Jahrelang warten Final-Fantasy-Fans vergeblich auf einen neuen Teil der Hauptreihe, der sich auch wirklich auf alte Tugenden besinnt. Theatrhythm Final Fantasy dämpft die Hoffnung auf solch ein Spiel, kann aber trotzdem teilweise Sympathiepunkte einheimsen.
Die Handlung von Theatrhythm Final Fantasy, wenn man sie denn so nennen mag, kann man schnell abhaken. Die Götter Chaos und Cosmos herrschen über die gesamte Schöpfung. Der Raum zwischen ihnen wird vom Rhythmus erfüllt und genau in diesem Raum entstand vor Urzeiten der Musikkristall, der die Welt mit Harmonie versorgt. Dieser Kristall wurde aber, wie könnte es auch anders sein, geschwächt. Schuld daran waren die Kräfte des Chaos, die das Gleichgewicht im Universum gestört haben. Nun liegt es an unserer vierköpfigen Truppe an Helden, mit denen wir die so genannten Rhythmia, besondere und überall in der Welt existierende Musikwellen, erklingen lassen und das Strahlen des Kristalls wieder zum Leuchten bringen. Für einen ernsthaften Serienableger wäre diese Geschichte viel zu kindisch und das ist sie im Grunde auch, denn alle Charaktere werden überdreht knuffig und süß an die Spieler verkauft. Erinnerungen an einst große Helden wie Cecil Harvey, Bartz Klauser, Terra Branford und Co verblassen trotzdem nicht, denn die Musik von Theatrhythm Final Fantasy ist der Dreh- und Angelpunkt, warum wir uns trotzdem mit dem Spiel verbunden fühlen. Doch anstatt pures Rollenspiel zu bieten, legt der Titel großen Wert auf die Soundtracks der ersten dreizehn Hauptableger von Final Fantasy und lässt diese im Gameplay aufleben.
Bunt gemischte Heldentruppe
Theatrhythm Final Fantasy ist ein Musik- und Rhythmusspiel. Im Takt müssen wir sie zu den mehr als siebzig enthaltenen Tracks auf den Bildschirm tippen oder den Stylus gedrückt auf dem Touchscreen halten, um bestimmte Bewegungen langfristig oder schnell hintereinander auszuführen. Auf dem untersten Schwierigkeitsgrad können wir dieses Schema nur belächeln, da wir uns kaum einen Fehler erlauben. Erst auf den beiden höheren Schwierigkeitsgraden ist das Gameplay ein wenig anspruchsvoller und für langsamere Spieler sicherlich schon viel zu anspruchsvoll, da viele Aktionen dermaßen schnell hintereinander ausgeführt werden müssen, dass selbst wir im Test kaum hinterher kommen. Unserer Heldentruppe ist somit ein schneller Tod garantiert, denn für jeden Fehler und jede verpasste Note erleidet diese Schadenspunkte. Sobald die Lebenspunkte unserer Truppe aufgebraucht sind, kassieren wir ein Game Over und müssen den Spielabschnitt von vorne beginnen. Unsere Heldentruppe besteht übrigens aus den Protagonisten der ersten dreizehn Hauptableger des Franchises. So durchleben wir das Spiel neben den drei im ersten Absatz bereits genannten Helden mit einem Warrior of Light, Firion, einem Onion Knight, Cloud Strife, Squall Leonhart, Zidane Tribal, Tidus, Shantotto, Vaan und auch Lightning, die jüngst in Final Fantasy XIII-2 auftrat.
Rollenspiel-Einmaleins
Haben wir uns eine vierköpfige Heldentruppe erstellt, dürfen wir sie mit Ausrüstungsobjekten ausstatten oder ihnen Zaubersprüche zu weisen – allerdings in einem schmalen, aber gesunden Rahmen an Möglichkeiten, denn jedes Objekt und jeder Zauber benötigt eine gewisse Anzahl an Punkten. Das Maximum dieses Wertes kann technisch nicht überschritten werden. Für den Fortschritt im Spiel erhalten die Charaktere aber neben Rhythmia auch Erfahrungspunkte, mit denen sie Stufen aufsteigen und ihre verschiedenen Werte erhöht werden. Mit Stärke teilen sie in Kämpfen mehr aus und können so über das gesamte Lied hinweg mehr Gegner besiegen und mit ihrer Zauberkraft steigt die Wirksamkeit und der Schaden, welche sie mit einer im Kampf beschworenen Unterstützung ausrichten können. Agilität erhöht dann die Reichweite, wie ein Charakter auf dem Feld reisen und Angriffen im Kampf ausweichen kann. Glück wiederum beeinflusst die Wahrscheinlichkeit unterwegs Items zu finden und Schaden in den unterschiedlichen Level-Sorten zu vermeiden. Es kann übrigens immer nur ein Item für unsere Helden ausgewählt werden, welches sich bei Bedarf übrigens eigenständig aktiviert. Potions heilen die Gruppe ab einem bestimmten Punkt und andere Items lassen uns mehr Schaden austeilen. Da ist für jede Spielweise etwas dabei.
Tippen und ordentliche Bewegungen
Unterschieden wird in Theatrhythm Final Fantasy zwischen vier verschiedenen Level-Sorten. In der Demo Music Stage (ist ein spezieller Abschnitt des Series Mode, in dem alle Sorten an Levels der Reihe nach und nach Spiel geordnet auftreten) fliegen Noten auf den Kristall in der Mitte zu. Sobald sich diese über diesem befinden, müssen wir irgendwo auf den Bildschirm tippen. Für jede im Rhythmus getroffene Note erhalten wir eine Rhythmia, mit der wir angehäuft neue Elemente im Spiel freischalten können (darunter fallen meist neue Lieder im Music Player und Videos im so genannten Theatre). Als nächste Level-Art wäre die Field Music Stage zu nennen. Hier bewegt sich der Anführer unserer Gruppe von rechts nach links über den Bildschirm (bei einem Fehler wechselt das Abbild zum nächsten Gruppenmitglied). Hier gilt es ebenfalls rhythmisch den Bildschirm zu berühren, sobald eine Note angeflogen kommt oder den Touchpen in die entsprechende Richtung zu ziehen. Wichtig ist dabei, dass diese Bewegung ordentlich über den Bildschirm gezogen wird, da die Soft- beziehungsweise die Hardware nicht im Stande ist, die Bewegung womöglich richtig zu interpretieren. Das ist zuweilen blöd, da bei vielerlei Noten hintereinander Fehler gegebenenfalls vorprogrammiert sind. Das hätte Square Enix in der Spielanleitung ebenfalls erwähnen können.
Dunkle Noten
Außerdem kommt es in der Field Music Stage mitunter vor, dass wir eine Note berührt halten und ihrem Schweif folgen müssen. Ähnliches erwartet uns auch in der Event Music Stage. In diesen Levels läuft im Hintergrund ein gerendertes Video (im Falle der jüngeren Spiele) oder zusammengeschnittene Spielszenen aus den älteren Teilen der Reihe ab. Im Vordergrund gilt es dann dieselben Befehle auszuführen, wie bei den Field Music Stages. Herausfordernd sind aber vor allem die Kämpfe in Theatrhythm Final Fantasy. Hier kommen die Noten nur so auf insgesamt vier Bahnen angeflitzt und wollen trotzdem im Takt oder im Rhythmus getroffen werden. Keine Sorge – wir müssen auf dem Touchscreen keine unterschiedlichen Positionen erkennen (die Noten werden auf dem oberen Screen dargestellt), sondern den Screen auch hier einfach nur im richtigen Moment berühren. Früher oder später stoßen wir in einem dieser Levels auch auf eine Dark Note. Sobald wir diese berührt haben, können wir im Chaos Shrine besonders schwierige Musikstücke ausprobieren und der Reihe nach neue Dark Notes erhalten – das ist besonders deshalb motivierend, da wir eine Dark Note (ohne dass unsere verfällt) auf unsere so genannte ProfiCard packen können. Aktivieren im Spiel nämlich StreetPass, so wird unsere ProfiCard unterwegs mit anderen Spielern des Titels ausgetauscht und so kommen wir eventuell in den Genuss eines neuen schwierigeren Tracks, den wir ausprobieren dürfen.
Und täglich grüßt der Downloadable Content
Kennt ihr genügend Freunde im Umkreis, die ebenfalls Theatrhythm Final Fantasy besitzen, könnt ihr mit diesem auch gemeinsam einen Track angehen. Das ist sicherlich spaßig, doch verstehen wir beim besten Willen nicht, warum das nicht online funktioniert. Besonders bei Spartenspielen hätte es Square Enix klar sein müssen, dass nicht jeder Fan des Franchises bei diesem Gameplay zuschlägt. Schade, hier verbaut sich der Publisher unnötig einen möglichen größeren Erfolg. Weiterhin ärgern wir uns darüber, dass Square Enix bereits zum Release des Spiels neue Songs zum Download freigibt. Wer die Download-Mentalität des Publisher noch von Spielen wie Final Fantasy: Crystal Chronicles – My Life as a King, Final Fantasy: Crystal Chronicles – My Life as a Darklord, Final Fantasy IV: The After Years und die Online-Kosten von den beiden Final-Fantasy-Online-Rollenspielen kennt, wird sehr schnell wissen, dass er hier nicht günstig davonkommt. Square Enix möchte doch tatsächlich für jeden Song einen ganzen Euro. Da kommen wir mit den Alben der Spiele selbst deutlich günstiger davon. Dann können wir diese Tracks zwar nicht spielen, doch immer noch anhören. Das ist genau auch der Grund, warum einige Fans vermutlich zuschlagen – der Soundtrack von Final Fantasy ist dank Größen wie Nobuo Uematsu nämlich traumhaft schön und hier gut ausgewählt.
Zwei Ideen – ein Spiel
Final-Fantasy-Fans, die seit Jahren (unerfüllt) auf ein anständiges Rollenspiel warten, müssen sich weiterhin gedulden, denn das bietet Theatrhythm Final Fantasy nämlich nicht. Zwar gibt es auch hier Rollenspielelemente, die sich dann aber kaum bemerkbar machen und auch keine spürbaren Auswirkungen auf das eigentliche Gameplay haben. Zwar sehen wir, dass wir nun öfters Items finden und mehr Gegner besiegen, doch um das Level zu beenden ist Taktgefühl und ein Verständnis für Rhythmen immer noch entscheidend und das verlangen wir von solch einem Musik- und Rhythmusspiel auch. Das Problem ist nur, dass sich das Gameplay auf kurz oder lang als sehr eintönig entpuppt – da machen auch die Rollenspielelemente nicht mehr viel her. Square Enix hat hier offensichtlich an zwei Baustellen gearbeitet, die es auf ein Ergebnis abgezielt haben – ein fertiges Produkt. Das ist Theatrhythm Final Fantasy auch, doch mangelt es dem Titel auf beiden Seiten an der Bereitschaft zur Zusammenarbeit. Da wäre viel möglich gewesen, denn alleine schon durch eine ordentliche Handlung, die uns durch alle Geschichten der dreizehn Spiele führt, hätte dem Titel sehr gut getan. Theatrhythm Final Fantasy bleibt ein Spiel für die Hardcore-Fans und dann auch nur, wenn sie dem Genre nicht abgeneigt sind. Wir hoffen inständig, dass Square Enix bei einem Nachfolger mehr Liebe einfließen lässt.
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit: Für ein Rezensionsexemplar hat das Kontingent dieses Mal leider nicht gereicht. Wir verstehen jetzt auch warum, denn nachdem ich mir das Spiel dann noch eigens erworben habe (bin einfach ein zu großer Fan von allem, wo Final Fantasy draufsteht), bin ich doch ein wenig enttäuscht. Durch die Demoversion wusste ich zwar, was mich in etwa erwartet, aber dass sich das Gameplay auch nicht einmal im gesamten Spiel leicht ändert oder verbessert, hat mich dann doch sehr irritiert. Ich verstehe nicht, warum Square Enix für diese Produktion anscheinend genügend Ressourcen hat, für andere (und meiner Meinung nach auch deutlich) wichtigere Themen nicht. Erst kürzlich kamen Gerüchte auf, dass selbst Final Fantasy Versus XIII eingestellt sei. Durch den Weggang von Hironobu Sakaguchi und Nobuo Uematsu fehlen dem Konzern einfach zwei wichtige Persönlichkeiten, die Final Fantasy groß gemacht haben. So ist für mich auch das vorliegende Produkt zu erklären und warum ich mich nach einigen Spielstunden langfristig nicht mit dem Spiel identifizieren kann. Versteht mich an dieser Stelle bitte nicht falsch! Theatrhythm Final Fantasy macht definitiv Spaß, aber maximal für eine halbe bis ganze Stunde. Die geringe Abwechslung des eintönigen Gameplays, der fehlende Story-Modus und andere nicht existente Elemente machen den Titel leider absolut zu keinem Überflieger im Genre. Trotzdem sehe ich Potential in diesem Spiel, das der Publisher hier allerdings nicht ausgeschöpft hat. Sollte Square Enix irgendwann einmal über einen Nachfolger nachdenken, sollten sie in diesem deutlich mehr Liebe einfließen lassen.