In den letzten Monaten hat Anime Virtual alle 16 beziehungsweise 17 Filme des Dragonball- und Dragonball-Z-Universums veröffentlicht. Mit den drei TV-Specials zu Dragonball Z und Dragonball GT schließt sich der Kreis von Akira Toriyamas Meistwerk.
Wenn die fiktive Welt eines Animes immer größer und größer wird, werden mit der Zeit wohl oder übel Fragen aufgeworfen, die nicht direkt vom Erfinder, Regisseur oder Drehbuchautor beantwortet werden können und schlussendlich vergessen werden. Ganz so krass, wie es die Fernsehserie Lost vorletztes Jahr getroffen hatte, sind die Lücken im Dragonball-Franchise nicht. Unwichtige Dinge bleiben ungelöst, doch elementare Bestandteile der Geschichte rund um Son Gokū und seine Freunde werden nun endlich geklärt. Im ersten von drei TV-Specials wird die Herkunft unseres geliebten Helden erläutert. Aus Erzählungen wissen wir, dass Son Gokū ein Saiyajin ist und vom Planeten Vegeta stammt. Seinen Vater Bardock hat er niemals kennen gelernt, doch dazu haben wir jetzt in Son Gokus Vater endlich die Gelegenheit. Bei einem Auftrag auf dem Stern Kanassa prophezeit ihm ein Einheimischer vor dessen Tod das Ende der Saiyajin-Rasse. Durch seine dadurch neu gewonnene Fähigkeit, in die Zukunft zu blicken, erkennt Bardock, dass sein Auftraggeber Freezer den Planet Vegeta auslöschen wird und er sein Volk warnen muss. Zeitgleich gewinnt der junge Prinz Vegeta immer mehr Kraft und wird vor der Vernichtung seines Heimatplaneten auf seinen ersten Auftrag geschickt. Son Gokū wird hingegen mit einer Raumkapsel auf den Planeten Erde geschickt, wo die Handlung von Dragonball mehr als zehn Jahre später ansetzen wird.
Dunkle Zukunftsaussichten
Im späteren Handlungsverlauf von Dragonball Z erkrankt unser Held Son Gokū unweigerlich an einer Krankheit, gegen die er mit seiner enormen Kampfstärke nichts ausrichten kann. Er stirbt und das hat zufolge, dass ein halbes Jahr später die anderen Z-Kämpfer nichts gegen die Bedrohung der beiden Cyborgs C17 und C18 ausrichten können und somit ebenfalls dem Tod geweiht sind. Nur Son Gohan schafft es, dreizehn Jahre lang immer wieder gegen die Cyborgs anzutreten und zu überleben, doch ganz alleine wird er niemals dazu im Stande sein, die Widersacher zu besiegen – deshalb möchte Trunks von ihm unterrichtet werden. Jedoch wird schon bald in einem Kampf gegen die Cyborgs sogar Son Gohan getötet und selbst Trunks ist den Feinden unterlegen, kann jedoch von Ärzten wieder zusammen geflickt werden. Wer die Serie Dragonball Z gesehen hat, wird wissen, dass die Geschichte von Trunks zwanzig Jahre in der Vergangenheit weitergeht. Mittels einer Zeitmaschine, die von Bulma erfunden wurde, kann Trunks Son Gokū mit einer speziellen Medizin retten und die Geschichte zum Wohl der Menschheit umschreiben. Das Dragonball-GT-TV-Special spielt hingegen in weiter Zukunft. Nach dem Sieg gegen Super 17 kehrt auf der Erde der Frieden ein, der einhundert Jahre lang währen sollte. In dieser Zeit lebt nur noch Pan, gemeinsam mit ihrem Enkel Son Gokū Junior, welcher nach seinem Ururgroßvater benannt wurde.
Der Kreis schließt sich
Als Pan einen Herzinfarkt erleidet, kann es Son Gokū Junior nicht fassen. Er erinnert sich an eine alte Erzählung seiner Großmutter. Somit beschließt er in die Ferne zu ziehen und den mit Sagen umwobenen Dragonball vom Berg Paos zu holen, damit es seiner Großmutter sehr bald wieder besser geht. Auf seiner Reise wird Son Gokū Junior von einem seiner Schulkameraden begleitet, mit dem er unterwegs einige Abenteuer erleben wird. Zudem muss unser neuer Held erst einmal erlernen und beweisen, was wahrer Mut bedeutet und wahre Stärke ausmacht. Für den einen oder anderen Dragonball-Fan mag dies vielleicht etwas komisch wirken, zumal das Geschlecht von Son Gokū sonst stattliche Krieger hervorgebracht hat. In Zeiten des Friedens und des Wohlstands ist es aber wohl eher logisch, dass Son Gokū Junior kein durchtrainierter Krieger ist, auch wenn die Kampfkunst von einer Generation zur nächsten hätte weitervererbt werden können. Immerhin erreicht unser Held sein Ziel und entdeckt etwas, was ihn für alle Zeit an seinen Ururgroßvater erinnern wird, genauso wie es damals bei Son Gokū der Fall war. Die Köpfe hinter diesem Projekt haben gezeigt, dass sie – obwohl die Geschichte sonst eigentlich recht mau ist und keine großen Höhepunkte aufweist – für das Franchise einstehen und somit quasi an die Anfänge der Legende von den Dragonballs zurückgehen. Der Kreis schließt sich und wir erinnern uns an viele schöne Momente.
Das Song-Debakel
Obwohl alle drei Filme auf das 4:3-Format ausgelegt sind und man daher glauben könnte, sie seien auch optisch bereits vertagt, können wir nun deutlich sagen, dass dies nicht der Fall ist. Alle Charaktere und Umgebungen wurden mit den bekannten Farbtönen koloriert und wirken im Gesamtbild wie für das Franchise gewohnt stimmig. Für die drei Specials standen einmal mehr die deutschen Synchronsprecher aus der Serie für ihre Rollen Pate, uns ist jedenfalls kein Stimmenwechsel bei den Hauptcharakteren aufgefallen. In der deutschen, sowie in der japanischen Sprachausgabe ist der Ton im Dolby-Digital-2.0-Format gehalten. Wer Japanisch versteht, wird sich aber wohl darüber ärgern, dass die japanische Tonspur zwangsweise nur mit deutschen Untertiteln anzusehen ist. Das ist sehr schade, zumal wir diesen Punkt schon oft bei Anime-Virtual-Produkten bemängelt haben. Bei den beiden TV-Specials zu Dragonball Z wurde übrigens in der deutschen Fassung wieder das Eingangslied gestrichen, während es bei der japanischen Tonspur (auf Japanisch) enthalten ist. Selbiges gilt dann auch für die Songs am Ende der beiden Filme. Bei der deutschen Tonspur erklingen wieder einmal nur einfache Musikstücke und in der japanischen Ausgabe erklingen einmal mehr tolle Songs. Einzig allein beim Special zu Dragonball GT hat man sich die Mühe gemacht, Songs einzuspielen.
Fehlende Minuten
Da ist dann zwar das Titellied nicht gänzlich dasselbe wie in der dazugehörigen Serie und bei weitem auch nicht so gut, doch da am Ende noch ein anderer Song (sowohl im Deutschen als auch im Japanischen) geträllert wird, können wir darüber hinwegsehen. Noch ärgerlicher ist da aber die Angabe einer falschen Laufzeit auf der optisch hübschen und griffigen Box der drei TV-Specials. Wird dort von einer gesamten Laufzeit von 210 Minuten gesprochen, so kommen wir beim Nachrechnen auf einen völlig anderen (darunterliegenden) Wert. Son Gokus Vater hat eine Laufzeit von etwa 47 Minuten, Die Geschichte von Trunks und Son Goku Jr. jeweils ungefähr 45 Minuten. Das macht summa summarum 137 Minuten. Das sind immerhin 73 Minuten, die uns hier mehr versprochen werden. Das Preisleistungsverhältnis ist hierbei im Vergleich mit den bisherigen Filmboxen mangelhaft, immerhin entsprechen 73 Minuten einen fast vollwertigen Film. Bonusmaterial ist auf den drei Datenträgern übrigens nicht enthalten, was im Angesicht der kurzen und auch der fehlenden Laufzeit ebenfalls nicht gerade positiv ist. Inhaltlich können zumindest die Specials zu Dragonball Z sehr überzeugen, Son Goku Jr. fällt im Vergleich etwas ab, ist aber bei weitem kein schlechter Film. Man kann ihn schlecht mit den vorherigen Ereignissen vergleichen, doch im Kontext gesehen macht er Sinn und jetzt wo sich der Kreis am Ende des Dragonball-GT-Specials quasi geschlossen hat, freuen wir uns nun sehr auf die Fernsehserie von Dragonball, die ab Ende April ebenfalls von Anime Virtual vertrieben werden wird.
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit (basierend auf der DVD-Fassung): Es ist wirklich erstaunlich, seit wie vielen Jahren sich das Dragonball-Universum bei Fans größter Beliebtheit erfreut. Mit den drei TV-Specials zu Dragonball Z und Dragonball GT schließt sich in gewisser Weise der Kreis der Geschichte, denn wenn Son Gokū Junior den Dragonball mit den vier Sternen findet, muss ein Fan wie ich es einer bin unweigerlich an die ersten Szenen des klassischen Animes denken. Ansonsten fand ich das Dragonball-GT-Special nicht sonderlich spannend. Zum einen habe ich vor unzähligen Jahren bereits die Comicadoption gelesen und zum andern zieht sich die Story durch unzählige Momente, die man von Dragonball so nicht gewohnt ist. Da finde ich die beiden Specials zu Dragonball Z, in dem ich zum einen vieles Wichtige über Son Gokūs Vater erfahre und zum anderen den eigentlich wahren Zeitstrang nach Son Gokūs Tod einmal mit den eigenen Augen sehe. Unter diesem Aspekt kann ich die drei Specials jedem Fan von Dragonball nur wärmstens empfehlen, allerdings sollte man vielleicht darauf warten, dass Anime Virtual mit dem Preis nachlässt. Eine Ware mit falscher Laufzeit auf der Verpackung zu verkaufen, dürfte bei dem einen oder anderen Käufer nach Bemerkung des blöden Fehlers sicherlich bitter aufstoßen. Ich für meinen Teil werde Son Gokus Vater mit Sicherheit noch einmal anschauen, bevor ich Ende April mit der Serie von Dragonball endlich nachlege, denn einen besseren Einstieg in diese Serie könnte ich mir im Moment nicht vorstellen.
Vielen Dank an Anime Virtual für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Dragonball Z / GT TV-Specials!