Review: Prince of Persia

1989 schickt Jordan Mechner seinen persischen Prinzen zum ersten Mal in ein Abenteuer. Da ist ihm sicherlich noch nicht bewusst, welchen Siegeszug sein Held in den nächsten zwanzig Jahren antreten wird, auch wenn viele Titel der Reihe ohne sein Zutun entwickelt werden.

Prince of Persia ist in einer Zeit der Finsternis angesiedelt. Der Sultan kämpft in einem fernen Krieg und der durchtriebene Großwesir versucht derweil die Macht über das Reich an sich zu reißen. Um dieses Ziel zu erreichen, muss der Großwesir ein weiteres Hindernis überwinden – er muss die Prinzessin heiraten, die sich natürlich dagegen wehrt. Er stellt ihr ein Ultimatum. Innerhalb von einer Stunde muss sie sich dazu entschließen, den Großwesir zu heiraten oder zu sterben. Auf die Hilfe ihres Prinzen kann sie ebenfalls nicht setzen, denn der Bösewicht hat ihn kurzerhand in den Kerker des Palastes geworfen. Genau dann schlüpfen wir in die Rolle des titelgebenden Prinzen. Wir müssen aus den tiefen Verliesen entkommen, uns gefährlichen Palastwachen stellen, Fallen überwinden und leichte Rätselkost lösen. Dabei liegt uns die Zeit im wahrsten Sinne des Wortes im Nacken, denn die Zeitvorgabe des Großwesirs ist nicht willkürlich gewählt, denn uns bleiben tatsächlich nur sechzig Minuten in Echtzeit, um unsere geliebte Prinzessin aus den Fängen unseres Gegenspielers zu befreien. Einen Oscar gewinnt das Storytelling in Prince of Persia sicherlich nicht, als es 1992 fast haargenau auf Nintendos GameBoy portiert und 1999 für den GameBoy Color neu aufgelegt wurde, doch die relativ kurze Rahmenhandlung reicht aus, um uns stundenlang an den Bildschirm zu fesseln.

Fallengespickte Levels

Aufmerksame Leser werden sich jetzt sicherlich fragen, ob der Wiederspielwert von Prince of Persia wirklich dermaßen hoch ist, wenn sich doch die maximale Spielzeit eines Durchgangs auf gerade einmal eine Stunde beläuft. Dies können wir hiermit eindeutig bestätigen, denn ihr werdet beim ersten Angehen der Prinzessinnenrettung sicherlich nicht erfolgreich sein. Es gilt viel mehr die Level-Struktur auswendig zu lernen und beim nächsten Angehen noch schneller zu sein, um rechtzeitig vor Ablauf der Zeit die Prinzessin zu retten. Ein Kernelement in Prince of Persia ist anders wie in den meisten anderen Spielen die Steuerung. Ständig müssen wir mit dem Prinzen Abgründe überwinden, öfters dabei auch Anlauf nehmen. Sprünge müssen genau sitzen, denn springen wir zu früh oder zu spät von der geplanten Stelle ab, fallen oder laufen wir regelrecht in einen tiefen Abgrund und dürfen den Abschnitt direkt von vorne beginnen – da ist Prince of Persia skrupellos. Die Zeit verstreicht dabei übrigens weiter, womit ein jeder Fehler fatal für das weitere Vorankommen sein kann. Einige Fallen tun ihr übriges, damit wir nicht so leicht aus dem Kerker entkommen können. Stachelfallen und zuschnellende Wände sind noch das kleinere Übel. Herumliegende Tränke, mit welchen wir unsere Energie wieder auffüllen dürfen, können sich im Nachhinein auch als vergiftete Erfrischung entpuppen.

Realitätsnahe Animationen

Wir sollten also nach wie vor auch hier die Platzierungen der nützlichen Tränke merken, um nicht in der Eile des Gefechts wichtige Minuten zu verschwenden. Für unerfahrene Spieler ist es aber vielleicht nicht einmal die Zeit, welche die größte Bedrohung darstellt, sondern das im Spiel kaum erklärte Kampfsystem. Bereits im ersten Level finden wir ein wichtiges Schwert. Nur mit dieser Waffe können wir das Spiel überhaupt durchspielen, denn die Wachen wollen uns natürlich um jeden Preis aufhalten. Parieren und Angreifen sollten für Profis keine großen Schwierigkeiten darstellen. Neulinge müssen sich zunächst einmal an das System gewöhnen, doch nach einer kurzen Eingewöhnungszeit flutschen uns die Befehle nur so aus der Hand. Es ist übrigens auch heute immer noch schön anzusehen, mit welcher Sorgfalt man bereits Ende der Achtziger daran bedacht war, möglichst echte Bewegungen in einem Spiel zu realisieren. So streckt der Prinz weit den Arm aus, wenn er eine Attacke gegen eine Palastwache ausführt und die Beine sind weit gespreizt, wenn er über einen breiten Abgrund springt. Lediglich die nicht vorhandene Erhöhung der Einzelbilder bei der Animation ist innerhalb von zehn Jahren dann doch negativ anzukreiden. Neue Feinheiten seit Veröffentlichung der GameBoy-Fassung sind rar gesät. Das ursprüngliche Geschehen endlich in Farbe zu genießen ist trotzdem schön.

Klassiker und Meilenstein

Der Titel lebt außerdem nur von gelegentlichen Soundjingles, aber nicht von orientalischen und durchgehend vertretenen Musikstücken. Wer damit leben kann, wird ein spannendes Abenteuer erleben. Es ist auf der einen Seite unglaublich anstrengend, ständig bekannte Passagen aufs Neue zu erleben, doch dann ist es auf der anderen Seite wiederum dermaßen spannend, endlich neue Levels zu erkunden. Die Vielfalt in jenen Spielabschnitten ist zwar nicht sonderlich groß, doch das stört aufgrund der eigentlich kurzen Spielzeit kaum. Prince of Persia für den GameBoy Color ist auch nicht auf eine musikalische Untermalung angewiesen, denn wenn wir durchgehend nur die Schritte unseres Helden vernehmen, baut das in gewisser Weise die Spannung auf, die oftmals in einem Duell mit einer Palastwache eskaliert. Danach macht sich dann entweder ein Gefühl des Triumphes oder des Ärgerns breit. Ärgerlich ist für den einen oder anderen Spieler wohl auch, dass es der Entwickler nun auch bei der GameBoy-Color-Ausgabe vergessen hat, eine Speicherfunktion einzubauen und stattdessen wieder auf ein antiquiertes Passwortsystem setzt. Falls ihr den Titel aber in der Virtual-Console-Fassung auf eurem Nintendo 3DS spielen möchtet, habt ihr aufgrund der internen Speichermöglichkeit die Option, auf Passwörter zu verzichten. Verzichten auf Prince of Persia solltet ihr übrigens nicht, denn der Titel ist nicht nur ein Klassiker, sondern auch ein kleiner Meilenstein der Videospielgeschichte und sollte unbedingt mehr als eines Blickes gewürdigt werden.

Geschrieben von Eric Ebelt

Erics Fazit (basierend auf der GameBoy-, Super-Nintendo-Fassung und Virtual-Console-Fassung): Das erste Mal, wo ich mit Prince of Persia konfrontiert wurde, war das zu Beginn der Neunzige. Wieder einmal habe ich den Titel auf dem GameBoy meiner Tante kennengelernt und wie man sieht, habe ich ihn bis heute nicht vergessen. Damals war ich zu unerfahren ,für das Spiel, doch das änderte sich mit der Super-Nintendo-Fassung, die ich mir vor ungefähr zehn Jahren zugelegt hatte. Auf einmal erlebte ich das Abenteuer mit ganz anderen Augen und auf dem großen Bildschirm. Nun freute ich mich darüber, dass Ubisoft und Nintendo den Titel ins eShop-Angebot des Nintendo 3DS aufgenommen haben. Im direkten Vergleich zwischen der GameBoy- und der GameBoy-Color-Fassung sucht man Unterschiede nahezu vergeblich, doch dass die Kleidung des Prinzen nun in feinem Weiß erstrahlt, freut sich umso mehr. Auch der Fackelschein in den düsteren Katakomben wirkt nun deutlich atmosphärischer. Der Titel hat sich inhaltlich zum Glück nicht verändert. Nach wie vor ist höchste Präzision gefragt, um unbeschadet über Abgründe zu Sprüngen und wenn man etwas aus der Übung gekommen ist, können auch die Duelle mit den Wachen zu einer Tortur werden. Ich bin jedenfalls froh, nun auch eine Handheld-Fassung von Prince of Persia zu besitzen. So werde ich sicherlich auch das eine oder andere Mal unterwegs versuchen können, die Prinzessin zu retten.

Vielen Dank an Nintendo für die freundliche Bereitstellung des eShop-Guthabens!

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