eine dieser Fähigkeiten auch anwenden müssen, andernfalls ist das Spiel nicht für uns zu gewinnen. Alle Spezialtechniken sind an die so genannten Technikpunkte gebunden, welche jedem Spieler aber nicht unbegrenzt zur Verfügung stehen. Des Weiteren steht jedem Charakter eine gewisse Anzahl an Kraftpunkten zur Verfügung. Je mehr und je dynamischer sich der Spieler während des Matches über das Feld bewegt, desto schneller sinken diese Punkte und desto langsamer wird der jeweilige Spielcharakter. Um das zu erreichen, muss man sich allerdings schon oftmals selbst die Mühe geben und wie verrückt auf den abgebildeten Spieler auf dem Touchscreen klicken, damit sich dieser schneller auf sein Ziel zu bewegt. Im Übrigen wird der Titel innerhalb eines Fußballspiels überwiegend nur mit dem Stylus gesteuert, einzig allein die Kamera aus der Vogelperspektive kann mittels Steuerkreuz oder den vier Knöpfen auf der gegenüberliegenden Seite des Geräts in acht mögliche Richtungen bewegt werden.

Gigantische Spielerauswahl

An dieser Stelle verdient der Entwickler Pluspunkte, dass er Linkshänder in diesem Spiel nicht benachteiligen möchte. Neben den gerade erwähnten Zufallsbegegnungen gibt es in Inazuma Eleven aber selbstverständlich auch Spiele, bei denen sich elf Mann auf dem Spielfeld gegenüberstehen. Dies ist allerdings nur bei speziellen Trainingsspielen und wichtigen Matches gegen andere Mannschaften der Fall. Für errungene Siege gibt es nicht nur die im letzten Absatz erwähnten Elanpunkte, sondern auch Gegenstände und Teamgeistpunkte zu gewinnen. Letztere investieren wir, um neue Spieler für unsere Mannschaft zu begeistern, indem wir sie bei Freundin Celia im Clubhaus über den Bekanntenkreis finden und in einem kurzen Spiel besiegen. Haben wir gegen bestimmte Mannschaften gewonnen, können wir sie bei Silvia zu einem Freundschaftsspiel einladen – bei Nelly hingegen werben wir ab etwa der Mitte des Spiels zufällige Spieler von eben diesen Mannschaften ab. Die schier unendliche Anzahl an möglichen Charakteren sollten wir besonders erwähnen, denn Level-5 hat sage und schreibe mehr als eintausend (!) Fußballer in das Spiel integriert, die wir in die Mannschaft aufnehmen dürfen. Leider konzentriert sich die Handlung nur auf die Hauptcharaktere wie Mark, Axel, Jack, Nathan oder Jude, was in Anbetracht der überdimensional großen Anzahl an möglichen Charakteren auch nicht verwunderlich ist.

Durchwachsene Intelligenz

Optisch besticht der Titel mit einem kunterbunten Grafikstil, der uns sehr an Animes wie Kickers und Co. erinnert. Daran sind die gelegentlich aufkommenden und schön in Szene gesetzten Anime-Sequenzen nicht ganz unschuldig, welche ebenfalls ins Deutsche übersetzt wurden und mit einer guten, aber nicht überragenden Synchronisation daherkommen. Die Musikstücke des Spiels passen wunderbar zu den jeweiligen Ortschaften, doch da die Anzahl an Tracks relativ kurz geraten ist, stören die eigentlich angenehmen Klänge und Geräusche schon nach wenigen Spielstunden. Das Spiel basiert auf derselben Engine wie Dragon Quest IX: Hüter des Himmels, so fühlt sich jede Bewegung über das Schulgelände genauso an, wie in der traditionsreichen Rollenspielreihe. Während die Steuerung beim Erkunden der Stadt und innerhalb der Menüs durchweg positiv, sprich schlicht und einfach ausfällt, ist sie in den Matches anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, doch nach einigen Fußballspielen geht die Bedienung in Fleisch und Blut makellos über. Hier befindet sich dann leider auch einer der Knackpunkt des Spiels. Die künstliche Intelligenz der Gegner ist nicht wirklich facettenreich ausgefallen, bereits nach kurzer Spielzeit haben wir uns dabei ertappt, immer wieder dieselbe Strategie einzusetzen und waren damit durchweg bis zum Ende erfolgreich, da die Gegner oft gleich agieren. Einzig allein die unterschiedlichen Spezialfähigkeiten, die trotzdem allesamt dieselbe Wirkung erzielen, lassen die Gegner voneinander unterscheiden.

Positive Schlussbilanz

Hier sei allerdings noch erwähnt, dass sich Level-5 tatsächlich die Mühe gegeben hat, jeden der über eintausend Charaktere unterschiedlich zu gestalten. Egal ob wir den Charakter nun auf dem Schulgelände antreffen oder mit ihm das Fußballfeld unsicher machen. Sein Äußeres ähnelt keinem anderen Charakter im Spiel – klasse! Seid ihr daran bedacht, jeden einzelnen Charakter ins Boot zu holen, seid ihr mit Sicherheit mehr als fünfzig Spielstunden beschäftigt, ansonsten flimmert nach circa zwanzig Stunden der Abspann über die DS-Bildschirme. Nach dem Durchspielen ist aber noch lange nicht Schluss, dann könnt ihr immer noch jegliche Charaktere mit euren Freunden tauschen und euch dabei eine unschlagbare Mannschaft aufbauen, allerdings nur offline. Die Online-Modi beschränken sich nur auf die Downloads diverser Charaktere und Gegenstände, welche allerdings Woche für Woche erweitert werden sollen. Beim finalen Testzeitpunkt standen am 27. April 2011 zwölf Spielcharaktere und drei Gegenstände zur Verfügung. An dieser Stelle hat Level-5 deutlich Punkte verschenkt, denn Spieler ohne Internetzugang kommen nicht in den Genuss aller Spielverstecke und leidenschaftliche Fußballer haben keine Möglichkeit, sich online zu duellieren. Rollenspieler und Fußball-Fans werden in Inazuma Eleven gleichermaßen bedient und haben die Möglichkeit, die Fußballmannschaft ihrer Träume zu erstellen. Außerdem sei noch erwähnt, dass für den 24. April 2011 der Start des Animes auf RTL2 geplant war, leider fand die Ausstrahlung nicht statt. Schade, denn das wäre eine gute Möglichkeit für euch gewesen, die Persönlichkeiten kennenzulernen. Wenn ihr kein Problem damit habt, witzige Charaktere mit übermenschlichem Können durch eine surreale Geschichte zu führen, werdet ihr mit Inazuma Eleven bestens bedient und werdet so schnell kein vergleichbares Spiel im Regal entdecken.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit: Wer mein Fazit zum Review zur Anime-Serie der Kickers gelesen hat, wird sehr gut wissen, dass ich mit Fußball im Grunde rein gar nichts anfangen kann. Trotzdem hat mich das vorliegende Nintendo-DS-Spiel genauso gefesselt wie die eben genannte Serie und ich kann es mir auch nicht logisch erklären, warum das so ist. Vermutlich liegt es vor allem an der nett gestrickten Handlung, welche ich mit den liebevoll designten Charakteren erleben kann. Besonders anfangs kann man deutlich sehen, dass sich die Entwickler an den Kickers orientiert haben, wenn die Geschichte auch schon bald andere Formen annimmt. Gegen Ende hat mir diese aber nicht mehr ganz so gut gefallen, da die Entwickler wohl wirklich der Meinung gewesen sein müssen, dass man Mord- und Todschlag mit dem Fußballspielen gleichsetzen kann – schwach. Sobald es aber darum geht, auf dem Rasen miteinander Fußball zu spielen, haben es die Entwickler durch die zahlreichen Spezialfähigkeiten ebenfalls übertrieben, allerdings zu meinen Gunsten. Wenn die Fußballspiele ebenfalls so langweilig inszeniert wären, wie im wahren Leben, hätte ich schon bald keine Freude mehr an dem Game gehabt. Schade nur, dass die Entwickler sich nicht die Zeit genommen haben, die künstliche Intelligenz der Gegner facettenreicher zu gestalten. Schon nach kurzer Spielzeit hatte ich den Dreh raus und habe meine, von der Handlung her überlegenen Gegenspieler, problemlos besiegen können. Da ich mit Fußball, wie eingangs erwähnt, nichts anfangen kann, ist das eine ebenfalls so schwache Leistung, wie keinen Online-Modus in das Spiel zu integrieren. Gerne würde ich mein Können gegen richtige Profis unter Beweis stellen, doch das wird mir in dem Spiel verwehrt. Jetzt bleibt nur noch zu hoffen, dass Nintendo auch die restlichen Ableger der Reihe in Europa veröffentlichen wird, denn das Spiel hat mir trotzdem sehr viele Stunden Freude bereitet und so schnell komme ich vom Spielprinzip bestimmt nicht mehr los.

Vielen Dank an Nintendo für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

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