Nachdem bereits im Januar 2011 der erste Teil der Inazuma-Eleven-Serie erschienen ist, fand im Mai 2012 endlich der lang erwartete Nachfolger seinen Weg in europäische Gefilde. Der zweite Teil erschien zudem gleich in zweifacher Ausführung.
Wir blicken zurück auf den ersten Teil: Der junge Mark Evans, seines Zeichens Torhüter und Kapitän einer Schulfußballmannschaft, hat sein müdes Team regelrecht zu einer Glanzzeit verholfen. Nach hartem Training und dem Zutun vom Stürmer-Ass Axel Blaze, war es der Raimon-Elf möglich, das Football-Frontier-Turnier zu gewinnen. Zu diesem Zeitpunkt knüpft die Handlung von Inazuma Eleven 2: Feuersturm und Inazuma Eleven 2: Eissturm an. Die Jungs feiern immer noch den Sieg, bewundern ihren Pokal und wollen auch gleich wieder mit dem Training am Flussufer beginnen. Auf einmal hören sie einen ohrenbetäubenden Knall und müssen mit ansehen, wie Aliens in Menschengestalt ihre Schule mit schwarzen Fußbällen in Schutt und Asche legen. Traumatisiert von diesem Erlebnis können sie aber nicht zusehen, denn schon bald wird klar, dass ebenfalls noch andere Schulen in ganz Japan von den Aliens angegriffen werden. Da sie gegen die Außerirdischen nichts ausrichten können, beschließt die Raimon-Elf, hart zu trainieren und dabei die besten Spieler im ganzen Land aufzusammeln. In ihrem Vorhaben werden sie von ihrer neuen Trainerin Lina, Herrn Veteran und auch dem aus dem Vorgänger bekannten Polizisten Gregory Smith unterstützt. Die Story des Spiels klingt zunächst sehr hanebüchen, doch relativiert sich das Verhältnis zum Ende des Spiels hin.
Das Land der aufgehenden Sonne
Wir verraten euch an dieser Stelle natürlich nicht, was es denn mit den vermeintlichen Aliens auf sich hat, doch wir möchten euch versichern, dass die Grundfesten der Handlung spätestens im vorletzten der zehn Kapitel Sinn ergeben. Zufriedenstellend ist auch das nicht, da sich die Geschichte der Raimon-Elf wieder in die Surrealität stürzt. Das wirkte im ersten Teil bereits aufgesetzt, doch übertrumpft sich das in Inazuma Eleven 2 sogar. Freunde von übertriebenen Handlungen mit entsprechender überzogener Inszenierung dürfen aber auch vom zweiten Teil des Fußballrollenspiels angesprochen fühlen. Die Story wird aber nicht nur in Tokio und den Außengebieten der Metropole vorangetrieben, sondern in ganz Japan. Zusammen mit unseren virtuellen Freunden bereisen wir das Land der aufgehenden Sonne vom eisigen und schneebedeckten Hokkaidō im Norden bis hin zum sonnigen Okinawa. Das verspricht zwar in vielerlei Punkten mehr geographische Abwechslung, doch hätten wir uns sehr darüber gefreut, wenn wir mehr über kulturelle Hintergründe der Präfekturen, Sehenswürdigkeiten und Städte erhalten würden. Wir schnappen nämlich leider nur Bruchstücke in Gesprächen mit einzelnen Personen auf. So erfahren wir in Kyōto beiläufig etwas ein Haiku von Matsuo Bashō (Even in Kyōto). Solche Stellen reduziert der Fukuokaer Entwickler Level-5 leider auf ein Minimum.
Die Qual der Wahl
Sobald wir mit dem Mannschaftsbus am Zielort angekommen sind, wählen wir auf einer mehr oder weniger großen Übersichtskarte auch noch den Bestimmungsort aus, zu welchem wir uns als nächstes begeben möchten. In der Regel müssen neue Orte im Handlungsverlauf erst noch freigeschaltet werden, weshalb wir erst im späteren Spielverlauf kreuz und quer durch Japan reisen können, um beispielsweise in Läden einkaufen zu gehen. Bereits besuchte Ortschaften müssen wir aber dann aufsuchen, wenn wir neue Spieler für unser Team anwerben wollen, die nicht im regulären Spielverlauf zu uns stoßen. Das ist zwar nicht zwingend erforderlich, aber neue Stürmer oder Verteidiger kommen immer mit relativ unterschiedlichen Werten und auch Spezialfähigkeiten daher. Somit steht dem Aufbau einer einzigartigen Mannschaft nichts mehr im Wege, doch die Story variiert dadurch nicht. Im Angesicht der hohen Spieleranzahl, die in ganz Japan auf uns wartet, ist das auch nicht weiter verwunderlich, denn wieder einmal haben wir die Möglichkeit, unser Team aus circa 1500 Spielern zusammen zu stellen. Da ist es dem Entwickler zu verzeihen, dass wichtige Momente einzig und allein durch die prägnanten Hauptdarsteller präsentiert werden. Um aber an neue Spieler zu kommen, wollen diese erst in kurzen Fußball-Matches besiegt werden. Teilweise echt herausfordernd!
Fußballrollenspiel
Diese kurzen Matches, die wir auch regelrecht in Zufallskämpfen erleben, wenn wir durch die Städte und Außenbezirke laufen, dauern tatsächlich nur wenige Sekunden an, zumal hier auch nur vier Spieler auf dem Platz stehen. Entweder müssen wir das Runde ins Eckige schießen, dem Gegner den Ball abnehmen, eine bestimmte Zeit lang selbst kein Tor riskieren oder dem Gegner das Leder verwehren. Erst wenn die Handlung es von uns verlangt, gegen eine andere Mannschaft zu spielen, stehen dann auch tatsächlich elf Spieler auf einer Seite des Felds. So lange wie ein richtiges Fußballspiel ist ein Match in Inazuma Eleven 2 aber nicht. Auch hier reduziert man die Zeit auf das Vierfache der maximalen Dauer eines Zufallskampfes – in unseren Augen absolut angemessen. Je besser beziehungsweise je schöner wir spielen und desto mehr Tore wir schießen, desto mehr Erfahrungspunkte bekommen wir für ein Match. So steigen unsere Spieler neue Levels auf, verbessern ihre Attribute wie Schusskraft, Ausdauer oder Körpereinsatz und erlernen hin und wieder auch neue Spezialtechniken. Genau in diesem Punkt unterscheidet sich Inazuma Eleven 2 von so gut wie allen Fußballspielen der Welt. Wie beispielsweise im Anime Kickers, werden alle Techniken überzeichnet dargestellt. Da fliegt dann auch schon mal ein Fußball mit dem Schweif eines Drachen oder mit Flammen ins Tor.
Mathematische Berechnungen
Bei Feindkontakt und Torschüssen laufen im Hintergrund also Berechnungen ab, die sich auf die Attribute der Spieler stützen und sich auf die Elemente der Fußballer beziehen. Genau wie im Vorgänger und ähnlich wie bei Pokémon ist Erde effektiv gegenüber Feuer, Feuer besser als Holz, Holz hält Wind statt und Wind wiederum ist effektiv gegen Erde. Wer dieses System beherrscht, hat auf dem Fußballfeld leichteres Spiel, denn die Gegner fühlen sich im zweiten Teil deutlich herausfordernder an als noch im Vorgänger. Besonders im Mittelteil des Spiels ist das ein Grund, weiterhin der fantasievollen Handlung zu folgen, doch je länger wir spielen, desto eher fällt uns auf, dass die künstliche Intelligenz der eigenen Spieler zu wünschen übrig lässt. Inazuma Eleven 2 verlangt von uns vermehrt Gruppentechniken in die Tat umzusetzen und diese lassen sich nur durch geschickte Pässe verwirklichen, doch einige Spieler verfolgen das Spielgeschehen nicht immer so, wie wir uns das vorstellen. Daher empfehlen wir euch an dieser Stelle, das Geschehen kurz einzufrieren, damit ihr den Spielern einzelne Anweisungen geben könnt. Wir hätten uns gefreut, wenn Level-5 ein wenig mehr Sorgfalt in Bezug auf den Action-Anteil des Spiels gesetzt hätte. Trotzdem machen die Matches jederzeit sehr viel Spaß und durch unterschiedliche Spielerkonstellationen spielen sie sich zudem abwechslungsreich.
Subtile Fortsetzung der Serie
Neuerungen sucht man allerdings im Detail, doch sind die subtilen Veränderungen vor allem eines, nämlich sinnvoll. Beispielsweise können wir mit einem Spieler jetzt auch von einem weiter entfernten Platz auf das Tor schießen. Das ist im Normalfall selten von Erfolg gekrönt, doch wenige Spezialtechniken lassen sich auch schon von dieser Position einsetzen, was dem ganzen Spektakel einen taktischen Anstrich verleiht. Man hat aber auch an die Verteidigung gedacht und so gibt es auch dort spezielle Techniken, die einen auf das Tor fliegenden Ball in Windeseile abblocken können. Außerdem gibt es Fußballer, die in mehreren Bereichen gut sind. So kann der Charakter Shawn Froste entweder als Stürmer oder Verteidiger antreten und dabei auch noch die doppelte Anzahl an Techniken erlernen (zwischen den Klassen muss dann aber immer noch manuell gewechselt werden). Inazuma Eleven 2 versteht sich hier also mehr als verbesserte Fortsetzung anstatt mit Innovationen aufzutrumpfen, was besonders Fans des ersten Teils freuen dürfte. Unverändert ist somit auch die Steuerung geblieben. Während wir im Rollenspielmodus Mark und seine Freunde wahlweise mit dem Steuerkreuz oder dem Stylus navigieren dürfen, können die Matches nur mit dem Stylus ausgeführt werden. Schade, denn über Modi, in denen wir auch nur mit den Tasten spielen dürfen, hätten wir uns gefreut.
Zwei Spielfassungen
Ärgerlich ist, dass es Level-5 verpasst hat, Online-Modi zu integrieren. So bleiben Online-Duelle leider aus und wir sind darauf angewiesen, in unserem näheren Umkreis nach anderen Inazuma-Eleven-Spielern zu suchen, um mit ihnen zu spielen oder Spieler zu tauschen. Es ist sogar möglich, gegen Besitzer des ersten Teils anzutreten. Nintendo verspricht außerdem, ab dem 18.05.2012 etwa ein Jahr lang, neue Charaktere über die WiFi-Connection verfügbar zu machen. Leider wird der WiFi-Connector unter Windows 7 offiziell nicht unterstützt und so können wir nicht überprüfen, ob Nintendo Wort hält. Da das System bei Professor Layton und Inazuma Eleven aber bereits funktioniert hat, sind wir aber guter Dinge! Die Präsentation des Titels findet in Form eines kunterbunten Anime-Stils statt und wird mit kurzen Anime-Szenen immer mal wieder unterbrochen. Diese Szenen sind mit einer eher mäßigen deutschen Synchronisation unterlegt. Der Soundtrack besteht aus wenigen Ohrwürmern, die nach kurzer Zeit nerven könnten. Zwischen beiden Fassungen (Feuersturm und Eissturm) gibt es übrigens keine großen Unterschiede. Es entwickelt etwa ein anderes Mädchen Gefühle für Mark und andere Spieler zum Tauschen treten in Erscheinung. Da wäre mehr möglich gewesen! Wer sich auf Inazuma Eleven 2 einlässt, wird mit mindestens 25 Stunden Spielzeit gut unterhalten.
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit (basierend auf Inazuma Eleven 2: Feuersturm): Wie jeder weiß, kann ich mit Fußball in der Regel absolut nichts anfassen. Das hat sich auch nicht geändert, nachdem ich das objektiv betrachtet gute Pro Evolution Soccer 2013 auf der Gamescom angeschaut habe. Inazuma Eleven 2 ist aber anders, denn es ist für mich ein Fußballspiel, wie ich es auch in der Realität gerne erleben würde. Maßlos übertrieben, witzig gestrickt und spannend inszeniert. Einzig und allein die zu abgehobene Handlung von Inazuma Eleven hat mich ein wenig am Kopf getroffen, doch bis auf diesen Punkt, habe ich den Vorgänger geliebt. Und fast genauso ist es mit Inazuma Eleven 2. Anfangs dachte ich noch, dass die Geschichte mit den Aliens ein schlechter Scherz sei und die ganze Spielzeit über habe ich deswegen ein ungutes Gefühl in der Magengrube gehabt. Als dann jedoch die Auflösung kam, konnte ich mich mit den neuen Fakten eher identifizieren, doch auch diese Informationen sind sehr weithergeholt! Verraten tue ich euch jetzt natürlich nichts, doch meiner Meinung nach hat die Story im Gegensatz zum Vorgänger abgebaut. Dafür habe ich das Gefühl, dass die Matches sich nun anspruchsvoller spielen lassen und die Gegner nicht immer nach demselben Prinzip handeln. Da der Titel von mir jetzt aber immer mehr verlangt, ständig die Spielerkonstellation zu wechseln und spezielle Techniken auszuführen, wirken viele Matches einfach nur gescriptet. Das hätte man besser machen können, doch sonst sind die Änderungen im Spiel sinnvoll und verbessern den Inhalt so, wie man ihn als Fan der Reihe gerne sehen möchte. Neuerungen werden mir hier absolut nicht aufgezwungen. Wer den ersten Teil mochte, wird auch mit Teil 2 zurecht kommen.