Review: Angel Beats! Vol. 1

Engel werden in vielerlei Hinsicht als übernatürliche und gute Wesen dargestellt. TV-Serien wie Supernatural gehen da ein Stück weiter und präsentieren sie als zwiespältige Diener Gottes. Angel Beats! knüpft an diese Theorie an und stellt uns einen durchtriebenen Engel vor.

Eines Nachts wacht der junge Otonashi auf dem Gelände einer ihm fremden Schule auf. Kurz darauf wird er mit einem Mädchen konfrontiert, welches Jagd auf einen weiblichen Engel macht. Otonashi erkennt, dass er das nicht träumt und so gesteht er sich selbst ein, dass er wohl tot sei. Als der Engel ihn jedoch tötet und er morgens im  Krankenzimmer der Schule wacht, versteht er die ihm bekannten Gesetze der Physik nicht mehr. Er beschließt, Yurippe, das Mädchen aus der Nacht zuvor, aufzusuchen und schließt sich nach anfänglichem Zögern ihrer Front an, die es sich zum Ziel gesetzt hat, den Engel zu töten. Während sich die Freunde den Tag über auf dem Schulgelände tummeln, dem Schulunterricht folgen und an Prüfungen teilnehmen, überlegen sie sich nach den Aktivitäten, wie sie die Dienerin Gottes besiegen können. Diese ist nämlich mit übernatürlichen Fähigkeiten ausgestattet und macht keinen Halt davor, diese einzusetzen und Otonashi und seine Freunde immer und immer wieder aufs Neue umzubringen. Um Gegenwehr zu leisten, wird die Front durch eine unterirdische Gilde mit Waffen beliefert, die in den Auseinandersetzungen zum Einsatz kommen. Da die Front nichts zu verlieren hat und abseits der Kämpfe lediglich die Schulregeln zu befolgen hat (ansonsten drohe eine unausweichliche Auslöschung), entfacht fast täglich immer und immer wieder derselbe Kampf gegen den Engel.

Kleine Kulisse

Die ersten fünf Episoden von Angel Beats! handeln fast ausschließlich von der Front, welche ihren Namen grundsätzlich jede Woche aufs Neue ändert, um irgendwann vielleicht einmal einen passenden Titel für die Widerstandsbewegung zu finden. Mit unterschiedlichen Mitteln, entweder durch den Einsatz durch Waffengewalt, einer Baseball-Herausforderung oder durch Betrügereien in den Prüfungen, geht die Front gegen das fast göttliche Wesen vor. Dabei lockt uns der Anime immer wieder ein Schmunzeln aufs Gesicht, wenn zum Beispiel alle anderen Schüler plötzlich als Nichtspielercharaktere bezeichnet werden, da diese nicht gestorben sind und nur zur glaubhaften Verzierung in der Welt von Angel Beats! existieren. In einer anderen Situation wird Otonashi von einem Frontmitglied ganze einhundert Mal in Folge mit einem riesigen Beil getötet – dabei läuft dann wiederum ein Zähler am unteren Bildschirmrand. Die vielen Hommagen an Videospiele oder Filme unterstützen den Humor des Anime an vielerlei Stellen. Der Rest wird dann von den unterschiedlichen Charakteren erledigt, die mit viel Witz, aber auch Ernsthaftigkeit überzeugen können. Sämtliche Dialoge zwischen den Charakteren würden sogar wunderbar in den Schul- und Nachmittagsalltag einer realen Clique passen (der Inhalt der Gespräche wäre natürlich als ersetzt anzusehen). Obwohl Angel Beats! mit einer sehr interessanten Geschichte punktet, wird diese nur wenig zusammenhängend an den Zuschauer vermittelt. Das liegt vor allem an der bisher recht kleinen Welt.

Engelsgleicher Anime

Das Internat lässt zwar im Grunde genügend Freiraum für die gesamte Storyline, doch mit Hogwarts aus den Harry-Potter-Romanen lässt sich die Schule keinesfalls vergleichen. Da sich der Hauptcharakter allerdings nicht an sein früheres Leben erinnern kann, bietet der Anime zumindest etwas, worauf er hinarbeiten kann. Optisch besticht der Anime mit wunderschön gezeichneten Hintergründen und wunderbar und mit vielen Animationen in Szene gesetzten Charakteren. Selbst Nebencharaktere sind ähnlich gut gezeichnet, wobei unwichtige Persönlichkeiten dezent im Hintergrund verbleiben. Das im 16:9-Format gehaltene Bild wird mit einer Tonspur in Dolby Digital 2.0, sowohl in Deutsch, als auch in Japanisch unterlegt. Während Anime-Fans die japanische Originaltonspur (wahlweise mit Untertiteln) bevorzugen werden, punktet die deutsche Synchronisation mit bekannten Stimmen, wie etwa die von Tim Sander für die Rolle des Hinata. Der Soundtrack passt sich derweil passend dem Geschehen an. So ist jederzeit eine stimmige Atmosphäre gewährleistet. Besonders die mit tollem Gesang unterlegten Stücke sind ein echtes Highlight in der gesamten Anime-Szene. Während in der ersten Ausgabe von Angel Beats! nur die ersten fünf Episoden enthalten sind, folgen in den nächsten beiden Boxen die anderen acht Folgen.

Nutzloses Bonusmaterial

Eine Episode ist ungefähr 23 Minuten lang, die Pilotfolge sogar zwei Minuten länger. Am Ende einer jeden Folge erhält der Zuschauer einen Ausblick auf die nächste Ausgabe. In der Serie selbst ist dies ein weißes Bild, welches mit japanischen Schriftzeichen alsbald gefüllt wird und wobei im Hintergrund quer durcheinander gesprochene Dialoge ertönen. Als Bonusmaterial liegen diese Ausblicke sogar mit Szenen aus der jeweiligen Episode vor. Eine Episode haben (vermutlich) die Synchronsprecher auch mit einem Audiokommentar unterlegt, welchen wir allerdings nicht als empfehlenswert erachten. Im über die ganze Episode erstreckenden Audiokommentar findet keine ordnungsgemäße Vorstellung statt und anstatt über den Anime zu diskutieren oder Hintergrundwissen zu vermitteln, halten sich die Stimmen hinter dem Mikrofon mit sehr langweiligen Witzen und nutzlosen Informationen auf. Warum dies das Entwicklerstudio Progressive Animation Works zugelassen hat, verstehen wir nicht. Abseits dieses Mankos können wir den Anime (der hierzulande übrigens nur auf DVD und nicht auf Blu-ray erschienen ist) allerdings jedem empfehlen, der mit Ungereimtheiten leben kann und sich in den restlichen Episoden vielleicht das eine oder andere Mal überraschen lassen möchte. Wer das Intro und das Outro des Animes ohne störende Texte ansehen beziehungsweise anhören möchte, hat ebenfalls die Möglichkeit dazu.  Uns hat Angel Beats! Vol. 1 neugierig auf weitere Abenteuer mit Otonashi, Yurippe und dem Engel gemacht.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der DVD-Fassung): Im Vorfeld geht es bei einem Anime für mich eigentlich immer um die Präsentation. Ich mag es, wenn die Hintergründe einen Stil wie etwa bei The Garden of Sinners, Mein Heimatland Japan oder Das Mädchen, das durch die Zeit sprang aufweisen und dazu noch mit der modernen japanischen Kultur spielen. Dies ist bei Angel Beats! Vol. 1 der Fall und so hat die Serie aus dem Land der aufgehenden Sonne direkt meine Aufmerksamkeit gewonnen. Die Geschichte rund um Otonashi, Yurippe und Konsorten hat mir zu Beginn sehr gut gefallen, doch schon kurz darauf ist sie schnell abgeflaut, da für mich zu oft eher unwichtige Punkte das Geschehen stören. Eigentlich mag ich so etwas, doch da die Serie auf dreizehn kurze Episoden ausgelegt ist, bin ich eher der Meinung, dass man alles wichtige auch in einen abendfüllenden Film stecken könnte. Ich bin deshalb schon sehr darauf gespannt, wie sich die Handlung entwickeln wird. Optisch und akustisch schafft es der Anime jedenfalls schon mal, mich auch bei den letzten Episoden durchgehend bei Laune zu halten, sofern keine gravierenden Änderungen stattfinden werden. Abschließend möchte ich mich noch über den lächerlichen Audiokommentar des Animes auslassen. Da Audiokommentare bei Animes nämlich relativ selten sind (zumindest hierzulande), habe ich mich auf diesen sehr gefreut und wurde im Nachhinein richtig enttäuscht. Da finde ich selbst Uwe Bolls Audiokommentare von seinen Filmen lustiger, wo er unter anderem bei der Aufnahme der Tonspur einfach mit seiner Produktionsfirma telefoniert. Das, was für die erste Angel-Beats!-Episode gemacht wurde, ist bei weitem nicht damit zu vergleichen. Hoffentlich erwartet mich so ein Ausfall nicht bei der nächsten DVD von Angel Beats!, denn darauf kann ich getrost verzichten.

Vielen Dank an Universum Film für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Angel Beats! Vol. 1!

4 Kommentare zu “Review: Angel Beats! Vol. 1

  1. Ich fand den Audiokommentar sehr lustig, da er sehr gut zum Humor der Serie passt. Wenn ich mich nicht irre, wurde er von Jun Maeda, der auch die Scripts geschrieben hat, geschrieben und die Seiyuus tragen ihn als ihre Charaktere vor. Das ist in Japan gerade sehr beliebt und wird bei vielen eher humorvollen Serien gemacht (z.B. Bakemonogatari, Hanasaku Iroha, Haganai). Japanische Audiokommentare sind oft etwas witziger und es wird viel Quatsch geredet, das war früher auch schon so. Da viele Seiyuus auch Radio-Shows machen, können sie auch ganz gut improvisieren und sich gut selbst darstellen, weswegen es vielen Spass macht dort zuzuhören. Es hat mich sehr gefreut, dass Universum Anime zumindest einen Audiokommentar pro Disc geliefert hat. Ist halt Geschmackssache und hier konnten die Seiyuus wirklich zeigen, wie schnell sie in-Character sprechen können. Das kriegen deutsche Sprecher wohl eher nicht hin, da ihnen dafür einfach die Übung für so etwas fehlen dürfte…

  2. Pingback: Heavenly-Mangas » Blog Archive » News: Gewinnt Angel Beats Vol. 1 bei unserem Partner Gameplay Gamers!

  3. Da ich die Serie schon kannte, wurde ich leider von einigen Stellen der Deutschen Version des Animes restlos enttäuscht. Dies liegt vor allem an der deutschen Synchronisation, bei der mir es vorkam, als hätten die Ersteller der Texte sich nicht mal das Original angesehen. Dabei liegt es, finde ich, nicht an der Qualität der Sprecher selbst, sondern an das was sie sagen. Sogar meine Lieblingsstelle der gesamten Serie (Ich sag nur Hinata geht an die Decke xD ep.5) wurde meines Wissens nach etwas falsch übersetzt, wodurch ein sehr guter Witz flöten ging.

    • @Critsch
      Erst einmal vielen Dank für deinen Kommentar. Ein bekanntes Problem bei Übersetzungen ist oftmals der Kulturunterschied. Während in einer Fassung etwas witzig sein kann, ist die direkte Übersetzung in der anderen Version vielleicht nicht mehr so mit Humor vollgepackt. Leider können wir dir hier nicht sagen, ob das auch auf die besagte Szene mit Hinata zutrifft. Leider ist es aus zeitlichen Gründen für uns auch nicht möglich, jede Szene auf die genaue Übersetzung zu achten, doch wir finden es toll, dass es Fans wie dich gibt, die so etwas bemerken. Solange die Übersetzung allerdings im gesamten Kontext keine Makel aufweist, was bei Angel Beats! Vol. 1 der Fall ist, sollte dies aber nicht an der Qualität des Animes ändern.

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