Review: Bunraku

Manche Filme sind so obskur aufgebaut, dass sie bereits nach dem einmaligen Ansehen ihre Fans finden, die den Streifen fortan zu ihren Geheimtipps und Kultfilmen zählen. Bunraku gehört zu dieser Sorte Film, der mit flotten Sprüchen und tollen Darstellern punktet.

Über die Jahrhunderte hinweg haben die Menschen immer wieder neue Wege gefunden, sich und die Welt um sie herum, zu zerstören. Nach unzähligen Kriegen sind die Menschen in der Welt von Bunraku zum Schluss gekommen, diese Zerstörungswut in Zaum zu halten. Fortan waren Schusswaffen verboten, doch es kam, wie es kommen musste. Als einst Feuerwaffen das Schwert ersetzten, ersetzt die Nahkampfwaffe in Bunraku die Ballermänner. Nun ist jener an der Macht, der der Stärkste ist. Als eines Tages, östlich des Atlantiks, in einer aus vielen Kulturen bestehenden Stadt, zwei Männer in einer Bahn fahren, ahnen sie da noch nicht, dass ihre Schicksale miteinander verknüpft sind. Der Fremde (verkörpert Josh Hartnett) ist auf der Suche nach dem Gangster Nikola (Ron Perlman), doch als Yoshi (gespielt vom japanischen Schauspieler Gackt) in die Sushi-Bar seines Onkels mit den Roten (der Armee von Nikola) in Verbindung tritt, wird auch er auf Nikola aufmerksam. Während Yoshi anfangs noch weitgehend versucht, seine Konflikte ohne Gewalt zu lösen, greift der mysteriöse Fremde in der Regel sofort an. Unterstützt durch einen Barkeeper (Woody Harrelson) planen sie, den Gangsterboss von seinem Thron zu stürzen. Eine Geschichte rundum Rache, Frauen, Kämpfe, Popup-Bücher, Korruption und Blut entbrennt – es ist die Zeit für Helden.

Popup-Bilder

Erzählt wird die Geschichte zwischendurch immer wieder von einem Hintergrundsprecher (in der deutschen Fassung ist es der Synchronsprecher von Samuel L. Jackson) unterbrochen, der dann schon mal mit zynischen und mal mit gesellschaftskritischen Kommentaren die Story bereichert. Diese Stellen sind meistens Übergänge zur nächsten Szene. Diese Filmabschnitte sind deswegen besonders gut gemacht, weil hier mit Popup-Bildern hantiert wird. Das mag im ersten Moment banal klingen, doch wer die Hintergründe des Barkeepers kennengelernt hat, wird auch diesen modischen Gag verstehen. Lustigerweise ist sich solch ein Popup-Bild auch in der Packung des Films (zumindest in der Blu-ray-Verpackung) mit eingearbeitet. Klasse, so etwas schätzen wir sehr. Wer den Film zum ersten Mal schaut, wird von der kuriosen Machart der Kulissen wohl zuerst ein wenig erschreckt werden. Fenster, Bodenplatten oder Türen werden von sehr unterschiedlichen Formen geprägt. Zudem dominieren Rot- und Grautöne das Bild. Nach einigen Minuten fällt das aber gar nicht mehr störend auf. Es ist geradezu erheiternd, einen neuen Stil zu erleben, der mit tollen Schauspielern verbunden wird. Josh Hartnett, Woody Harrelson, Gackt und Demi Moore hauchen ihren Persönlichkeiten gekonnt Leben ein. Wer jetzt aber Dialoge eines Kill Bill Vol. 1 und 2 erwartet, wird wohl enttäuscht. Den Sprüchen merkt man an, dass sie sich an den Werken von Quentin Tarantino orientieren möchten.

Stilistischer Film

Letzteres gelingt Regisseur Guy Moshe nicht, doch die Gespräche können für sich genommen punkten, da sie dem Film etwas Unverkennbares geben. Die im Film auftretenden Kämpfe gehören leider nicht zum Besten, was wir bisher in Filmen gesehen haben. Martial-Ars-Filme aus dem asiatischen Raum haben Bunraku einiges voraus. Wer aber wert auf unkomplizierte Auseinandersetzungen legt, wird zumindest zufriedengestellt. Das in 1080p vorliegende Bild der Blu-ray macht ein gutes Bild, doch aufgrund der vielen kargen Stellen bleiben die wahren Überraschungsmomente in Bezug auf die Bildqualität meistens aus. Der Ton liegt in DTS-HD 5.1 Master Audio vor, sowohl im Deutschen als im englischen Original. Leider wurde der Ton im Deutschen nicht gut abgemischt. So ist die Synchronisation der Charakter oft leiser als die Umgebungsgeräusche. Bis auf eine kurze Stelle im Film ist es aber dennoch möglich, alles von der Story mitzubekommen, ohne auf die Rückspultaste zu drücken. Der Action-Film wird dabei 119 Minuten lang mit einem passenden, aber nicht überragenden Soundtrack unterlegt. Bonusmaterial ist allerdings nicht auf der Blu-ray enthalten, was wir sehr schade finden. Wir hätten gerne erfahren, wie der Regisseur auf die Idee zum Film gekommen ist und sicherlich wären Interviews mit den Hauptdarstellern ebenfalls interessant gewesen. Wer Lust auf einen stilistischen Film und etwas anderes fernab dem Hollywood-Einheitsbrei sucht, schlägt zu.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Ich habe mir sehr viel erhofft, als ich den Film als Rezensionsexemplar geordert hatte und wurde leider ein wenig enttäuscht, zunächst. Der Stil des Films ist wirklich gewagt und die Architektur der Kulissen mutet schon seltsam an, doch trotzdem konnte ich mich schnell in die kuriose Story und die Erzählweise einfinden. Josh Hartnett, Gackt, Woody Harrelson – da hat man schon direkt ein tolles Dreiergespann, welches sich gegen Ron Perlman und Kevin McKidd auflegt. Schauspielerin Demi Moore kommt mir da meiner Meinung nach viel zu kurz, ihr Talent kann sich in Bunraku kaum entfalten. Es kann aber auch gut sein, dass ich meine Erwartungen vielleicht viel zu hoch angesetzt habe. Als Fan vom unumstrittenen Meisterwerk Kill Bill Vol. 1 habe ich mir vielleicht genau so etwas bei Bunraku vorgestellt, doch dem war leider nicht so. Die Kämpfe sind langweilig und an die Sprüche muss man sich erst gewöhnen, doch letztere können bei mehrmaligen Ansehen sicher ihr volles Potential entfalten. So ist es mir damals ja auch mit Kill Bill Vol. 1 und 2 ergangen. Vollends möchte ich den Film nicht empfehlen, doch wer mal einen andersartigen Film im Regal stehen haben möchte, greift zu und vermutlich auch nur dann.

Vielen Dank an Splendid Film für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Bunraku!

Ein Kommentar zu “Review: Bunraku

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