Die Once-upon-a-Time-in-China-Trilogie gehört zu den besten Martial-Arts-Filmen, die wir jemals gesehen haben. Anstatt die Trilogie auch hierzulande in eine Hexalogie umzuwandeln, schiebt Splendid Film stattdessen das Spin-off Last Hero in China nach.
Ähnlich wie die erwähnten Once-upon-a-Time-in-China-Filme spielt auch Last Hero in China zur Jahrhundertwende im Reich der Mitte. Kein Wunder, dreht sich die Handlung des Films doch auch um den chinesischen Volksheld Wong Fei-Hung. Der Kampfkunstlehrer und auch Mediziner Wong hat ein großes Problem, denn seine Schule ist mittlerweile zu klein für die stetig anwachsende Zahl von Schülern und so schickt er ein paar seiner Schüler aus, um ein neues Gebäude für seine Kampfkunstschule zu finden. Bei der Suche treffen sie auf einen Meister der Schneiderei, der ebenfalls Wong heißt und dem anderen Wong sogar drei Monate Miete schenkt, sofern er von Wong Fei-Hung unterrichtet wird. Dass das kein großes Problem darstellen sollte, dürfte Kennern des Volkshelden klar sein und so finden Wong und seine Schüler in einem neuen Gebäude ihr Zuhause, welches auch seiner Kampfkunstschule aus Once upon a Time in China ein wenig ähnelt. Dumm nur, dass ausgerechnet jetzt auffällt, dass sein Schüler Wong nebenan ein Freudenhaus unterhält. So werden nicht nur Wongs Schüler von den aufreizenden Damen abgelenkt, sondern auch Wong selbst kommt in eine unmissliche Lage, als sich zwei Prostituierte als Patienten bei Wong vorstellen und genau dann der amtierende General der örtlichen Kaserne vorbeischaut.
Chinesischer Volksheld
Last Hero in China dreht sich natürlich nicht nur um die Nachbarschaft zwischen Wongs Schule und Wongs Bordell, denn in Kanton haben diabolische Kräfte Einzug gehalten. Ein undurchsichtiger Mönchsordnen versteckt in seinem Kloster Frauen, die sie in Südostasien als Dirnen verkaufen wollen. Als dann auch noch Vater und Schwester einer verschwundenen Frau in Kanton auftauchen, wird auch Wong Fei-Hung auf die Geschehnisse aufmerksam. Nach einem spektakulären Kampf, dessen Qualität wir gleich nochmal ansprechen müssen, wird Wong durch eine britische Medizin jedoch taub. Anstatt ihn für den Aufruhr ins örtliche Gefängnis zu stecken, soll er in seine Heimat Foshan zurückkehren und dort seinen Frieden finden. Da seine Schüler mit der Situation nicht zufrieden sind, versuchen sie mehr über den Orden herauszufinden und erfahren so, dass der General seine Finger mit im Spiel hat und die Entführung des britischen Botschafters vor hat. Wong, der mittlerweile außerhalb der Stadt verarztet wird und seine Taubheit wieder verliert, wird zunächst Ziel eines Anschlags, um im Anschluss in zwei weiteren spektakulären Kämpfen die Situation bei den Festlichkeiten in Kanton unter Kontrolle zu bringen. Bei diesen Kämpfen wird uns immer wieder vor Augen geführt, dass es sich hierbei eindeutig um ein Spin-off der Filmreihe handelt.
Abgedrehtes Spin-off
Das liegt insbesondre an dem teils zu abgedrehten Humor, den wir so in der restlichen Reihe nicht gesehen haben. Die Prostituierten fassen sich an die Brüste und wackeln damit. Das sieht in der Praxis dermaßen dämlich aus, dass wir einfach nicht darüber lachen können. In den Kampfszenen ist es dann unter anderem ein Hahn- oder Truthahnkostüm, mit dem Wong angreift und dabei gegackerte Laute als Kampfgeräusche eingespielt werden. Dass die beiden Stoffschilde dann auch noch eiserne Klingen samt entsprechender Geräuschkulisse abwehren können, verunglimpft die Szene noch mehr. In der anderen Kampfszene gegen den Orden ist es eindeutig, dass Schauspieler Jet Li via Drahtseil durch die Lüfte springt, doch wenn er sich dann auch noch buchstäblich an diesem festhält und in der Szene dort einfach kein Seil sein sollte, dann macht das absolut keinen Sinn. Obwohl die lustigen Szenen insbesondere in den ersten dreißig Minuten schmerzlich auffallen, gewinnt der Film dennoch an ernster Tiefe, auch wenn die britische Anwesenheit zu dieser Zeit (verständlicherweise) nebenher durch die britische Medizin kritisiert wird. Das Bild in 1080p ist nur in den Nahaufnahmen gut, da sonst die Unschärfe zu stark auffällt. Die deutsche Synchronisation passt zum Klamauk, doch der Originalton in Kantonesisch ist sehr viel passender und ebenso authentischer.
Geschrieben von Eric Ebelt
Erics Fazit (basierend auf der Blu-ray-Fassung): Die Jet-Li-Reihe von Splendid Film hat jetzt lange Zeit pausiert, und nach ein paar Fehlplatzierungen in der Reihe, ist Last Hero in China sicherlich wieder ein Film, der aus dem Einheitsbrei heraussticht. Jedoch zerstört die unpassende Komik den Mythos um Wong Fei-Hung, denn während in der Once-upon-a-Time-in-China-Reihe der Humor subtil, passend und weniger lächerlich eingefangen wurde, ist das in Last Hero in China leider nicht der Fall. Das fängt bei Unsinnigkeiten in den Kämpfen an, denn wenn sich Jet Li auf einmal an einem Drahtseil sichtlich festhält und in einem ulkigen Kostüm auftritt, dann wirkt das ziemlich unprofessionell. Was sich Regisseur Yuen Woo-Ping dabei gedacht hat, weiß ich auch nicht. Die lustigen Momente, die sonst immer so toll in die Handlung eingewebt worden sind, sind ebenfalls nicht immer so lustig, wie sich der Regisseur das wohl im Kopf vorgestellt hat. Auch dass sich der ehrenhafte Wong Fei-Hung während der Kämpfe als listenreich entpuppt und sogar selbst so vorstellt, macht den Mythos um diesen chinesischen Volkshelden kaputt. Wer dringend Nachschub an Martial-Arts-Filmen braucht, der wird mit Last Hero in China sicherlich glücklich, denn nur so bekommt man wohl einen Wong Fei-Hung zu sehen, der im Drunken-Master-Stil kämpft.
Vielen Dank an Splendid Film für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars von Last Hero in China!